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Welthits aus Laienhand

An Weihnachten singen sogar die Christbäume "Stille Nacht, heilige Nacht". Keystone

Nichts wird so oft gesungen wie Weihnachtslieder. Einige sind veritable Welthits: "Stille Nacht" beispielsweise wurde in 300 Sprachen übersetzt, "Ebusuku obungowele" heisst es in Zulu.

«Stille Nacht» ist auch das besterforschte Weihnachtslied. So sammelt beispielsweise der Pfarrer Josef Keller aus dem deutschen Immendingen seit 1948 Übersetzungen. Bis heute sind es deren 230, darunter «Po Fanau, Po Manu»
aus Samoa und «Akamot met, Akamot met» aus dem brasilianischen Regenwald.

Die Entstehungsgeschichte von «Stille Nacht» ist so ungewöhnlich, dass sie bereits mehrmals verfilmt wurde: Die Legende will, dass just an Heiligabend 1818 die Orgel in der Oberndorfer Kirche ausstieg, weil Mäuse den Blasbalg angeknabbert hatten.

Damit die Christmette nicht sang- und klanglos vorüberging, schrieb Vikar Joseph Mohr schnell drei Strophen und liess sie vom Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber für Gitarrenbegleitung vertonen.

Vom Werbesong zum Welthit

Damit das Lied seinen Siegeszug durch die Welt antreten konnte, musste wieder die Orgel kaputt gehen. 1825 revidierte der Zillertaler Orgelbauer Karl Mauracher das launische Instrument und entdeckte das Notenblatt von «Stille Nacht».

Er liess es kopieren und übergab es zu Hause der Familie Strasser, ihres Zeichens Handschuhmacher und Hobby-Musikanten. Auch der Sängerfamilie Rainer liess er eine Abschrift zukommen.

Als die Strassers 1832 auf der Leipziger Messe «Stille Nacht» sangen, wurde ein Verleger aufmerksam und druckte die Partitur. 50 Jahre später war das Lied in England und Schweden bekannt. In den USA erklang es schon 1839, als die Rainer-Sänger es im Rahmen einer Tournee in der Trinity Church in New York sangen.

Text vom Pfarrer, Musik vom Volk

«Stille Nacht» ist ein typisches Weihnachtslied: gedichtet von einem Geistlichen, die Musik einer alten Volksweise entnommen, wie die Liedforschung 1986 nachgewiesen hat. Auch die Melodie von «O du Fröhliche» stammt von einem Volkslied, angeblich einem sizilianischen Schifferlied und «O Tannenbaum» war ursprünglich ein schlesisches Liebeslied.

Volkslied plus pfarrherrliche Hobbylyrik ist die häufigste Entstehungsweise von Weihnachtsliedern, doch gibt es auch andere. Nicht selten stammt die Melodie vom Berufskomponisten, der Text vom Laien. «Vom Himmel hoch da komm ich her» etwa verfasste Luther 1533 für seine Weihnachtspredigt, die Melodie komponierte 200 Jahre später Bach.

Bis zu 900 Jahre alt

Der ursprünglich französische Text von «O Holy Night» – einem der schönsten Weihnachtslieder überhaupt – stammt von einem Weinbauern namens Cappeau de Roquemaure, die Melodie schrieb Adolphe Charles Adam, der Schöpfer der Ballettmusik «Giselle». «Morgen kommt der Weihnachtsmann» von Hoffmann von Fallersleben ist eines der wenigen Weihnachtslieder, das von einem Berufsdichter verfasst wurde.

Das älteste schriftlich dokumentierte Weihnachtslied, das heute noch gesungen wird, ist «Sei uns willkommen, Herre Christ», das ums Jahr 1100 erstmals belegt ist. Sehr alt ist auch «Es ist ein Ros‘ entsprungen»: angeblich soll es der Trierer Mönch Laurentius im 15. Jahrhundert geschrieben haben, nachdem er an Weihnachten im Klostergarten eine blühende Rose gefunden hatte.

Wie alt die Lieder waren, die in der Vorweihnachtszeit 1999 am Verkehrsgericht Nashville gesungen wurden, wissen wir nicht. Sicher ist, dass Richter Mark Fishburn Verkehrssünder begnadigte, die Besserung gelobten und ein Weihnachtslied zum besten gaben. «Es waren ziemlich festliche Wochen», sagt Fishburn rückblickend.

swissinfo und Agenturen

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