Weltstrafgericht: Ex-Rebellenführer schuldig für Gräueltaten
Nach einem jahrelangen Verfahren ist ein ehemaliger Rebellenführer der Zentralafrikanischen Republik vom Internationalen Strafgerichtshof für Gräueltaten schuldig gesprochen worden.
(Keystone-SDA) Die Schuld von Mahamat Said Abdel Kani wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie Folter und Verfolgung sei zweifelsfrei erwiesen, sagte die Vorsitzende Richterin Miatta Maria Sambaisen in Den Haag.
Said hatte die Verbrechen dem Urteil zufolge 2013 in der Hauptstadt Bangui begangen, als er Kommandant eines berüchtigten Gefängnisses war. «Er hatte die Leitung und gab die Befehle», sagte die Richterin.
Das Strafmass wird zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt. Der 56 Jahre alte Angeklagte hatte seine Unschuld beteuert. Er war 2021 von der Zentralafrikanischen Republik dem Strafgerichtshof übergeben worden. Said und die Anklage können noch Berufung gegen das Urteil einlegen. Der Angeklagte wurde vom Vorwurf der Kriegsverbrechen freigesprochen. Nach Ansicht der Richter herrschte zum Zeitpunkt der Verbrechen kein bewaffneter internationaler Konflikt mehr.
Kommandant eines «Folterzentrums»
Said war ein Führer der vorwiegend muslimischen Seleka-Rebellen, die 2013 den damaligen Staatschef François Bozizé gestürzt hatten. Sie verfolgten dem Gericht zufolge Anhänger vorwiegend christliche Bürger. Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, Männer willkürlich inhaftiert, gefoltert und ermordet.
Said leitete von März bis August 2013 das Gefängnis, das die Anklage als «Folterzentrum» beschrieben hatte. Dort wurden Menschen unter erbärmlichen Umständen festgehalten, darunter auch in einem unterirdischen Verlies direkt unter dem Büro Saids. Gefangene wurden dem Urteil zufolge mit Gewehrkolben geschlagen und ausgepeitscht. Zahlreiche Menschen hätten schwere Schäden erlitten und seien stark traumatisiert.
Die Zentralafrikanische Republik ist mit rund 5,5 Millionen Einwohnern trotz reicher Bodenschätze eines der ärmsten Länder der Welt. Nach dem Sturz von Staatschef Bozizé folgten Kämpfe mit den christlichen Anti-Balaka-Milizen sowie Splittergruppen. Mehr als 700.000 Menschen sind bislang nach UN-Angaben vor der Gewalt in die Nachbarländer geflohen.