Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Monatelang spekulierten Bundeshausjournalist:innen über den Rücktritt von Wirtschaftsminister Guy Parmelin. Seit er am Freitag bekanntgegeben hat, dass er aus dem Bundesrat zurücktreten wird, hat sich das Thema der Spekulationen verlagert: In den Gängen des Medienzentrums des Bundeshauses spricht man nur noch über die möglichen Kandidat:innen für seine Nachfolge.
Mann oder Frau? Aus der Romandie oder Deutschschweiz? Hardliner oder Konsenspersönlichkeit? Die Fragen sind zahlreich. Auf die Antworten wird man noch warten müssen: Bislang hat noch niemand offiziell eine Kandidatur bekannt gegeben.
Gute Lektüre und beste Grüsse aus Bern
Seit Bundespräsident Guy Parmelin am Freitag seinen Rücktritt angekündigt hat, spekulieren die Medien über die Kandidaturen für seine Nachfolge. Der zurücktretende Bundesrat setzt sich derweil für die Wahl einer Frau ein.
Mehrere Politikerinnen seien der Aufgabe gewachsen, sagte Parmelin in einem Interview mit den Zeitungen von CH Media. Der SVP-Bundesrat nannte drei potenzielle Nachfolgerinnen: die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz, die St. Galler Ständerätin Esther Friedli und die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli. Ihre Namen wurden auch in den Medien als mögliche Kandidatinnen genannt.
Der Bundespräsident bedauert, dass gegenüber weiblichen Kandidaten weiterhin Vorurteile bestehen. «Fragen wie: Was wird passieren? Wer kümmert sich um die Kinder? […] Das ist ein altes, sehr konservatives Denken», sagt Parmelin. «Man sieht doch längst, was Frauen erreichen können, wenn man sie machen lässt.»
Eine weitere Frage, die die Presse beschäftigt: Bleibt der Sitz in Westschweizer Hand? Guy Parmelin war der erste Westschweizer SVP-Politiker, der in den Bundesrat gewählt wurde, und wünscht sich, dass ihm eine Person aus der Romandie folgt. Dieses Szenario überzeugt die Deutschschweizer SVP allerdings nicht, die diesen Sitz gerne wieder übernehmen würde. Die Westschweizer wollen jedoch dafür kämpfen, dass Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider nicht das einzige französischsprachige Mitglied im Bundesrat bleibt.
Im Verteidigungsdepartement reiht sich ein Fiasko ans nächste. Nun verzögert sich auch die Beschaffung eines zweiten Raketenabwehrsystems, obwohl es die Verzögerungen beim Patriot-System ausgleichen soll und für die Sicherheit des Landes von zentraler Bedeutung ist.
Das Raketenabwehrsystem namens «Bodluv GR2» sollte bis Ende des Jahres eintreffen. Laut Recherchen des Blicks hat das Verteidigungsdepartement jedoch die beiden verbliebenen Anbieter, Frankreich und Israel, darüber informiert, dass mehr Zeit für eine Entscheidung benötigt werde. Da diese Systeme weltweit stark nachgefragt sind, könnte diese Verzögerung zu höheren Preisen führen.
Die Situation ist besorgniserregend, da dieses neue System gerade die Verzögerung des US-amerikanischen Patriot-Systems kompensieren sollte. Dieses ist zwar bereits bestellt, wird aber fünf bis sieben Jahre später als geplant geliefert. Sollte die Schweiz mit ballistischen Raketen angegriffen werden, stünde sie schutzlos da. Infrastrukturen wie das Bundeshaus oder die Stromnetze könnten leicht getroffen werden.
Armasuisse tendiert laut dem Blick zum israelischen System. Diese Wahl könnte die Situation jedoch noch weiter verkomplizieren, da sie im Parlament möglicherweise keine Mehrheit finden würde. Da sich Israel derzeit im Krieg befindet, könnten sich sowohl linke als auch rechte Parteien gegen diese Option aussprechen. Würde wiederum das französische System nicht gewählt, könnte die Schweiz Paris erneut verstimmen – ähnlich wie bei der Entscheidung für das Kampfflugzeug F-35 anstelle der französischen Rafale.
Mehrere Barbershops in der Romandie stehen im Mittelpunkt eines Gerichtsverfahrens wegen Geldwäscherei im Zusammenhang mit Drogenhandel. Diese Betriebe, deren Zahl stetig zunimmt, werfen viele Fragen bezüglich der Legalität ihrer Tätigkeiten auf.
Hinter ihrem trendigen Image sollen die Barbershops ein Drogen-Geldwäschenetzwerk verborgen haben, wie RTS am Sonntag berichtete. Den ehemaligen Inhaber zweier Salons in Lausanne und Genf wird vorgeworfen, Teil eines weitreichenden kriminellen Netzwerks gewesen zu sein. Gerichtsakten zufolge wurde das Unternehmen zum «einzigen Zweck betrieben, Geld aus dem Drogenhandel zu waschen».
Es handelt sich um einen in der Schweiz seltenen Fall: Trotz des zuweilen zweifelhaften Rufs der Barbershops sind Verfahren vor Gericht die Ausnahme. In Frankreich und Deutschland ist das Phänomen hingegen deutlich ausgeprägter. Die Polizei warnt dort regelmässig vor der Unterwanderung dieses Gewerbes durch kriminelle Organisationen.
In der Schweiz gibt es viele Barbershops, die seit Jahren scheinbar leer stehen, ohne ihren Betrieb einzustellen. RTS beobachtete mehrere Betriebe, die zu wenige Kund:innen zu haben scheinen, um rentabel zu sein. Die Branche steht auch im Visier des Bundesamts für Polizei (Fedpol), das befürchtet, dass manche dieser Geschäfte als Deckmantel für illegale Aktivitäten der organisierten Kriminalität dienen.
Eine Auslandschweizerin ist gleichzeitig die älteste Einwohnerin Frankreichs und die älteste Schweizerin. Die französisch-schweizerische Doppelbürgerin Madeleine Dellamonica wurde am 23. Juli 114 Jahre alt.
Am vergangenen Samstag organisierte das Rathaus von Le Vésinet bei Paris eine kleine Feier zu Ehren der ältesten Französin. Das Schweizer Konsulat in Paris bestätigte, dass es sich bei ihr gleichzeitig um die älteste Schweizerin handelt. Die 1912 in Paris geborene Madeleine Dellamonica, die 1933 einen franko-Tessiner heiratete, widmete einen grossen Teil ihres Lebens der Ägyptologie. Bis fast zu ihrem 100. Lebensjahr veröffentlichte sie Texte.
Heute kann Madeleine Dellamonica sich weder bewegen noch verständigen. Ihre Angehörigen erzählen deshalb ihre Geschichte. Ihr Enkel erinnert sich an ihre Besuche in Lausanne Anfang der 2000er-Jahre: «Es war die Zeit der Dotcom-Blase. Und da sprach ich mit jemandem, der die Erfindung des Radios miterlebt hatte. Das war gewissermassen ein Aufeinanderprallen zweier Epochen.»
Doch was ist das Geheimnis ihres langen Lebens? Ihre Urenkelin erwähnt eine ganz einfache Gewohnheit: «Seit ihrer Jugend machte sie jeden Morgen fünf Minuten Gymnastik. Diese fünf Minuten hielten sie fit.» Aber auch eine aussergewöhnliche Persönlichkeit: «Sie hat eine enorme Charakterstärke. Sie ist ein Vorbild – für viele Generationen.»
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