Sechs von 430 Objekten im Antikenmuseum Basel sind problematisch
Von insgesamt 430 untersuchten Sammlungsstücken des Antikenmuseums Basel haben sechs eine problematische Herkunft. Zu diesem Schluss kommen zwei am Donnerstag veröffentlichte Arbeitsberichte. Bei vielen Objekten bleibt die Herkunft unklar und ein paar wenige stehen unter Fälschungsverdacht.
(Keystone-SDA) Die eine der beiden Untersuchungen nahm sich 92 Werke aus der griechisch-römischen Antike vor, die zwischen 1990 und 2012 zum Bestand stiessen. Es handelt sich vor allem um Schenkungen und Legate, wie es im Arbeitsbericht heisst.
Bei sechs Werken gibt es Hinweise auf auf «nicht rechtsbeständige Erwerbsumstände». Dazu gehören etwa eine unteritalische Vase und ein Fischteller sowie Statuetten einer Trauernden, vermutlich aus Canosa (I), die gemäss Bericht auf die ehemalige Galerie Palladion in Basel zurückzuführen sind. Die Staatsanwaltschaft stellte bei einer Razzia im Jahr 2001 dort Tausende Kunstobjekte rechtswidriger Herkunft sicher.
Museum berät mit Herkunftsländern über weiteren Verbleib
Vorerst bleiben die sechs problematischen Objekte in der Sammlung, wie Museumsdirektor Andrea Bignasca auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA schreibt. Sofern das Ursprungsland eindeutig bestimmt werden könne, nehme das Museum Kontakt mit den zuständigen ausländischen Behörden auf. Im Fall der betroffenen Werke sind die Ursprungsländer mit Italien und Syrien identifiziert worden. «Die Restitution stellt eine mögliche Vorgehensweise, sie ist jedoch nicht die einzige Handlungsoption», schreibt Bignasca.
Das Expertenteam stufte basierend auf seinen Recherchen 20 Werke als unauffällig beziehungsweise unbedenklich ein. Weitere 65 sind lückenhaft dokumentiert und haben «auffällige historische Erwerbsumstände». Drei Objekte stehen unter Fälschungsverdacht. Dazu gehört etwa ein Bronzeporträt einer Römerin. Der Arbeitsbericht empfiehlt angesichts der Bekanntheit eine vertiefte Untersuchung dazu.
Die drei mutmasslichen Fälschungen bleiben im Antikenmuseum. In einem Fall ist der Verdacht in der Forschung «sehr kontrovers und alles andere als erwiesen», wie Bignasca weiter schreibt. Sie bleiben als «spannende Objekte mit Fälschungsverdacht» ausgestellt.
Keine Hinweise auf Nazi-Raubkunst
Die zweite Untersuchung widmete sich 338 Objekte, die zwischen 1970 und 1989 in die Sammlung gelangten. Davon stufte das Forschungsteam 185 als unauffällig ein, weitere 115 als lückenhaft dokumentiert und mit «auffällige historische Erwerbsumständen». Bei manchen Gefässen sind etwa Informationen wie «angeblich aus Vulci» und «vom Ausgräber (Bauer)» überliefert. Werke mit erwiesenermassen problematischer Herkunft sind hier aber nicht zu finden, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Es handelt sich bei der zweiten Untersuchungen um Objekte aus den Sammlungen Breusch, Hess, Kuhn, Merke und Meyer. Die letzten drei gehen auf Ankäufe nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Aus den Unterlagen gibt es keine Hinweise auf Raub- oder Fluchtkunst im Kontext des Nationalsozialismus, wie es weiter heisst. Bei 15 Objekten besteht ein Fälschungsverdacht.