The Swiss voice in the world since 1935

Bergier-Schlussbericht – ein heikles Unterfangen

Kommissions-Präsident Jean-François Bergier. Keystone

Das Mandat der Bergier-Kommission geht dem Ende entgegen. Bis Ende Jahr muss sie noch einen Schlussbericht vorlegen. Kein einfaches Unterfangen, sagt Kommissions-Präsident Jean-François Bergier.

Bis am 19. Dezember – dem Geburtstag der Unabhängigen Experten-Kommission – wolle man den Schlussbericht dem Bundesrat vorlegen, sagt der Wirtschafts-Historiker Bergier in einem am Montag (03.09.) von der «Aargauer Zeitung» und von «Le Temps» veröffentlichten Interview. Und: «Das ist nicht ganz einfach: Wir haben manchmal Meinungs-Verschiedenheiten über die Rolle, die eine solche Zusammenfassung zu spielen hat.»

Eine unmögliche Aufgabe

«Das Problem der Kommission ist, dass man sie eigentlich mit unmöglichen Aufgaben betraut hat, dass man ihr ‚böse‘ Fragen gestellt hat», so Bergier. Es gehe darum, Probleme wie nachrichtenlose Vermögen, Flüchtlinge oder Gold zwar nicht zu relativieren, aber in den historischen Kontext zu stellen.

Dabei gebe es einen Gegensatz zwischen «dem Romand und den Deutschschweizern». Letztere möchten gerne eine Zusammenfassung mit vielen Details. «Der Romand hingegen möchte die Details weglassen, um die grossen Linien und die grossen Probleme aufzuzeigen und eine wirkliche Synthese zu machen».

Diese unterschiedlichen Auffassungen kämen auch dadurch zum Ausdruck, dass jede Studie und auch die Zusammenfassung in verschiedenen Versionen und Entwürfen vorgelegt wurden. Die endgültige Fassung sei dann im Allgemeinen «ein wenig von allen inspiriert», sagte Bergier weiter.

Debatte muss weitergehen

Er hoffe, dass mit dem Vorlegen des Schlussberichts die Debatte weitergehe und neue Untersuchungen nach sich ziehe. «Das Ziel wäre, dass unsere Arbeit am Ende im Schulunterricht berücksichtigt wird. Und zwar dauerhaft, indem sie in den Lehrbüchern Aufnahme findet.»

Auch er selber sei von der Kommissions-Arbeit beeinflusst worden. «Meine Vorstellung war eher jene des Mythos, der sagt, dass sich die Schweiz im Allgemeinen korrekt verhalten hat.» Dieses positive Bild habe er korrigieren müssen. «Ich bin froh, dass ich es geschafft habe.» Nun sei er beim Bild einer «normalen Schweiz angelangt, die sich verhalten hat wie irgendein anderes Volk sich in der gleichen Situation verhalten hätte.»

swissinfo und Agenturen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft