Hitzesommer könnte Schweizer Städtetourismus zunehmend belasten
Extreme Sommerhitze könnte den Schweizer Städtetourismus stärker belasten. Im Rekordsommer 2026 gingen die Hotelübernachtungen in mehreren grossen Städten zurück, während sie in zahlreichen Bergdestinationen zunahmen. Doch die Ursachen sind nicht eindeutig.
(Keystone-SDA) Der Sommer 2026 war laut MeteoSchweiz der heisseste seit Messbeginn 1864. Eine Auswertung der Nachrichtenagentur AWP von Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigt: In den Hotels in Zürich, Basel, Genf, Bern, Lausanne und Luzern sanken die Logiernächte von Juni bis August gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent, während sie in sieben ausgewählten Bergdestinationen um 2,2 Prozent stiegen.
Das könnte ein Vorgeschmack auf die Zukunft sein: Laut MeteoSchweiz wäre ein Hitzesommer wie 2026 bei einer globalen Erwärmung um 3 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau ungefähr der Durchschnitt. Etwa die Hälfte der Sommer könnte dann noch heisser ausfallen.
Flucht in die Berge
Das heisse Wetter lockt Touristen in die Berge: Im Juli stiegen die Logiernächte in Graubünden um 11 Prozent, bei Schweizer Gästen sogar um 13 Prozent.
«Es liegt nahe, dass die Hitze im Flachland und in den Schweizer Städten dazu beigetragen hat», sagt Martin Vincenz, CEO von Graubünden Ferien. Auch bei Tagesausflügen hätten die Destinationen eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage aus der Schweiz beobachtet.
Schweiz Tourismus berichtet ebenfalls von einer «Hitzeflucht» in die Berge. So habe etwa Interlaken vom Trend zu Ferien in kühleren Regionen profitiert und auch Zermatt habe eine deutlich höhere Nachfrage von Schweizer Gästen verzeichnet.
Weitere Faktoren
Ob die Hitze zugleich den Städtetourismus schwächt, ist hingegen weniger klar. Zürich Tourismus sieht keine Hinweise auf einen allgemeinen hitzebedingten Nachfragerückgang und verweist stattdessen auf die Folgen des Iran-Kriegs.
Auch laut Schweiz Tourismus litt Zürich unter der schwächeren Nachfrage aus Asien und den Golfstaaten, fehlenden Flugverbindungen aus dem Mittleren Osten und dem starken Franken. In Genf fiel das Ausbleiben arabischer Gäste aus der Mittelschicht ins Gewicht.
Zudem zeigt eine AWP-Auswertung für 2013 bis 2025 keinen statistisch nachweisbaren negativen Zusammenhang zwischen Hitzetagen und der Entwicklung der städtischen Hotelübernachtungen. Im besonders heissen Juli 2015 stiegen die Übernachtungen in den untersuchten Städten zum Vorjahr sogar um 8,9 Prozent an.
Fehlende Klimatisierung ein Problem
Ab einer gewissen Intensität und Dauer wird die Hitze aber wohl zum Problem, wie die Erfahrungen in einzelnen Stadthotels im Rekordsommer 2026 zeigen. Die Basler Hotelgruppe Krafft beobachtete nach rund zwei Wochen Hitzewelle Ende Juni erste Stornierungen und eine zurückhaltendere Nachfrage für die Folgemonate.
«Wenn das Thermometer länger als zehn Tage über 34, 35 Grad wandert und keine Änderung in Sicht ist, beginnen die Gäste, über die Destination nachzudenken», sagt Jonas Gass, der operative Chef der Hotelgruppe, auf Anfrage. Besonders ältere Gäste hätten bei extremer Hitze auf Reisen verzichtet.
Entscheidend sei zudem die Klimatisierung: Das ebenfalls zur Krafft-Gruppe gehörende Hotel Nomad mit Komfortlüftung habe deutlich weniger Beschwerden verzeichnet als das historische Hotel Krafft, so Gass. Dessen Nachrüstung sei wegen der baulichen Schutzauflagen allerdings schwierig.
Ausflüge stärker betroffen
Weshalb sich der Einfluss der Hitze auf die städtischen Übernachtungszahlen nur schwer isolieren lässt, erklärt Tourismusforscher Fabian Weber von der Hochschule Luzern mit dem Buchungsverhalten: Viele Städtereisen würden lange im Voraus gebucht, während bei Geschäftsreisen das Wetter eine untergeordnete Rolle spiele. Kurzfristige Ausflüge reagierten dagegen stärker auf die Temperaturen.
Langfristig könnte laut Weber das «Hitzeimage» einer Stadt zum Problem werden: Bei häufigeren und längeren Hitzeperioden könnten Gäste die Temperaturen bereits bei der Wahl ihres Reiseziels berücksichtigen. «Städtereisen könnten sich so in den Frühling und Herbst verlagern, während höher gelegene Regionen im Hochsommer attraktiver würden.»
Anpassung entscheidend
Umso wichtiger wird für die Städte die Anpassung an die klimatischen Bedingungen. Zürich Tourismus verweist auf See, Flüsse und Badeanlagen, aber auch auf steigende Erwartungen an klimatisierte Hotelzimmer.
Doch auch für die Berge bringt der Klimawandel Risiken. Graubünden Ferien bewirbt zwar die Kühle während Hitzeperioden. Gleichzeitig verweist Vincenz auf Trockenheit, heftige Gewitter, Murgänge und den Rückgang des Permafrosts.