Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen, liebe Auslandschweizer
"Die Schweiz, ein Land der Minderheiten", so der Titel der erhellenden Sessions-Analyse von Kollege Giannis Mavris. Ich würde sogar sagen: "Die Schweiz, das Land der Minderheiten". Wie komme ich darauf?
Beste Grüsse aus Bern
«Was ist die Schweiz eigentlich für ein Land?», fragt Giannis zu Beginn seines Beitrags.
Eine der möglichen Antworten, die er gibt: Zu ihrem politischen Selbstverständnis gehört die Routine, den Ausgleich zwischen Mehrheiten und Minderheiten zu suchen.
Das trifft des Pudels Kern. Zur Routine aller Akteur:innen in der Demokratie Schweiz gehört eben gerade auch, dass es keine Routine gibt, was das Gewinnen angeht.
Wer heute im Parlament oder auch an der Urne obsiegt, kann sich schon morgen auf der Verlierer:innenbank wiederfinden.
Denn in den Ratssälen und Kommissionszimmern zählt pure Wähler:innenstärke wenig, die Fähigkeit, mit guten Argumenten Allianzen über Parteigräben hinweg zu schmieden, viel.
- Die Schweiz, ein Land der Minderheiten – die swissinfo.ch-Analyse der Wintersession des Parlaments inkl. der Wahl zweier neuer Bundesrät:innen.
- Schweizerische Konkordanz im WandelExterner Link – Politikwissenschafts-Professor Wolf Linder.
- Besonderheiten des Parlaments: Wechselnde MehrheitenExterner Link – Bundeskanzlei.
Mehr
Der Fachkräftemangel macht auch vor der Uhrenindustrie nicht Halt.
4000 Spezialist:innen fehlen in den Betrieben der Schweizer Uhrenhersteller bis 2026.
Hintergrund: Nach der Coronakrise und trotz des russischen Kriegs gegen die Ukraine geht die Nachfrage nach Schweizer Luxusuhren durch die Decke.
Rolex, eine der Ikonen der Branche, will im Kanton Freiburg eine neue Fabrikation mit 2000 Mitarbeitenden bauen – geplante Eröffnung 2029.
Woher also das nötige Personal nehmen? Mit einer Charmeoffensive gewinnen, wie dies die Industrie hofft. Mein Kollege vom Mittagstisch hat da so seine Zweifel. «Wie sollen Jugendliche, die sich schon nach 20 Sekunden eines Tiktok-Videos langweilen, eine Uhr zusammenbauen?»
- Der Schweiz gehen die Uhrmacher ausExterner Link – Beitrag im Tages-Anzeiger.
- Letztes Wort über billige «Swiss Made»-Uhren ist noch nicht gesprochen – spannende Reportage unseres Uhren-Spezialisten Samuel Jaberg von seinem Besuch bei Mondaine.
- Es gibt so viele offene Stellen wie noch nie – diese Branchen sind am meisten betroffenExterner Link – Übersicht von Watson.ch von letztem Sommer.
Schweizer Politiker:innen werden Pat:innen von inhaftierten Demonstrant:innen, die in Iran von der Todesstrafe bedroht sind.
Eben noch haben sie über die Reform der zweiten Säule, der beruflichen Altersvorsorge beraten. Oder zwei neue Mitglieder des Bundesrats gewählt.
Jetzt haben mehrere Nationalrätinnen und Nationalräte verschiedener Parteien Patenschaften für Menschen übernommen, die vom brutalen Regime der Islamisten im Iran hingerichtet werden sollen.
Bisher wurden im Rahmen der starken Proteste in Iran rund 18’000 Menschen verhaftet. Die Zahl der Toten beträgt offiziell rund 500 Personen. Gegen Dutzende wurde bereits die Todesstrafe ausgesprochen und die ersten zwei Demonstrant:innen, darunter ein landesweit bekannter Rapper, wurden gehängt – zum Teil sogar öffentlich.
Die Frage, ob die Aktion der Schweizer Parlamentarier:innen die menschenverachtenden iranischen Todesrichter umstimmen kann, ist irrelevant. Es geht schlicht darum, für die Freiheiten und die Menschen hinzustehen, die bereit sind, für ihren Kampf für dieselben Freiheiten und Rechte den höchsten Preis zu bezahlen.
- Schweizer Politiker werden «Gotti und Götti» von iranischen TodeskandidatenExterner Link – 20 Minuten.
- Der Iran und die Schweiz: eine spezielle Beziehung – swissinfo.ch-Beitrag von Balz Rigendinger.
- Proteste im Iran: Wie das Internet zur Waffe wird – Beitrag von Kollegin Melanie Eichenberger.
Mehr
Machen Sie mit beim Talk zum Auslandschweizer-Wahljahr 2023.
Wir laden Sie herzlich ein zum Mitdiskutieren: Am nächsten Dienstag, 20. Dezember, führt swissinfo.ch eine spezielle Politik-Diskussion durch, an der Sie als Auslandschweizer:in online teilnehmen können.
Wir blicken auf das kommende Jahr der Eidgenössischen Wahlen 2023, mit Ariane Rustichelli von der Auslandschweizer-Organisation und dem Politologen und Auslandschweizer-Experten Michael Hermann. Online über Teams zugeschaltet werden Stimmen und Fragen aus der Fünften Schweiz.
Die Fragen an Sie als Auslandschweizer:in sind: Warum werden Sie wählen? Was erwarten Sie von der Schweizer Politik? Oder allgemeiner: In welche Richtung müsste sich die Schweiz bewegen? Wir führen die Diskussion in unserer Sendung «Let’s Talk», die wir am Dienstag um 14.45 Uhr aufzeichnen.
Sind Sie dabei? Melden Sie sich jetzt bei Moderator balz.rigendinger@swissinfo.ch. Er sendet Ihnen nächste Woche gerne einen Link, mit dem Sie sich dann in die Sendung einwählen können. Die Sendung wird am 13. Januar ausgestrahlt.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards