Cool bleiben: Wie Schweizer Kühe die Hitzewellen überstehen
Auch Kühe leiden unter der Rekordhitze dieses Sommers. In Zürich forscht man an Lösungen: Retten Ventilatoren, bepflanzte Weiden oder spezielle Züchtungen das Tierwohl?
Die Schweiz hat in diesem Sommer bereits mehrere Hitzewellen erlebt. Besonders zu schaffen machen diese Temperaturen auch den Kühen. Ihre Wohlfühltemperatur liegt bei fünf bis 15 Grad.
Steigt das Thermometer darüber, geraten die Tiere unter Hitzestress: Sie fressen weniger, die Atemfrequenz steigt und sie geben weniger Milch.
Abkühlung dank Ventilatoren und Kuhduschen
Um die Tiere zu entlasten, setzen moderne Landwirtschaftsbetriebe auf spezielle Kühlsysteme wie Ventilatoren und Vernebelungsanlagen.
Am Strickhof, dem landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum des Kantons Zürich, wird intensiv an der Optimierung dieser Systeme geforscht.
«Wir machen angewandte Forschung. Das heisst, wir forschen mit den Tieren im Stall unter Praxisbedingungen und überprüfen auch Stalleinrichtungen», erklärt Susanne Meese, Bereichsleiterin Tierhaltung und Milchwirtschaft am Strickhof.
Der Betrieb fungiert als eine Art Pilotbetrieb: Mithilfe der Praxisversuche wollen Meese und ihr Team Erkenntnisse gewinnen, die Landwirte auf ihren Höfen umsetzen können.
Dank digitaler Sensoren können Meese und ihr Team den Erfolg der Kühlanlagen rund um die Uhr überwachen. Zeigen die Daten, dass die Kühe trotz Hitze aktiv sind und im Liegen wiederkäuen, ist das ein Zeichen für den Erfolg der Kühlmassnahmen.
Wenn der Schatten knapp wird
Neben technischen Systemen im Stall rückt auch die Gestaltung der Weiden in den Fokus. Bäume könnten den Kühen natürlichen Schatten spenden.
Zudem enthalten einzelne Pflanzenarten spezielle Gerbstoffe, die einen doppelten Nutzen haben. «Nussbäume vertreiben zum Beispiel auch noch die Fliegen – dann hätten wir sogar eine Win-win-Situation», so Meese.
An extremen Hitzetagen ist auch der Zugang zu Wasser für das Wohlbefinden der Kühe entscheidend: Wenn sie im kühleren Stall bleiben, steigt dort der Bedarf an Tränken an.
Dabei sei laut Meese entscheidend, dass die Landwirtschaftsbetriebe zusätzliche Wasserstellen installieren, damit auch rangniedere Tiere jederzeit problemlos trinken können.
Spezielles Gen sorgt für «besseres» Schwitzen
Am Strickhof in Lindau verfolgen die Forschenden auch einen genetischen Ansatz: Am Strickhof wurde 2024 ein Holstein-Kuhkalb geboren, das eine natürliche Genmutation einer karibischen Rinderrasse in sich trägt.
Tiere mit diesem sogenannten «Slick-Gen» haben ein kürzeres, glatteres Fell, mehr Hautfalten und grössere Schweissdrüsen. Dadurch können sie ihre Körpertemperatur besser regulieren.
Obwohl das Kalb «Cool Girl» als Pionierin in der Schweizer LandwirtschaftExterner Link gilt, relativiert Meese die Erwartungen. «Ob Cool-Girl die Situation in der Schweiz besser verträgt, wissen wir erst in ein paar Jahren. Noch ist sie auf dem Aufzuchtbetrieb.»
Länder wie Australien haben das Gen zwar fest in ihre Zuchtprogramme integriert. In der Schweiz muss erst noch überprüft werden, ob diese Slick-Kühe sich auch für die kälteren Monate eignen. «Wir müssen das ganzheitlich betrachten», meint Meese.
Noch ist der breiter Einsatz solcher Slick-Kälber also eher Zukunftsmusik. «In der Schweiz sind wir mit den baulichen Massnahmen wie Ventilation und Kuhduschen auf der sicheren Seite.»
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