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Schweizer Start-ups mischen den Softdrink-Markt auf

Neue Marken konkurrieren um den Schweizer Markt.
Neue Marken kämpfen um den Schweizer Markt._ RTS

Mate, Kombucha und Vitaminwasser liegen im Trend. Junge Unternehmen fordern damit die etablierten Softdrink-Marken heraus.

In einigen Schweizer Imbissbuden, insbesondere bei den Genfer Kebab-Ständen, haben Schweizer Marken die klassischen Softgetränke abgelöst. «Wir haben uns entschieden, nicht mit den grossen Konzernen zusammenzuarbeiten, weil wir eine lokalere Vision der Gastronomie haben», erklärt Julien Keller, geschäftsführender Gesellschafter von «Gemüse Kebab», in der Sendung «RTS Basik».

Diese Entscheidung ist eine Reaktion auf einen tiefgreifenden Wandel der Konsumgewohnheiten. «Die Leute trinken weniger Alkohol und suchen etwas Aufregendes in einem alkoholfreien Getränk. Man sieht auch, wie Gäste die Dose umdrehen, um die Zutaten zu lesen – was sie vor fünf oder zehn Jahren vielleicht noch nicht getan haben», so der Gastronom.

Geringere Gewinnspanne für Gastronomen

Die Abkehr von den klassischen Vertriebskanälen hat für die Wirt:innen jedoch ihren Preis. Bei «Gemüse Kebab» werden alle Dosen zum Preis von 5 Franken verkauft. Da sie im Durchschnitt 2 Franken pro Stück kosten, ergibt sich eine Marge von 3 Franken.

«Im Vergleich zu den Getränken der grossen Konzerne verlieren wir zwischen 50 Rappen und 1 Franken an Gewinn», räumt Keller ein. «Aber es bleibt rentabel, im Gegensatz zu anderen zu 100% handwerklich hergestellten Getränken, deren Grosshandelspreise zu hoch sind, um einen fairen Verkaufspreis für den Kunden festlegen zu können.»

Der Aufschwung der «Funktionsgetränke»

Dieser Wandel ist nicht nur eine vorübergehende Modeerscheinung: Er ist Teil des Aufkommens der «Funktionsgetränke». Hinter diesem Fachbegriff verbergen sich Produkte, die nicht nur den Durst löschen, sondern einen zusätzlichen Nutzen generieren: einen Energieschub durch Koffein, die Zufuhr von Vitaminen, Ballaststoffen, Proteinen oder auch nützlichen Bakterien für die Darmflora.

Die ganze «Basik»-Sendung (auf Französisch):

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Der Markt für funktionelle Getränke dürfte laut dem Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence bis 2029 ein Volumen von 243’000’000’000 Franken erreichen. Ein boomender Markt, in den Prominente ihr Geld und ihr Image investieren.

Im Sport setzen Stan Wawrinka und Yann Sommer auf das Vitaminwasser Peaq, während Johan Djourou sich für Brio Mate engagiert. Ciao Energy wird vom Gründertrio Léna Situations, Squeezie und Inoxtag vorangetrieben. Nicht zu vergessen die Rapper Bigflo und Oli, die auf den Erfolg von Matécito anstossen.

Super Natural Club: Erfolgsgeschichte aus der Romandie

In der Schweiz bringen zwar zahlreiche Kleinunternehmer:innen ihre Getränke auf den Markt und versuchen, rentabel zu sein, doch nur wenige schaffen den Sprung in den industriellen Massstab. Das ist beim Waadtländer KMU Super Natural Club der Fall. Das 2014 gegründete Unternehmen, das heute 25 Mitarbeitende beschäftigt, wird von einem Duo von Dreissigjährigen geleitet: Arnaud Gervaix und Romain Pasche.

Ursprünglich auf Kombucha spezialisiert, hat das Unternehmen sein Sortiment auf Limonaden, Kräutertees und alternative Cola-Getränke ausgeweitet. Von der Entwicklung bis zur Herstellung erfolgt alles vor Ort. Das Unternehmen verfügt über ein Labor, in dem «bestehende Rezepte optimiert und die Geschmacksrichtungen von morgen entwickelt werden».

