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Bern (awp/sda) - Post-Verwaltungsratspräsident Claude Béglé müsse nun endlich seine Auslandstrategie klar vorstellen, fordern die Mitglieder der Fernmeldekommissionen (KVF) der beiden Räte. Ausserdem müsse er Ordnung in sein Gremium bringen. So wie der VR heute funktioniere, sei es nicht akzeptabel.
"Der Verwaltungsratspräsident muss sein Gremium im Griff haben", sagte Markus Hutter (FDP/ZH), Vizepräsident der nationalrätlichen KVF, am Mittwoch der Nachrichtenagentur SDA. Was im Moment im VR ablaufe, sei nicht akzeptabel. Wenn ein Gremium so auseinanderfalle, sei das "sicher ein Fehler vor allem des Präsidenten".
Hutter ortet das Problem im Fehlen einer klaren Kommunikationsstrategie im VR. Dass Béglé via Medien informiert, ohne sich vorher mit dem VR abzusprechen, ärgert auch Nationalrat Christian Levrat (SP/FR).
Bundesrat Moritz Leuenberger müsse ein ernsthaftes Gespräch führen mit dem Verwaltungsratspräsidenten, sagte Levrat. "Béglé muss ihm klar aufzeigen, wie er seine Rolle versteht und wie er zu den Abgängen steht", forderte der SP-Präsident.
Am Dienstagabend kündigte der langjährige Verwaltungsrat Wolfgang Werlé seinen sofortigen Rücktritt aus dem Gremium an. Wie schon Rudolf Hug zwei Wochen zuvor, gab Werlé als Grund "unterschiedliche Auffassungen" mit Béglé an. Mit der gleichen Begründung hatte der VR seinerseits am 14. Dezember bereits Konzernchef Michel Kunz abgesetzt.
Ob Béglé an der Spitze des Post-VR noch haltbar ist, wollen die Politiker nicht kommentieren. Zweifel lassen sie aber durchaus durchblicken.
"Béglé hat schon etwas Faszinierendes an sich", sagte etwa Peter Bieri (CVP/ZG). Er sei ein Weltbürger, habe viele Kontakte und viel Knowhow. Er sei sicher das Gegenteil der schweizerischen wohlbehüteten, zuweilen biedermännischen Art. "Aber man muss sich schon fragen, ob es das ist, was die Post in der jetzigen schwierigen Situation vorwärts bringt."
Auch SP-Nationalrat Andrea Hämmerle spricht von Béglé von einer "schillernden Figur" mit viel Wissen. Er zweifle aber daran, dass er den VR richtig führen könne, sagte der Bündner in der Sendung "Rendez-vous" von Schweizer Radio DRS.
Das UVEK hatte bereits am Dienstag angekündigt, hinsichtlich der ordentlichen Erneuerungswahlen des VR dessen Zusammensetzung grundsätzlich zu überdenken. Dabei werde Béglé genauso wie alle anderen VR-Mitglieder unter die Lupe genommen, sagte Sprecher Daniel Bach am Mittwoch.
Einig sind sich die Politiker darin, dass bezüglich der von Béglé im Dezember in der Sonntagspresse umrissenen Auslandstrategie der Post dringend Klärungsbedarf bestehe. Die Ideen kämen "unausgegoren und überfallartig daher", sagte Bieri. Ausserdem sei der Zeitpunkt, mitten in der Totalrevision des Postgesetzes, der "dümmste mögliche".
Immerhin liess sich die Post am Mittwoch auf Anfrage ein wenig in die Karten blicken: Damit die Post auch in Zukunft "gesund" bleibe, müsse sie sich auch im Ausland entwickeln, etwa durch den Kauf von Gesellschaften oder auf Basis von Partnerschaften, hiess es in einer Stellungnahme. "Das Risiko bleibe dabei immer kalkuliert."
Für den gelben Riesen kommen zwei Gebiete für eine Expansion in Frage: die Finanzdienstleistungen und die Informationsverwaltung. Dabei unterstrich das Unternehmen, dass der VR die Strategie "schrittweise und in enger Zusammenarbeit" mit der Geschäftsleitung und dem Bund erarbeite.
Klar gegen eine Expansion ins Ausland sind SP sowie SVP. Die Post habe weder das nötige Fachwissen noch die kritische Grösse oder die Finanzmittel, um im Ausland angemessen tätig zu sein, sagte Levrat. Mit der angelaufenen Liberalisierung des Marktes sei sie in ihrem inländischen Kerngeschäft bereits genügend gefordert, heisst es bei der SVP.
ch

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