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Leila liefert den Soundtrack für das zweite Lebensjahrzehnt

Keystone-SDA

Im deutschsprachigen Raum hat die Berner Musikerin Leila längst die Bühnen erobert. Am Freitag erscheint ihr Debütalbum "20 Something Is A F*cking Strange Place". Wie in den Jahren zwischen zwanzig und dreissig, passiert auf dieser Platte viel.

(Keystone-SDA) Etwas liegt in der Luft. Leila merkt, dass ein grosser Moment ansteht – «weil ich so viel um die Ohren habe», sagt sie vor dem Release ihres Debütalbums bei einem Treffen mit Keystone-SDA im Innenhof der Berner Reitschule. Allerdings sei schon so viel Gutes geschehen, damit nun ihre erste Platte erscheinen kann.

Nachdem Leila mit der Berner Mundart-Popband Jeans for Jesus auf Tour war, ging ihr eigener melancholischer Song «Gun to my Head» auf den Streamingplattformen durch die Decke. Das war vor drei Jahren. Seither hat die heute 25-jährige Leila Šurković mehrere EPs veröffentlicht. Mit ihrer Band, bestehend aus dem Drummer Rico Baumann und der Bassistin Nuria Kräuchi, steht sie an Mikrofon und Gitarre auf den Konzertbühnen. Sie hat ein Signing bei Grönland Records, dem Label von Herbert Grönemeyer. Über dieses bringt sie nun ihr Debütalbum «20 Something Is A F*cking Strange Place» heraus.

Trotzig und zärtlich

Zum ersten Mal habe sie konzeptionell gearbeitet, Songs eigens für ein grösseres Werk geschrieben. Entstanden ist ein Popalbum, dessen Stücke allesamt Leilas klare, trotzige, oft unruhige und zugleich zärtliche Handschrift tragen: Sie verbindet melancholische Gefühlszustände mit tanzbaren Beats, Punk-Energie und catchy Melodien. Zwischen gitarrenbetonten Stücken und elektronisch angehauchten Tracks passiert viel.

Im Stück «Twenty Something» nimmt sie das Auseinanderleben im zweiten Lebensjahrzehnt auf: Die einen gründen eine Familie und suchen sich ein Einfamilienhaus, andere – auch Leilas lyrisches Ich – trinken billigen Wein. Der Song mit melodisch reduzierter Strophe entlädt sich in einem poprockigen Refrain. «Für mich ist es definitiv ein komisches Alter. Ich merke, wie mir immer mehr die Zeit zum Ausgehen fehlt, obwohl ich das immer gerne tat.»

Zum Herzschmerz tanzen

Auf dem entschleunigten Opener «Tattoo», ein Stück von der melancholischen Seite des 2000er-Pops, ist Leila mit ungewohnt hoher Stimme zu hören. Ebenso erfrischend anders klingt der instrumental reduzierte Titel «Freckles». Beide dürften gerade deswegen nicht die erste Wahl fürs Radioprogramm sein.

Die Single «The One That Got Away», ein Song übers Loslassen, wartet dagegen mit einer vielschichtigen Melodie auf, über die Leila roh und verletzlich singt; ohne Kitsch, dafür mit Ohrwurmpotenzial. Überhaupt scheint das ein gutes Rezept bei Leila zu sein: Mit Herzschmerz löst sie Tanzlust aus, wie gleich im nächsten Track «break my heart again».

«Ich bin ein Live-Girl»

Ausgangslage seien meistens die Texte, und die kommen aus ihren Gedanken. «Nicht dass ich glaube, wahnsinnig Tiefgründiges zu denken», sagt sie und lacht. Der Songtext und die Gesangsmelodie, welche die Bernerin mit der Gitarre erarbeitet, sind ihre persönlich wichtigsten Schritte.

Im Studio erwachen die Songs zum Leben. «Die Produktion ist dann weniger mein Ding, ich bin kein Fan davon, ewig die perfekten Snares auszuwählen», sagt die gelernte Grafikerin.

Umso lieber sind ihr die Konzerte. «Ich bin ein Live-Girl», sagt Leila, die seit jeher zu Amy Winehouse – «mit ihr hätte ich mich sicher gut verstanden» – aufschaut. Billie Eilish und ihr Bruder Finneas O’Connell wiederum inspirieren sie, weil sie sich nicht um die Konventionen des Pop scheren. Und Lola Young sei ein Vorbild, wenn es darum geht, selbstbewusst mit gängigen Körperbildern zu brechen. «Sie haben den Weg für mich gepflastert, ich mache aber mein eigenes Ding.»

Leila, das Fernwehkind

Das Album ist in drei Städten entstanden. Neben Bern in Sarajevo, von wo aus ihr Vater Ende der 90er-Jahre in die Schweiz migrierte, und in New York, sozusagen ihre zusätzliche Wahlheimat. Die Schweiz, insbesondere Bern, sei musikalisch «wahnsinnig aufregend», es habe «absurd talentierte» Menschen und immer wieder kämen neue Musikprojekte auf den Radar.

«Ich will aber nicht diejenige sein, die für immer im Café des Pyrénnées sitzt», sagt die Musikerin. Ab und zu täte es gut, dem Fernweh nachzugeben und neue Impulse zu suchen. «Ich werde immer wieder im Pyri sein, keine Frage. Aber dazwischen trifft man mich eben auch im East Village in Manhattan an.»

Berühmt sein ist das Ziel, und daraus macht Leila keinen Hehl. In der in New York entstandenen Singleauskopplung «Small Town Big Mouth» singt sie: «You talk shit cause I wanna be famous / Why don’t you go and put this fucking song on a playlist». Zurzeit hat Leila vor allem im deutschsprachigen Raum Erfolg und wird ab Herbst in der Schweiz und auch durch Deutschland touren.

Leben kann sie von ihrer Musik aber noch nicht. Dank Grafikaufträgen und der Unterstützung der Eltern kann die Musikerin ihren Lebensunterhalt bestreiten. Was durch ihre Musik reinkommt, geht für ihre Projekte wieder raus, von den Kosten für Löhne für die Band bis hin zu den Musikvideos. «Dass man in der Musikbranche und in der Kultur vom Wohlwollen anderer abhängig ist, geht gern vergessen.» Ihr Wunsch sei es, zusammen mit den Menschen abzuheben, die immer wieder ein Auge zugedrückt haben. «Damit ich es zurückgeben kann.»

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