Projekt für zweite Tramachse in Bern vorderhand auf Eis gelegt
Die Planung für eine zweite Tramachse durch die Berner Innenstadt wird vorderhand auf Eis gelegt. Grund für den Entscheid sind starke Abhängigkeiten von anderen Grossprojekten wie "Zukunft Bahnhof Bern" oder "Autoarmer Bahnhofplatz".
(Keystone-SDA) Zunächst sollen unter anderem langfristig belastbare Erkenntnisse für den Raum Bahnhof Bern und das Gesamtverkehrssystem vorliegen, wie die Behördendelegation aus Regionalkonferenz, Kanton und Stadt Bern am Donnerstag mitteilte. Sie beschloss daher, die seit 2022 laufenden Arbeiten an der Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) zu sistieren.
Die heutige Stammachse des Berner Tramnetzes quer durch die historische Altstadt gilt seit Jahren als stark überlastet. Um Engpässe zu beheben und die Stabilität des öffentlichen Trams zu sichern, suchte die Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) zusammen mit Kanton, Stadt, den Verkehrsbetrieben Bernmobil sowie der Gemeinde Ostermundigen nach einer machbaren, zweckmässigen und finanzierbaren Alternativroute.
Priorität im Westen
Innerhalb der Behördendelegation herrscht Einigkeit darüber, dass eine Entlastung des Nadelöhrs am Hirschengraben oberste Priorität geniesst. Eine zusätzliche Gleisverbindung über die Laupenstrasse und Belpstrasse soll den Betrieb westlich des Bahnhofs mittelfristig flexibler gestalten. Dieser Ausbau lässt sich jedoch nicht kurzfristig realisieren.
Längerfristig ist bei einer Weiterentwicklung des Tramnetzes nach den heutigen Erkenntnissen auch östlich des Bahnhofs eine Entlastung der Achse Spital-/Marktgasse notwendig, schreibt die Behördendelegation in ihrer Mitteilung weiter.
Hier stehen noch zwei Varianten zur Diskussion, die das Tram entweder via Speichergasse–Nägeligasse oder via Lorrainebrücke–Viktoriarain führen. Eine Linienführung durch die Bundesgasse erwies sich hingegen aus verkehrstechnischen Gründen und wegen Sicherheitsanforderungen des Bundes als nicht machbar.
Dickicht laufender Planungen
Ein definitiver Linienentscheid ist laut den Verantwortlichen derzeit weder realistisch noch zweckmässig. Die Planung der Tramachse ist aufs Engste verflochten mit den verkehrspolitischen Weichenstellungen rund um den Bahnknoten Bern.
Dazu gehören namentlich die verkehrlichen Baumassnahmen im Rahmen von «Zukunft Bahnhof Bern», die Umgestaltung «Autoarmer Bahnhofplatz» sowie die Ergebnisse der Zweckmässigkeitsbeurteilung «Wyler-Länggasse». Auch die Erkenntnisse aus dem übergeordneten Entwicklungsprozess «Stadtraum Bahnhof Bern» müssen abgewartet werden.
Neubeurteilung anhand des Verkehrsmodells 2028
Anstatt voreilige Vorentscheide zu fällen, will die Behördendelegation die bisher erarbeiteten Resultate sichern. Die Weiterbearbeitung soll pausieren, bis verlässliche Grundlagen vorliegen.
Die RKBM beabsichtigt, ihre Netzstrategie ÖV Kernagglomeration Bern auf Basis des kantonalen Gesamtverkehrsmodells zu überarbeiten, dessen Ergebnisse per Ende 2028 erwartet werden.
Erst in diesem Gesamtzusammenhang werde auch die eigentliche Funktion und Notwendigkeit einer zweiten Tramachse neu bewertet werden können. Wann die konkreten Projektarbeiten wieder aufgenommen werden, bleibt offen.