UBS/Wirtschaftshistoriker: Bank-Führung liess Skepsis vermissen
Zürich (awp/sda) – An den Problemen der UBS mit der Finanzkrise und den US-Steuerbehörden trägt vor allem die frühere Führung der Grossbank die Schuld. Zu diesem Schluss kommt der Zürcher Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann in einer Studie, die er im Auftrag der UBS erstellte.
«In den leitenden Organen der UBS fehlte es an Führungspersönlichkeiten, die einen Spürsinn für versteckte Risiken hatten», schreibt Straumann in der am Donnerstag veröffentlichten Studie. Die falsche Einschätzung einiger weniger Personen in der Investmentbank habe genügt, dass die UBS ihre Subprime-Papiere im Gegensatz zu anderen Banken nicht abbaute.
Straumann wirft der UBS Passivität vor: Sie «glaubte fälschlicherweise, alles im Griff zu haben, weil die zahlreichen Risikoberichte, internen Audits und externen Prüfungen fast immer positiv ausfielen». Bis zu 3000 Personen beschäftigten sich damals bei der UBS mit Risikobewertung – und das Vertrauen in sie sowie die offiziellen Ratings sei «unbeschränkt» gewesen.
In der obersten Etage der UBS herrschte laut Straumann ein «technokratischer Führungsstil», der sich in aussergewöhnlichen Situationen als zu wenig flexibel erwies. So sei es unrealistisch gewesen, das grenzüberschreitende Geschäft mit US-Kunden, das «ausländisches Recht ritzte», «durch ein paar Anweisungen von oben auf eine vollkommen legale Linie» zu bringen.
Beigetragen zur Krise habe auch die falsche Sicherheit der UBS, nachdem sie die letzte Krise relativ unbeschadet überstand. Zudem seien schon einige Banken gestrauchelt, als sie versuchten, im «Spurt» zu den internationalen Marktführern aufzuholen. Im Frühling 2007 sei die UBS ausserdem stärker mit der Integration ihres Hedge-Funds DRCM beschäftigt gewesen als mit den eigenen Risiken.
Die jüngste Finanzkrise ist für Straumann ein typischer Fall: Als die innovativen Finanzinstrumente auftauchten, glaubten die Institute an deren Überlegenheit. Ohne die Instrumente zu verstehen, vertrauten Konzernleitungen und Verwaltungsräte den Risikoberechnungen und liessen «gesunde Skepsis» vermissen.
Im UBS-Fall sieht er zudem ein Musterbeispiel: Die grössten Verlierer – und zu denen gehörte die UBS – seien jene, «die geglaubt haben, sie hätten das Geschäft besonders gut im Griff».
Nach eigenen Angaben konnte Straumann für seine Studie Einblick nehmen «in alle relevanten internen Berichte der UBS, ihrer Berater und der Aufsichtsbehörden». Er greift unter anderem auf Sitzungsprotokolle des Risikoausschusses, aber auch auf öffentlich zugängliche Dokumente wie Berichte der Finanzmarktaufsicht FINMA zurück.
uh