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Bundeshaus

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Als ich in der Oberstufe war, waren Bundesratswahlen eine Sensation. Nicht nur wurde der Fernseher ins Klassenzimmer gerollt, es konnte gar ein kleiner Krimi folgen, wie etwa bei der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf anstelle des damals amtierenden Christoph Blocher.

Heute scheinen Bundesratswahlen berechenbarer zu sein, schreiben die Schweizer Medien. Warum, erfahren Sie in diesem Briefing.

Gute Lektüre!

Parlamentarier:innen sind unterwegs ins Hotel Bellevue zur Nacht der langen Messer vor der Bundesratswahl im Dezember 2022.
Parlamentarier:innen sind unterwegs ins Hotel Bellevue zur Nacht der langen Messer vor der Bundesratswahl im Dezember 2022. Keystone / Peter Schneider

Das Kandidatenkarussell rund um die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin dreht sich weiter und die Schweizer Medien nutzen die Stunde, um das Gremium Bundesrat sowie die Wahl einer neuen Person in die Schweizer Regierung von unterschiedlichen Seiten zu besprechen.

Die NZZ fragt etwa, was mit den Nächten der langen Messer geschehen sei. «Im Gegensatz zu früher sind Bundesratswahlen heutzutage vorhersehbar, weil sich die Parteien im Vorfeld einigen», schreibt die Zeitung. Der Ursprung des heutzutage gängigen Kandidat:innen-Tickets liegt übrigens bei der Einführung der Zauberformel im Jahr 1959.

Der Blick wie auch der Tages-Anzeiger widmeten sich der Mutter-Frage. Die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz gilt als mögliche Kandidatin für die Nachfolge Parmelins – und ist Mutter von zwei Kindern. Letzteres hat für manche eine Debatte rund um Vereinbarkeit von Mutterrolle und Bundesratsamt lanciert. In einem Meinungsartikel hält der Tages-Anzeiger fest, diese Diskussion sei gerade für «Eltern, die unter hohen Kita-Kosten und komplexer Familienlogistik leiden», ein Hohn.

Derzeit nimmt SRF amtierende und Alt Bundesrät:innen unter die Lupe. Oder eher: deren sportliche Rituale. Während Justizminister Beat Jans auf dem Fussballplatz zu finden ist, sucht Finanzministerin Karin Keller-Sutter den Boxkeller auf. Alt Bundesrat Adolf Ogi begann bereits zu Amtszeiten seinen Tag mit einem Lauf, und der frühere Bundesrat Ueli Maurer machte als ehemaliger Major und Kommandant eines Radfahrerbataillons Velofahren zu seiner Passion.

ID
Schweizer:innen können bald eine neue biometrische Identitätskarte beantragen. Bisherige Karten bleiben bis zum Ablaufdatum gültig. Keystone / Christian Beutler

Anfang November gibt es für Schweizer:innen eine neue biometrische Identitätskarte, die bezüglich Sicherheitsstandards und gespeicherter Daten dem biometrischen Schweizer Pass entspricht.

Sie müssen aber nicht sofort eine neue biometrische ID beantragen, der Bezug ist freiwillig. Grund für die Einführung ist laut dem Bund ein höherer Schutz vor Missbrauch und um sicherzustellen, dass Schweizer:innen unkompliziert innerhalb der EU reisen können – dies gerade im Rahmen der Aktualisierung des Personenfreizügigkeitsabkommens.

Hier ist aber eine lange Übergangsfrist geplant. Wer eine gültige ID ohne Chip besitzt, kann diese bis zu ihrem Ablaufdatum weiterhin für Reisen im EU-/Schengen-Raum nutzen. Für Neuanträge ab November empfiehlt der Bund für Auslandsreisen allerdings das biometrische Modell.

Auf dem Datenchip werden ein digitales Foto und zwei Fingerabdrücke gespeichert, sowie die bereits auf der Karte sichtbaren Informationen wie Name, Geburtsdatum oder Dokumentennummer. Wer eine biometrische Identitätskarte beantragen will, kann dies im kantonalen Passbüro oder bei Schweizer Vertretungen im Ausland tun.

