IG Kultur Ost kritisiert geplante Kürzungen bei Kulturinstitutionen
Die IG Kultur Ost hat die Sparvorschläge der St. Galler Regierung als "substanziellen Abbau kultureller Leistungen" kritisiert. Die Kürzungen würden 80 Kulturinstitutionen quer durch den Kanton treffen. Darüber entscheiden wird der Kantonsrat im Dezember.
(Keystone-SDA) Die St. Galler Regierung musste im Auftrag der bürgerlichen Fraktionen des Kantonsrats ein weiteres Entlastungspaket in der Höhe von 60 Millionen Franken ausarbeiten. Sie setzt dabei auch bei den Kulturausgaben an.
Betroffen seien Museen, Kleintheater, Konzertlokale oder Kinos, heisst es in der Mitteilung der IG Kultur Ost. Die IG versteht sich als die Interessensvertreterin der Kultur in der Ostschweiz. Bei den Leistungsvereinbarungen werde eine Reduktion der Mittel um fast 20 Prozent vorgeschlagen. Besonders gefährdet seien kleinere Institutionen und Kulturangebote in den Gemeinden.
Weniger Geld für die Regionen
In der Botschaft der Regierung werden die einzelnen Massnahmen im Detail vorgestellt. Gekürzt wird etwa bei den sechs regionalen Förderorganisationen, die für ein breitgefächertes Kulturangebot vor Ort sorgen sollen. Gemeint sind Kultur St. Gallen Plus, Kultur Toggenburg, Kultur ZürichseeLinth, die Rheintaler Kulturstiftung, Südkultur und Thurkultur.
All diese Organisationen erhalten sowohl von den Gemeinden der jeweiligen Region als auch vom Kanton Beiträge. Das funktionierte bisher so: Der Kanton verdoppelte jeweils die Mittel der Kommunen um 100 Prozent. Künftig sollen es nur noch 75 Prozent sein. Die Folge sei «eine stärkere Selektion der zu fördernden Projekte», beschrieb die Regierung die Wirkung. Der Spareffekt: ab 2027 jährlich rund 315’800 Franken.
Weiter werden die Mittel für 80 Kulturinstitutionen, die über Leistungsvereinbarungen Beiträge über 10’000 Franken erhalten, in zwei Schritten prozentual gleichmässig gekürzt. Damit werde «die Breite und Vielfalt des kulturellen Angebots sowie die regionale Verankerung der Kulturförderung beeinträchtigt», kommentierte die Regierung. Ab 2027 spart der Kanton so 614’000 Franken ein, ab 2028 sind es jährlich 1,6 Millionen Franken.
Bisher konnte der Kanton mit jährlich 70’000 Franken Projekte unterstützen, die kein Geld von den regionalen Förderorganisationen bekamen, aber eine kantonale, schweizweite oder internationale Ausrichtung besassen. Dieses Geld soll ersatzlos gestrichen werden.
Gekürzt wird auch die Unterstützung, die das Amt für Kultur bei strategischen, organisatorischen, fachlichen und juristischen Fragestellungen leisten konnte, die in Kulturinstitutionen auftauchen. Damit werden ab 2028 jährlich nochmals 162’000 Franken eingespart.
Standortnachteil St. Gallen
Die IG Kultur Ost erinnert in ihrem Communiqué daran, dass Kultur «ein wichtiger Standortfaktor und Teil der regionalen Wirtschaft» sei. «Kulturinstitutionen und Kulturveranstaltungen ziehen Besucherinnen und Besucher an und schaffen damit Wertschöpfung.» Davon profitierten die Gastronomie, der Tourismus und das lokale Gewerbe direkt.
Die von der Mehrheit des Kantonsrats erzwungenen Kürzungen schwächten die Attraktivität des Wohn- und Wirtschaftsstandorts St. Gallen im interkantonalen Wettbewerb. Zum wiederholten Mal werde in einem Sektor gespart, der «mit prekären Arbeitsbedingungen und knappen finanziellen Ressourcen» haushalten müsse.