Schwyzer Kantonsrat sagt erneut Nein zu Zugerseebelüftung
Der Kanton Schwyz soll sich nicht finanziell an einer Belüftung des mit Phosphor belasteten Zugersees beteiligen. Der Kantonsrat hat eine Volksinitiative der Mitte mit 53 zu 39 Stimmen abgelehnt und damit einen früheren Beschluss bestätigt.
(Keystone-SDA) Das Volksbegehren verlangt, dass der Kanton Schwyz die gesetzlichen Mindestanforderungen an die Wasserqualität einhält. Zum Zugersee fordert es, dass er 2,3 Millionen Franken an die Installation einer Belüftung sowie einen jährlichen Beitrag von 109’000 Franken an deren Betrieb zur Verfügung stellt.
Der Kantonsrat hatte im April 2025 diese finanzielle Beteiligung mit 54 zu 43 Stimmen abgelehnt. Es handelte sich bei der Belüftung um ein Projekt der Anrainerkantone Zug, Schwyz und Luzern, das total 11,2 Millionen Franken kostet.
Die Mitte wollte sich mit dem Nein des Kantonsrats nicht abfinden und lancierte die Volksinitiative. Der Zugersee hat mit 80 Milligramm Phosphor pro 1000 Liter Wasser die höchste Phosphorbelastung aller grossen Schweizer Seen. Der Wert liegt klar über dem Zielwert von 30 Milligramm.
Kommission: «Gesunder See»
Kommissionssprecher Samuel Lütolf (SVP) warb für ein Nein. Der Zugersee sei, bis auf den Phosphorgehalt, ein gesunder See mit sehr vielen Fischen. Er sprach von einem «perfekten Zustand».
Der Zugersee ist ein tiefer See, zudem liegen der Zu- und Abfluss nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Diese natürlichen Begebenheiten führten dazu, dass das Wasser lange im See bleibe und sich das Wasser in der Tiefe nur langsam durchmische, sagte Lütolf.
Lütolf zweifelte auch den Nutzen einer Belüftung an. Im Kanton Luzern würden Seen seit Jahrzehnten belüftet, sagte er. Er plädierte dafür, zunächst den Erfolg der bislang am Zugersee ergriffenen Massnahmen abzuwarten.
Gegen die Initiative führte der Kommissionssprecher ferner an, dass sie nicht nur für den Zugersee gelte. Die finanziellen Folgen, auch für die Landwirtschaft, seien nicht abschätzbar.
Heisse Sommer verschärfen Problem
Michael Reichmuth (Mitte) widersprach. «Der Zugersee braucht Massnahmen», sagte er. Herbert Süess (Mitte) führte zugunsten einer künstlichen Belüftung an, dass die Klimaerwärmung die Situation zusätzlich verschärfe.
Rita Marty (SP/Grüne) sagte, der See sei in einer Tiefe von 200 Metern tot. Das Phosphordepot sei eine «tickende Zeitbombe». «Wir können nicht einfach tatenlos zusehen», sagte sie.
Doris Pöpplein (GLP) sagte, es gebe keinen Grund, wissenschaftliche Erkenntnisse politisch in Frage zu stellen. Ferner sei es unverständlich, dass es im Kanton Schwyz eine Volksinitiative brauche, damit die übergeordneten Gesetze eingehalten werden.
Teuer und riskant
Ein Nein zur Initiative kam dagegen von der FDP. Ihr Sprecher Reto Keller sagte, die Belüftung sei ein kostspieliger Eingriff in ein funktionierendes Ökosystem und bringe auch Risiken mit sich.
Kim Pfadenhauer (SVP) sagte, eine Belüftung sei ein Experiment mit einem unsicheren Ausgang, das zudem viel Energie brauche. «Lassen wir den Zugersee einfach besonders sein.»
Neutraler Regierungsrat
Der Regierungsrat, der vor eineinhalb Jahren mit seinem Kreditantrag für die Zugerseebelüftung gescheitert war, verhielt sich in Bezug auf die Initiative neutral. Er stellte dem Parlament keinen Annahme- oder Ablehnungsantrag. Umweltdirektor Sandro Patierno (Mitte) sagte aber, dass gehandelt werden müsse.
Der Regierungsrat wies in seinem Bericht an den Kantonsrat darauf hin, dass mit den bisherigen Massnahmen die Phosphorbelastung nicht wie vom Gesetz verlangt hätte gesenkt werden können. Diese bundesrechtliche Verpflichtung bestehe weiterhin.
Der Phosphor gelangt vor allem durch das Düngen in den See und fördert dort das Algenwachstum. Die absterbenden Pflanzen entziehen dem Wasser den Sauerstoff. Ab einer Tiefe von 160 Meter ist der See praktisch sauerstofffrei. Zudem wird das Wasser des bis zu 200 Meter tiefen Sees nur langsam erneuert.
Über die Volksinitiative können nun die Stimmberechtigten entscheiden.
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