Hören Sie sich auch den Beitrag von «On en parle» über Fruchtsaft-Shots an (auf Französisch):

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Das Geschäft läuft gut: «Wir verzeichnen ein jährliches Umsatzwachstum von rund 35 Prozent», freut sich Arnaud Gervaix. «Im Jahr 2025 haben wir etwas mehr als 3’000’000 Einheiten produziert und streben an, 2026 die 4’000’000er-Marke zu überschreiten.»

Um gegenüber den Branchenriesen bestehen zu können, gibt es kein Geheimnis: Man braucht Grösse. «Niemand ist bereit, 12 Franken für eine Limonade zu bezahlen», so Pasche. Das Unternehmen hat daher massiv in Maschinen investiert.

«Angesichts der Schweizer Kostenlage haben wir uns dafür entschieden, alle Schritte zu automatisieren, die keinen Mehrwert bieten, um ein hochqualifiziertes Team dort einzusetzen, wo Mehrwert entsteht», erklärt Arnaud Gervaix.

Geringeres Interesse an zuckerhaltigen oder alkoholischen Getränken

Dieser Wandel hin zu gesünderen Getränken bleibt den etablierten Grosshändlern nicht verborgen. Bei Amstein, seit über 50 Jahren Spezialist für den Getränkehandel mit 4000 Artikeln im Lager, ist die Feststellung eindeutig. «Seit fünf Jahren gibt es einen grossen Boom bei alkoholfreien Innovationen», sagt Geschäftsführer Yan Amstein. «Diese Marktanteile gehen sowohl auf Kosten alkoholischer Getränke als auch traditioneller zuckerhaltiger Getränke, die beide rückläufig sind oder stagnieren.»

Jede Woche klopfen Dutzende von Herstellern an seine Tür, doch zwei Segmente stechen heraus: Vitaminwasser, wie beispielsweise Focus Water, das von Rivella übernommen wurde, und Mate.

Der Beitrag in «Mise au point» über junge Menschen, die keinen Alkohol mehr trinken (auf Französisch):

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El Tony Mate, der König des Marketings

Der unangefochtene König dieser Kategorie in der Schweiz heisst El Tony Mate. Innerhalb von fünf Jahren hat sich diese Marke in allen Supermärkten, an Festivals und in Clubs des Landes etabliert.

«Von zehn in der Schweiz konsumierten Mate-Dosen sind sieben bis acht von El Tony», erklärt Karl Schnyder, Geschäftsführer von Intelligentfood, dem im Kanton Zug ansässigen Unternehmen hinter der Marke.

«Das Marketing macht heute rund 30% unseres Umsatzes aus», verrät der Geschäftsführer. Das Unternehmen verfolgt damit eine Strategie, die sich an den Methoden von Red Bull orientiert – dessen ehemaliger Europa-Direktor Roland von Moos El Tony gegründet hat –, insbesondere durch gezieltes Sponsoring von Sportler:innen und Veranstaltungen.

Mit einem jährlichen Wachstum von 20 bis 30% wird die Marke mittlerweile nach Frankreich, Österreich, in die Niederlande und nach Spanien exportiert.

Bemerkenswert ist, dass das Getränk nicht in der Schweiz, sondern bei einem langjährigen Partner in Österreich hergestellt wird.

Der Boom der alkoholfreien Innovationen

Diese Begeisterung für alternative Getränke erinnert an ein anderes aktuelles Phänomen. «Es gibt eine ganz klare Parallele zu den Mikrobrauereien», analysiert Amstein.

«Vor 25 Jahren erlebten die ersten Craft-Brauereien einen Boom, dann überhitzte sich der Markt vor zehn Jahren, bevor es zu einer Umstrukturierung kam. Bei den Erfrischungsgetränken befinden wir uns genau in derselben Phase der Euphorie, die auf eine Übersättigung mit traditionellen Marken zurückzuführen ist.»

Dem Grosshändler zufolge werden sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Umstrukturierung und eine natürliche Auslese vollziehen. Der Kampf um die «Softdrinks» ist in vollem Gange. Es bleibt abzuwarten, welche Marken sich langfristig durchsetzen werden und welche nur eine kurzlebige Phase waren.

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