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Nepal wählt bei Parlamentswahl neues Unterhaus

Keystone-SDA

Sechs Monate nach den Massenprotesten in Nepal und dem Rücktritt des damaligen Regierungschefs hat in dem Land wieder eine Parlamentswahl stattgefunden. Erste Berichte von nationalen und internationalen Wahlbeobachtern deuteten auf einen weitgehend friedlichen Verlauf der Stimmabgabe hin, sagte der geschäftsführende Wahlkommissionschef Ram Prasad Bhandari in der Hauptstadt Kathmandu.

Leere Strassen in Kathmandu

(Keystone-SDA) Die Strassen in Kathmandu blieben am Wahltag relativ leer, weil Fahrzeuge nur mit Ausnahmegenehmigung fahren durften. Unmittelbar nach offizieller Schliessung der Wahllokale am späten Donnerstagnachmittag (Ortszeit) sollte mit der Auszählung der Stimmen begonnen werden. Mit ersten Ergebnissen wurde frühestens am Freitag gerechnet.

Richtungsweisende Wahl

Die vorgezogene Wahl zum Unterhaus, die die mächtigere der beiden Parlamentskammern ist, hat eine richtungsweisende Bedeutung für den Himalaya-Staat. Zugleich gilt sie als Test für den Einfluss der jüngeren Wähler. Fast 19 Millionen des 30 Millionen Einwohner zählenden Landes waren aufgerufen worden, ihre Stimme abzugeben. Nach ersten Schätzungen habe die Beteiligung bei etwa 60 Prozent gelegen, sagte Bhandari. Die Wahl ist mit der Hoffnung der Menschen in dem von Armut geprägten Land auf politische Stabilität verbunden. Eine Sperrung von etlichen Social-Media-Plattformen hatte im September in Nepal Zehntausende, meist jüngere Menschen der «Generation Z» auf die Strasse getrieben. Die Demonstranten prangerten zudem weit verbreitete Korruption und Vetternwirtschaft an. Im Zuge der Unruhen kamen mehr als 70 Menschen ums Leben.

Schwierige Voraussage

Der damalige Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli war zurückgetreten, die Nationalversammlung wurde aufgelöst und die ehemalige Bundesrichterin Sushila Karki übernahm übergangsweise die Regierungsverantwortung. Dem 35-jährigen Ex-Bürgermeister Kathmandus, Balendra Shah, werden gute Chancen eingeräumt, nächster Regierungschef zu werden. Der ehemalige Rapper ging als Spitzenkandidat für die relativ junge zentristische Partei Rastriya Swatantra Party ins Rennen. Als ihre grössten Rivalen gelten der links der politischen Mitte stehende Nepali Congress und Olis Kommunistische Partei Nepals (Vereinigte Marxisten-Lenisten).

275 Parlamentssitze

Bei der Wahl geht es um die Verteilung von 275 Sitzen. Neben den 165 Direktmandaten werden 110 Sitze nach dem proportionalen Stimmenanteil an Listenkandidaten vergeben. Nepal ist eine recht junge parlamentarische Demokratie. Von 1996 bis 2006 herrschte Bürgerkrieg, die jahrhundertealte Monarchie wurde 2008 abgeschafft.

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