Fusion von Sunrise und Orange – Synergien von 3,2 Mrd CHF erwartet (2. AF)
(Ergänzt u.a. um Aussagen aus der Telefonkonferenz)
Kopenhagen/Paris/Zürich (awp) – Im Schweizer Telekommarkt rücken zwei private Anbieter gegen den Marktführer Swisscom zusammen. Die dänische TDC und France Telecom stehen vor einer Fusion ihrer Tochterunternehmen Orange Schweiz und Sunrise. France Telecom wird vorerst einen 75%-Anteil halten und wichtige Posten im neuen Unternehmen besetzen, während TDC auf mehrere Jahre den Ausstieg anvisiert.
France Telecom soll bei Abschluss der Transaktion 1,5 Mrd EUR an TDC zahlen und damit drei Viertel der Aktien der kombinierten Gesellschaft halten, während TDC 25% besitzen wird. Der Vertrag werde voraussichtlich in der zweiten Hälfte Februar 2010 definitiv unterzeichnet, teilten die Muttergesellschaften am Mittwoch mit. Zuvor wollen sowohl France Telecom als auch TDC eine abschliessende Due Diligence machen.
Es entstehe der führende alternative Telekomanbieter am Schweizer Markt, der über eine starke Nummer 1 verfüge, erklärte France-Telecom-Finanzchef Gervais Pellissier bei einer Telefonkonferenz mit Blick auf die Swisscom. Gemeinsam kommen Sunrise und Orange Schweiz auf einen Markanteil von rund 38% im Mobilfunk (per Ende Juni 2009) und einen Marktanteil von 13% beim Breitband (per Ende 2008). Der pro forma Umsatz per Ende 2008 beträgt 3,1 Mrd CHF und der EBITDA 809 Mio CHF.
Die Synergien sollen sich auf 3,2 Mrd CHF belaufen. Es gebe klare finanzielle Vorteile der Fusion, sagte Orange-Mobile-Chef Olaf Swantee. Die EBITDA-Marge des neuen Unternehmens dürfte «signifikant höher» als bei Sunrise und Orange Schweiz alleine ausfallen. Dies gelte auch für die Effizienz der getätigten Investitionen.
Es sei noch zu früh, um über mögliche Stellenstreichungen bei der fusionierten Gesellschaft zu sprechen, sagte Orange-Schweiz-Chef Thomas Sieber. Der Fokus liege aber vor allem auf Synergien bei Netzen und Marketing. Im Mobilfunk könnten 30% der Anlagen eingespart werden. Sunrise und Orange hätten bereits acht Monate an einer Kooperation bei den Netzen gearbeitet. Eine aggressivere Preisstrategie steht am Schweizer Markt laut France Telecom vorerst nicht im Blick. Über den künftigen Namen soll nach Abschluss der Transaktion entschieden werden.
Der Verwaltungsrat der neuen Firma soll aus Vertretern von TDC und mehrheitlich von France Telecom bestehen, wobei Swantee als Präsident vorgesehen ist. Thomas Sieber wird CEO des neuen Unternehmens. Sunrise-CEO Christoph Brand bleibt bis zum Abschluss der Transaktion im Amt. Anschliessend soll er den Beginn des Integrationsprojekts überwachen, bevor er sich neuen beruflichen Aufgaben ausserhalb der Gruppe widmet.
Die Vereinbarung sei der letzte Schritt von TDC, sich ganz auf die nordischen Länder zu konzentrieren, so der dänische Konzern. Bei dem über mehrere Jahre möglichen Austieg aus dem 25%-Anteil sei das jährliche Aktienrückkaufprogramm von 2012 bis 2014 eine wahrscheinliche Option, erklärte TDC-Finanzchef Jesper Ovesen. Über die Umsetzung des Programms entscheidet der Verwaltungsrat der neuen Firma.
Alternativ kann TDC den Anteil frühestens zwei Jahre nach Vertragsabschluss an einen Dritten verkaufen, das neue Unternehmen kann frühestens nach drei Jahren an die Börse gehen oder France Telecom nach dem ersten Jahr nach Abschluss der Transaktion laufend eine Option auf den Anteil von TDC ausüben.
Die Transaktion werde für TDC und France Telecom substantiellen Mehrwert generieren, so die beiden Unternehmen. Sie soll bezüglich Free Cash-Flow pro Aktie ab 2010 wirksam sein, bezüglich Gewinn pro Aktie ab dem Jahr 2011. Nach Abschluss der Transaktion will France Telecom die neue Firma voll in ihrer Bilanz konsolidieren und TDC ihren Anteil at equity.
Der Vollzug sei abhängig von der Zustimmung durch die Wettbewerbskommission, hiess es. Damit sei bis Mitte Mai 2010 zu rechnen. Die Weko hat indes laut Nachrichtenagentur SDA bisher keine Meldung erhalten. Auch das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) und die Eidg. Kommunikationskommission (ComCom) erwarten demnach in den nächsten Tagen eine Eingabe von Orange und Sunrise zu der geplanten Fusion.
Die Swisscom begrüsste die anstehende Konsolidierung als Wettbewerbsbelebung. «Der Schritt macht für die beiden Unternehmen sicher Sinn und wird den Markt zusätzlich stimulieren», erklärte ein Swisscom-Sprecher auf Anfrage.
cc/ch