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Verfassung garantiert dem Berner Jura einen Sitz in der Regierung

Nach dem Kantonswechsel von Moutier macht der Berner Jura nur noch 4,4 Prozent der Bevölkerung des Kantons Bern aus. Trotzdem hat die Region weiterhin einen verfassungsmässigen Anspruch auf einen Sitz im Regierungsrat und zwölf Sitze im Parlament.

(Keystone-SDA) Um gewählt zu werden, muss der Kandidat, der den Berner Jura in der Regierung vertreten soll, nicht nur die absolute Mehrheit erreichen, sondern auch das beste geometrische Mittel erzielen. Dieses Berechnungssystem gibt einer Stimme aus dem französischsprachigen Teil mehr Gewicht als einer Stimme aus dem übrigen Kanton.

Dabei werden die Stimmen der Kandidierenden für den Berner Jura und den Gesamtkanton getrennt ermittelt und dann miteinander multipliziert. Aus dieser Zahl wird die Wurzel gezogen. Ein Kandidat muss also in seiner Region beliebt sein und gleichzeitig im ganzen Kanton Unterstützung finden.

Bei der Wahl 2022 erhielt Pierre Alain Schnegg (SVP) sowohl im ganzen Kanton als auch im Berner Jura das beste Ergebnis und damit den höchsten geometrischen Durchschnitt. Er sicherte sich den garantierten Sitz gegen Peter Gasser, Kandidat des juratreuen Ensemble socialiste.

Im Jahr 2014 belegte Manfred Bühler (SVP) mit 94’957 Stimmen den siebten Platz und lag damit vor dem Sozialdemokraten Philippe Perrenoud, der 86’469 Stimmen erhielt. Trotzdem wurde Bühler nicht gewählt, weil sein geometrisches Mittel schlechter war – ihm fehlten im Berner Jura rund tausend Stimmen.

Das Verfahren, das 1995 eingeführt wurde, soll verhindern, dass die deutschsprachige Wählerschaft dem Berner Jura ihren Willen aufzwingt. Genau dies geschah 1986: Die FDP-Politikerin Geneviève Aubry verlor gegen den damals kaum bekannten Kandidaten der Freien Liste, Benjamin Hofstetter, obwohl sie im Berner Jura mehr als doppelt so viele Stimmen erhalten hatte.

Französischsprachige Sitze im Parlament

Im Grossen Rat verfügt der Wahlkreis Berner Jura über zwölf garantierte Sitze. Trotz des Weggangs der Stadt Moutier mit ihren 7110 Einwohnern will das Parlament diese Sonderregelung nicht antasten.

Die Verfassung verlangt ausserdem eine angemessene Vertretung der französischsprachigen Minderheit im Wahlkreis Biel-Seeland. Aufgrund der Daten des Bundesamts für Statistik sind diesmal fünf statt bisher vier Mandate für die französischsprachige Bevölkerung reserviert.

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