Der Freitag-Turm in Zürich: Wie aus einem Provisorium eine Ikone wurde
Der Turm des Zürcher Kultlabels Freitag sollte eine Übergangslösung sein. Heute ist er ein Wahrzeichen in Zürich-West.
An der Zürcher Hardbrücke gibt es nicht nur den eleganten Prime-Tower aus smaragdgrünem Glas zu sehen. Auf der anderen Seite der Brücke steht mit dem Freitag-Turm sozusagen seine architektonische Gegenthese: Ein Turm aus alten, übereinander gestapelten Frachtcontainern. Einst als Provisorium gedacht, steht er dort seit 20 Jahren.
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Die Idee dazu kam von den Gebrüdern Freitag, den Erfindern der gleichnamigen Kulttasche aus Lastwagenblachen. Knapp 15 Jahre nach der Gründung der Marke Freitag, als sie ihren ersten Laden planen wollten, erzählt Mitgründer Markus Freitag.
Ihre Überlegung: Ein Verkaufslokal für die Taschen soll ebenfalls dem Recycling-Gedanken Rechnung tragen. «Der Container ist sozusagen die Heavy-Version der Lastwagenblache.»
Den Bauplatz gleich neben der Hardbrücke hätten sie per Zufall entdeckt. Danach sei alles sehr schnell gegangen. Die farbigen Schiffcontainer konnten die Brüder in Hamburg auftreiben, gegen das Bauprojekt gab es keine Einsprachen. «Innerhalb eines halben Jahres wurde der Bau realisiert.»
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Entstanden ist ein Bauwerk, das weit über Zürich-West hinaus bekannt wurde und einige Auszeichnungen erhalten hat.
Wer die Treppe bis zur Aussichtsplattform hochsteigt, blickt über die Hardbrücke, das Gleisfeld und auf das ehemalige Industriegebiet Zürich-West, das sich in den letzten 20 Jahren stark verändert hat. Im Innern werden Freitag-Produkte verkauft.
Der Turm sei ein erster, kleiner Mosaikstein gewesen in der Neubelebung des Quartiers, sagt Markus Freitag. Heute sei er ein fester Bestandteil. Auf dem Freitag-Turm hätten sich zum Beispiel schon Brautleute das Ja-Wort gegeben.
Was ihn besonders freut: «Hin und wieder wird der Turm zum Ausflugsziel des Kindergartens in der Nähe. Die Kinder gucken runter und entdecken vielleicht auch noch einen Lastwagen auf der Hardbrücke.»
So schliesse sich ein Kreis. Denn genau so, beim Beobachten von Lastwagen auf der Hardbrücke, kamen die Freitag-Brüder seinerzeit auf die Idee, Taschen aus Lastwagenblachen herzustellen.
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Silke Langenberg, Professorin für Konstruktionserbe und Denkmalpflege an der ETH Zürich, ist ebenfalls der Meinung, der Turm habe einen Startschuss gegeben für die Entwicklung des Quartiers. Und: Er sei seiner Zeit voraus gewesen: «Der Turm war damals vorausschauend und impulsgebend.»
Würde er heute gebaut, könnte man das Projekt als Inszenierung ansehen. Extra installiert, um ins Quartier zu passen. So aber wirke er echt und füge sich gut ein: «Gerade in diesen Bereich des Industriequartiers, der von seiner provisorisch wirkenden Architektur und seinen unterschiedlichen Bauten lebt.»
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Der Turm sei heute sogar moderner denn je, sagt Silke Langenberg: «Er trifft einen Nerv. Ganz viele Firmen beginnen, aus recycelten Materialien neue Dinge zu machen. Das wirkt nicht immer glaubhaft. Aber im Fall des Turms war das schon immer ein wesentlicher Bestandteil der Marke (Freitag).»
Wäre es Zeit, den Turm sogar unter Schutz zu stellen? Solange er ins Quartier passe, solle er bleiben können, findet Markus Freitag. Silke Langenberg denkt, er könnte als Zeitzeuge und Baudenkmal schutzwürdig sein.
So oder so verschwindet der Turm nicht so schnell aus dem Stadtbild. Vorderhand wird er aus Anlass seines 20-Jahr-Jubiläums auch noch zum Ausstellungsraum. «A Second Life – Used Materials, New Purposes» erzählt den Werdegang der Kultmarke Freitag.
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