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Politische Karrieren: Wenn der Nachname zum Startvorteil wird

Wie einst ihr Vater (rechts) vertritt auch Nina Fehr Düsel (Mitte) die SVP im Nationalrat. (17.1.2014)
Wie einst ihr Vater (rechts) vertritt auch Nina Fehr Düsel (Mitte) die SVP im Nationalrat. (17.1.2014) KEYSTONE/Walter Bieri

Zehn aktuelle National- und Ständeräte hatten Mutter oder Vater, die auch schon im eidgenössischen Parlament sassen.

Natürlich ist es für die politische Karriere zuallererst ein Vorteil, wenn der eigene Vater oder die eigene Mutter auch schon Mitglied des National- oder Ständerats war.

Bei Mitte-Nationalrat Vincent Maître waren es sogar Vater und Grossvater. Bei Mitte-Ständerätin Marianne Binder sassen Vater und Schwiegervater im Parlament. Und beim Grünen Kilian Baumann Vater und Mutter.

«Man ist vertrauter mit der Politik und traut sich eher, zu kandidieren», sagt Baumann über diesen Startvorteil. Nina Fehr Düsel von der SVP, deren Vater Hans Fehr ein bekannter SVP-Nationalrat war, sagt, man sei einfach besser gewappnet und wisse, was einen erwarte. In der Politik brauche man schliesslich eine dicke Haut.

Doch sie weist darauf hin, dass es auch Nachteile habe, wenn man Politik quasi in der DNA hat: «Man ist mit Vorurteilen konfrontiert. Und es heisst automatisch ‹Die ist genau gleich›.»

Vincent Maître bringt es so auf den Punkt: «Einen Nachnamen hatte ich, aber es hat eine Weile gedauert, bis ich mir einen Vornamen gemacht habe.»

Politische Einstellungen werden vererbt

Im Gespräch mit den Betroffenen spürt man immer wieder den Wunsch nach Abgrenzung. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen zum Beispiel betont: «Ich habe immer gesagt: Ich trete nicht in irgendwelche Fussstapfen, ich gehe meinen eigenen Weg.»

Wenn man allerdings schaut, welche Partei die zehn National- und Ständerätinnen gewählt hat, zeigt sich: So weit fällt der Apfel nicht vom Stamm. Alle haben sich für dieselbe Partei entschieden wie ihr Vater oder ihre Mutter.

Und das sei kein Zufall, sagt Rahel Freiburghaus, Professorin für Schweizer und Vergleichende Politik an der Universität Lausanne: «Wir wissen aus der Forschung, dass politische Einstellungen tatsächlich vererbt werden.»

Interessanterweise zeigt die jüngste Forschung zur politischen Sozialisation in der Schweiz und Deutschland Externer Linkeinen Geschlechterunterschied: «Wir sehen, dass die Söhne die Einstellungen von beiden Elternteilen übernehmen, egal ob diese links oder rechts sind. Die Töchter hingegen übernehmen die rechten Einstellungen der Eltern signifikant weniger», sagt sie.

Geringer Einfluss von Politfamilien in der Schweiz

Zehn von 246 Parlamentsmitgliedern haben also Vorfahren, die vor ihnen auch schon im eidgenössischen Parlament sassen. Gut vier Prozent entstammen also, wenn man so will, einer Politdynastie.

Das sei überraschend wenig, wenn man die alte Eidgenossenschaft betrachte, sagt Freiburghaus: «Sowohl in den Stadt- als auch in den Länderorten gab es Herrscherfamilien, welche die politischen Ämter in der Familie vererbten.»

Und auch wenn man ins Ausland schaue, sei heute in der Schweiz der Einfluss der Politfamilien vergleichsweise gering: «In Japan zum Beispiel stammt jedes dritte Parlamentsmitglied von einer Herrscherfamilie.»

Freiburghaus erklärt diesen markanten Unterschied mit dem Parteiensystem. In Japan dominiere eine sehr starke Partei, in anderen südostasiatischen Ländern sei das Parteiensystem sehr schwach. Beide Fälle – wenige Parteien und ein noch wenig etabliertes Parteiensystem – führen dazu, dass die Familie eine grössere Bedeutung habe, wenn es um die Vergabe von politischen Ämtern gehe.

Anders die Schweiz. Hier ist das Parteiensystem breit gefächert und stark institutionalisiert. Entsprechend «braucht» es für die politische Karriere den Weg über die Familie viel weniger.

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