Die biometrische ID ist übrigens nicht mit der E-ID zu verwechseln. Letztere dient ausschliesslich dazu, sich in der digitalen Welt auszuweisen, und ist kein Reisedokument. Sie soll ab nächstem Jahr erhältlich sein.

Computer Tastatur
Die Zahlen des Bundes zeigen eine Zunahme bei meldepflichtigen Cybervorfällen. Keystone / Christian Beutler

Die Zahlen des Bundes zeigen es: Meldepflichtige Cybervorfälle nehmen zu. Letzte Woche flossen etwa bei der Pensionskasse des Bundes Publica und bei der Auktionsplattform Ricardo Daten ab, wir haben im Briefing darüber berichtet. Nun rufen Betrüger:innen bei den Versicherten an.

Dies berichten heute die Zeitungen von CH Media. Vor einer Woche wurde etwa ein pensionierter Bauarbeiter aus der Zentralschweiz telefonisch kontaktiert. Sensible Daten gab er keine heraus, er wusste zum Zeitpunkt des Anrufs bereits Bescheid: Die Stiftung für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe (Far) hatte ihn und rund 20’000 weitere Pensionierte zuvor über einen Cyberangriff informiert.

Auch von der Pensionskasse des Bundes Publica sind bei einem Cyberangriff wohl heikle Daten von Versicherten abgeflossen. Auch hier wurden alle potenziell Betroffenen laut Publica informiert. «Doch nicht alle betroffenen Pensionskassen treten derart offensiv auf wie die Pensionskasse des Bundes», schreiben die Zeitungen von CH Media. Andere seien sowohl auf den Schaden als auch in ihrer Informationspolitik zurückhaltender.

Als Beispiel nennt CH Media Kunden von PK Softech, darunter die Pensionskasse der Migros. Die Vorsorgeeinrichtung sehe keinen Grund zum Handeln. «Ob und in welchem Umfang Daten von Versicherten der Migros-Pensionskasse von einem Datenabfluss betroffen sein könnten, ist derzeit Gegenstand von Abklärungen», heisst es. Betroffene würden informiert, versprechen die Verantwortlichen.

Warum warnt die Pensionskasse des Bundes so offensiv, während andere eher gelassen bleiben, fragt CH Media. Die Konklusion der Zeitung: «Mag sein, dass sich der Unterschied durch unterschiedliche Kommunikationsphilosophien erklären lässt.»

Elie Feller
Vor sechs Jahren wanderte Elie Feller nach Berlin aus, wo er heute seine Karriere als «Social-Media-Allrounder» ausbaut. eliefeller / Instagram

«Ich hab dem gesagt, du Tubel.» Es folgen weitere gutschweizerische Kraftausdrücke, wie «Löli», «Schofseckel». Dann: «So beleidigt habe ich schon lange niemanden. Tut mir auch ein bisschen leid».

Der junge Mann im kurzen Video auf Instagram, in Jeansjacke und mit einer Baseballcap auf dem Kopf, ist Elie Feller. Der Bieler wanderte vor sechs Jahren nach Berlin aus, wo er derzeit seine Karriere als, wie er selbst sagt, «Social-Media-Allrounder» ausbaut.

Über 70’000 Follower hat der 30-Jährige auf Instagram, auf der Plattform TikTok sind es leicht über 65’000. Sein Content: «Meine Figuren basieren meistens auf Leuten, denen ich mal begegnet bin – und meine Videos auf Erlebnissen», sagt Feller gegenüber der Berner Zeitung. Dabei variieren Fellers Figuren, mal spielt er den antiautoritären Berner Hippievater, mal den Berliner Drogendealer – auf Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Französisch.

Der Umzug nach Berlin scheint für Fellers Karriere die richtige Wahl gewesen zu sein. Neues auszuprobieren, gelinge ihm besser, seit er hier lebe. «In Biel hatte ich immer das Gefühl, dass mich die Leute bewerten, wenn ich doofe Videos poste.» «Doof» scheinen die Schweizer:innen seine Posts allerdings nicht zu finden, laut Instagram-Statistik machen sie rund 60% seiner Follower aus.

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