Werkschau des Schweizer Films

An den Filmtagen Solothurn werden Abschlussarbeiten von Filmschulen gezeigt - wie jene mit Viktor dem Vampir von Thomas Gerber. Filmtage Solothurn, www.srv2.picturepark.ch

Am Montag werden die 40. Solothurner Filmtage eröffnet. Zum runden Geburtstag gibt es 180 Schweizer Filme aus dem vergangenen Jahr.

Dieser Inhalt wurde am 19. Januar 2005 - 12:34 publiziert

Daneben zu sehen sind eine Retrospektive von Bruno Ganz und Filme aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Jeden Januar finden sich Kinogänger, Filmer, Verleiherinnen, Filmförderer und ausländische Gäste in Solothurn ein, um zu schauen. Und zwar die Filme von Filmerinnen und Filmern mit der Schweiz als Lebens- und Schaffensort. Dieses Jahr bereits zum 40. Mal.

"Die Filmtage sind nicht nur älter geworden, sondern auch grösser und haben ein bisschen Bauch angesetzt", sagt Ivo Kummer, Direktor der Filmtage, im Gespräch mit swissinfo.

"Was als Tagung über den Schweizer Film begonnen hat, ist heute ein einwöchiges Festival. Damals waren 11 Filme im Programm, heute sind es 180 allein im 'Forum Schweiz'."

TV und Kino nebeneinander

Unter dem Titel "Forum Schweiz" werden in Solothurn Schweizer Filme aus dem vergangenen Jahr gezeigt: TV- und Kinofilme jeglicher Genres und aus allen Sprachregionen. "Wir sind auch der Spiegel der Jahresproduktion aus der Schweiz", sagt Kummer stolz.

Die Eröffnung macht "Die Vogelpredigt oder Das Schreien der Mönche" von Clemens Klopfenstein. Den Schlusspunkt setzt der Dokumentarfilm "Dimitri - Clown" des Frauenfelders Friedrich Kappeler. Bereits im Kino zu sehen war "Verflixt verliebt", der erste Langspielfilm des 1975 in Zürich geborenen Peter Luisi.

Mondäne Preisverleihung

Diese Komödie ist auch für den Schweizer Filmpreis nominiert, der seit 1998 an den Solothurner Filmtagen vergeben wird.

"Die Verleihung ist das Mondänste, das die Solothurner Filmtage kennen", sagt Direktor Kummer. Es sei auch eine sehr gute Image-Veranstaltung, für die Filmtage ebenso wie für den Schweizer Film. "Der Preis erreicht Leute, die mit dem Film oder der Filmpolitik nicht viel am Hut haben."

Karrieresprung Solothurn

Entstanden sind die Filmtage aus dem Bedürfnis, Öffentlichkeit, Mittel und Ausbildungs-Möglichkeiten für junge Filmerinnen und Filmer zu schaffen. Das ist auch heute noch der Fall.

"Die Filmtage sind das Sprungbrett von Regisseuren und Filmschaffenden, die zum ersten oder zweiten Mal ein Werk präsentieren. Sie sind wichtig für die Karriere", sagt Kummer. "Darum zeigen wir auch Abschlussarbeiten von Filmschulen."

Breites Publikum

Das Durchschnittsalter der Besuchenden liegt bei 40 Jahren. "Wir haben eine wunderbare Mischung der Generationen", sagt der Direktor. 12% der Besuchenden sind unter 20 Jahre alt, 12% über 60. Dazwischen überwiegen leicht die Twens mit 20%.

"Zu uns kommt ein filminteressiertes Publikum, das den Film als Spiegel der Befindlichkeit einer Gesellschaft, einer Nation, sieht. Also auch politisch interessierte Leute", beschreibt Kummer das Publikum.

Und die Leute kommen in Scharen: Im letzten Jahr zählten die Organisatoren über 40'000 Eintritte.

Ganz der Hitler

Besonders freut sich Kummer auf die Retrospektive, die Bruno Ganz gewidmet ist. Den Schweizer Schauspieler gibt es in über einem Dutzend Filmen zu sehen, auch im Kassenerfolg "Der Untergang" aus dem vergangenen Herbst, wo er Adolf Hitler verkörpert. Ganz wird auch persönlich in Solothurn sein. "Es war ein grosses Geburtstagsgeschenk, mit ihm das Programm zusammenstellen zu können", sagt Kummer.

Neben der Retrospektive fallen die Filme der "Invitation" auf: Produktionen aus dem ehemaligen Jugoslawien, also Filme aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Serbien-Montenegro.

Die Einladung, nach Quebec, Belgien und Polen, soll zeigen, wie sich das Filmschaffen in diesen Ländern entwickelt hat, zehn Jahre nach dem Friedens-Abkommen von Dayton.

Denn auch wenn sich in Solothurn alles um den Schweizer Film dreht, betont Kummer: "Für uns ist der Blick über den Tellerrand sehr wichtig."

swissinfo, Philippe Kropf

Fakten

40. Filmtage Solothurn:

24.01.2005 – 30.01.2005

386 eingereichte Filme
179 Schweizer Filme
77 Dokumentar- und Spielfilme
8 Experimentalfilme
17 Animationsfilme
78 Filme in Sonderprogrammen
Total 13'906 Minuten

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In Kürze

Die Solothurner Filmtage finden dieses Jahr zum 40. Mal statt.

Gezeigt wird das Schweizer Filmschaffen des vergangenen Jahres.

Am Mittwoch wird der Schweizer Filmpreis verliehen.

In den Kategorien "Bester Spielfilm" und "Bester Dokumentarfilm" gibt es je 60'000 Franken zu holen.

Der beste Kurzfilm und Trickfilm wird mit je 30'000 Franken gekürt.

Die Retrospektive ist dem Schauspieler Bruno Ganz gewidmet.

Gastland sind die fünf Länder des ehemaligen Jugoslawiens.

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