Berner EVP erleidet an Grossratswahlen «maximalen Schaden»
Mit vier Sitzverlusten geht die EVP als grosse Verliererin aus den kantonalen Parlamentswahlen hervor. Co-Geschäftsführer und abgewählter Grossrat Philippe Messerli blickt mit "etwas Frust" auf den Wahlsonntag zurück.
(Keystone-SDA) Die Frühlingssession bestritt die Evangelische Volkspartei noch mit neun Sitzen, in die nächste Legislatur startet sie mit fünf – das Minimum, um eine eigene Fraktion zu bilden. Sämtliche Männer wurden abgewählt, die Frauenquote liegt nun bei 100 Prozent.
Kantonsweit hat die EVP verglichen mit den Wahlen 2022 einen halben Prozentpunkt Wählerinnen- und Wähleranteil verloren. «Das mussten wir erwarten», sagt Philippe Messerli auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA und verweist auf die seit der Pandemie zunehmende Polarisierung. In aktuellen Zeiten seien «konstruktive Lösungen weniger attraktiv als Anprangern».
Neben dem gesellschaftlichen Aspekt wurde der EVP auch das «unfaire Wahlsystem» in Form von Proporzwahlen zum Verhängnis. «Diese Kombination hat maximalen Schaden angerichtet», sagt Messerli. So erzielte etwa die EDU kantonsweit einen tieferen Wähleranteil als die EVP, gewann aber zwei Sitze hinzu. «Daran sieht man die Absurdität dieses Systems», sagt Messerli.
Im Oberland hätten ihm zufolge nur 13 Listenstimmen gefehlt, um René Müller Sitz zu verteidigen. Im Berner Jura wiederum nahm der Wählerinnen- und Wähleranteil der Partei gegenüber den letzten Wahlen zu, dafür scheiterte der Sitz von Tom Gerber an der Listenverbindung.
Dritte Abwahl für Messerli
Zu den Abgewählten gehört auch Messerli selber. In seinem Wahlkreis Biel-Seeland ging der Sitzverlust der EVP auf seine Kosten. Er belegte den zweiten Platz hinter Parteipräsidentin Barbara Stotzer-Wyss, welche die Wiederwahl schaffte.
«Es ist immer schmerzhaft», sagt der Nidauer mit Bezug auf den Sitzverlust – «umso mehr, wenn zeitgleich andere Kollegen betroffen sind». Dabei ist Messerli schon beinahe geübt darin: Der zweite EVP-Sitz im Seeland steht regelmässig auf der Kippe, bereits zum dritten Mal muss er seinen Platz im Rathaus wieder räumen.
Einen «Lichtblick» holt er sich aus den vereinzelten Stimmgewinnen: «Es hat nicht an fehlender Unterstützung gelegen», sagt Messerli. Nun gelte es für die Fraktion, die Position als Familienpartei zu schärfen – und auf etwas Veränderung zu hoffen: «Die Menschen werden merken, dass Polarisierung nichts bringt.»