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Hundertwasser am Bodensee

Detailaufnahme von der Hundertwasser-Markthalle in Altenrhein. Keystone

Eine farbenprächtige Oase inmitten von Verkehr, Gewerbebetrieben und Fabrikhallen: In Altenrhein entsteht eines der letzten Häuser, das Friedensreich Hundertwasser konzipiert hat.

Die Verehrer des im vergangenen Jahr gestorbenen österreichischen Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser können in Altenrhein am schweizerischen Bodenseeufer bereits die Halle besichtigen, in der einmal Bauern aus der Umgebung an 22 Ständen ihre Erzeugnisse anbieten werden. Eingerichtet sind auch schon eine Kunstgalerie und eine Imbiss-Stube.

Die Verbannung des rechten Winkels

Der Meister der Wellenlinien und natürlichen Rundungen, der den rechten Winkel aus seinen Werken verbannte, scheint eine ganze Region zu begeistern. «Ich habe Dutzende freiwillige Helfer», sagt stolz der Initiator des Projekts, Herbert Lindemann.

Schulkinder schleppten Erde auf die Dachterrasse, auf der Pflanzen und Bäume gedeihen sollen. Laien entwickelten beim Anbringen der Keramik-Fliesen rund um die Fenster oder auf den Toiletten ungeahntes Geschick und vor allem Kreativität. «Laien sollen unter Anleitung von Fachleuten arbeiten, damit eine individuelle Arbeit entsteht», erläutert Lindemann eines der Prinzipien Hundertwassers.

Doch bei den Handwerkern stieß der Versicherungsvertreter und Kunstagent häufig auf Widerstand. Mehr als einmal habe er Bedenken zu hören bekommen, wenn er Hundertwassers Bauprinzipien durchsetzen wollte. Die meisten hätten aber schließlich enormen Spass daran gefunden, die Routine zu vergessen und ohne Wasserwaage und Lot ans Werk zu gehen, berichtet der 65-jährige schmunzelnd.

Kunterbuntes Nebeneinander

Die Idee zu der Markthalle kam Lindemann bei einer Reise nach Kapstadt. Dort entdeckte er eine Halle nach seinen Vorstellungen. Das Nebeneinander von Bildern, Kunsthandwerk und Bauernständen faszinierte ihn. Und der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Er fertigte Skizzen, die er Hundertwasser vorlegte.

Der Meister stimmte zu und überwachte aus der Ferne den Bau, der im Herbst 1998 begann. Lindemann schickte Fotos vom Baufortschritt, Hundertwasser faxte Korrekturen bis ins Detail zurück. Manchmal glaubte Lindemann, der Meister sei inkognito auf der Baustelle gewesen: «Er hat eine Deckenkante korrigiert, die er gar nicht kennen konnte.»

Bis zur kompletten Fertigstellung des Hundertwasser-Bauwerks bleibt einiges zu tun. So muss die letzte und größte der vier Kuppeln, die noch neben dem Gebäude liegt, mit 100’000 Goldplättchen belegt werden. Die ersten Bauern sollen im Frühjahr 2002 ihre Stände aufbauen. Doch am 14. September wird erst einmal «Aufrichte» gefeiert, eine Art verspätetes Richtfest inklusive der Uraufführung eines Werks des Schweizer Komponisten Roman Rutishauser.

swissinfo und Gisela Mackensen (dpa)

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