Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Die Schweizer Armee steckt in einem Dilemma. Sie muss aufrüsten, während sie immer mehr Soldaten an den Zivildienst verliert. Deshalb sollen 700 neue Stellen im Verteidigungsdepartement geschaffen werden – für Drohnen, Flugabwehrsysteme und Cyberabwehr.
In den Alpen hat der heisse Sommer den Seilbahnen Rekordzahlen beschert. Dabei haben vor allem kleinere Bahnen überdurchschnittlich profitiert. Für die Bergstationen wird der Sommertourismus immer wichtiger.
Herzliche Grüsse aus Bern
Die Schweizer Armee rüstet auf, verliert aber jedes Jahr Tausende Soldaten an den Zivildienst. Wie soll die Verteidigung gesichert werden, wenn gleichzeitig das Personal schwindet und 700 neue Stellen im Verteidigungsdepartement umstritten sind?
Die Schweizer Armee verliert jährlich rund 12’000 Dienstpflichtige, vor allem an den Zivildienst. Bis 2030 droht die Zahl der Dienstpflichtigen auf unter 130’000 zu sinken. Nun will der Bundesrat mit flexibleren Dienstmodellen gegensteuern.
Einen Lichtblick zeigt die Frauenquote: Der Anteil von Frauen im Militär steigt kontinuierlich an. Besonders bei Kaderlaufbahnen sei das Interesse gross, schreibt Watson. Ein obligatorischer Orientierungstag soll diesen Trend ab 2028 weiter verstärken.
Gleichzeitig sorgt die Aufrüstung für Personalnot im Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Für neue Waffensysteme wie Drohnen, Flugabwehrsysteme und Cyberabwehr sind bis zu 700 neue Stellen nötig. Da Verteidigungsminister Martin Pfister intern sparen will, droht weniger Geld für Rüstungskäufe übrig zu bleiben.
Der ehemalige deutsche Spionagechef August Hanning sitzt seit dieser Woche wegen Landesverrats in Untersuchungshaft – und seine Spuren führen auch in die Schweiz: Anscheinend war der Ex-Chef des Bundesnachrichtendiensts auch hierzulande in dubiose Geschäfte verstrickt.
Der Schock in Deutschland ist gross: Der 80-jährige Ex-BND-Chef soll über Jahre mehr als 2000 geheime Dokumente für private Beratungsgeschäfte genutzt haben. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sollen darunter auch Informationen ausländischer Partnerdienste sein. Diese soll ihm ein hochrangiger BND-Mitarbeiter für Geld geliefert haben – er wurde ebenfalls verhaftet.
Auch in der Schweiz hinterliess Hanning deutliche Spuren, schreibt der Tages-Anzeiger am Donnerstag. Er war Verwaltungsrat bei zwei Luzerner Sicherheitsfirmen. Sogar im aufsehenerregenden Prozess um eine mutmassliche Kindsentführung im Umfeld einer Milliardärsfamilie geriet seine Firma ins Visier.
Während deutsche Politikerinnen und Politiker ein Verbot von Beraterjobs für ehemaligen Agentinnen und Agenten fordern, berichten auch Schweizer Medien über den Fall. Der Skandal erschüttert das Vertrauen in den BND nachhaltig und hat Ermittlungen beidseits der Grenze ausgelöst.
Ein heisser Sommer und ein sonniger Herbst bescherten den Schweizer Bergbahnen Rekordzahlen. Das Sommergeschäft wird für die Alpendestinationen immer wichtiger. Doch ist es nur die Flucht vieler Menschen in die kühle Höhe in diesem Rekordsommer oder ein nachhaltiger Wandel?
Die Schweizer Bergbahnen verzeichneten von Mai bis Ende September 10% mehr Ersteintritte als im Vorjahr. Die Branche zählt mit dieser Kennzahl einen einzelnen Gast beim ersten Betreten des Seilbahnnetzes an einem bestimmten Tag. Im Vergleich zum Fünfjahresschnitt stieg die Gästezahl sogar um beeindruckende 28%.
Besonders stark war der Zuwachs im Berner Oberland mit einem Plus von 22%. Gemäss den Daten von Seilbahnen Schweiz profitierten vor allem Gebiete in mittleren Höhenlagen zwischen 1000 und 2000 Metern.
Die Sommerhitze lockte neben Einheimischen auch vermehrt Gäste aus Nordamerika in die Berge, wie das Westschweizer Fernsehen RTS meldet. Das starke Ergebnis zeige, dass der Sommertourismus in den Alpen längst kein reines Zusatzgeschäft mehr sei.
Ein Rekordfund im Kanton Basel-Landschaft schreckt die Schweiz auf. In Pratteln stellte die Polizei über 3200 Injektionsflaschen illegaler Peptide sicher. Es ist der bisher grösste Fund dieser Art im Land.
Der Erfolg in Pratteln ist auf eine gezielte Schwerpunktaktion der Behörden zurückzuführen. Bei der Hausdurchsuchung stiess die Polizei neben Tausenden Peptid-Fläschchen auch auf Spritzen, Verpackungen und Etiketten. Die Wirkstoffe sollen unter anderem bei Übergewicht und Muskelschmerzen helfen.
Gegen zwei Personen wurde ein Strafverfahren wegen Verstössen gegen das Heilmittel- und das Sportförderungsgesetz eröffnet, wie Blick schreibt. Die unkontrollierten Stoffe bergen erhebliche gesundheitliche Risiken, warnen die Behörden.
Der Rekordfund zeigt die Schattenseite des Trends: Während der Schwarzmarkt blüht, stellt die legale Schweizer Industrie ein Drittel aller weltweit zugelassenen Peptide her, wie meine Kollegin Aylin Elçi kürzlich in einem Artikel geschrieben hat.
Die kommende Woche
Die Fussballer-Frisur aus den 1980er-Jahren ist zurück! Seit 2024 gibt es sogar einen Wettbewerb, wer die tollste Vokuhila-Frisur (vorne kurz, hinten lang) trägt. Morgen Sonntag messen sich in Martigny die wildesten Frisurenträger bei der zweiten Austragung des «Swiss Mullet Cup».
Am Freitag veröffentlichen wir auf unserer Website das aktuelle SRG-Wahlbarometer, ein Jahr vor den nächsten nationalen Wahlen. Welche Partei kann zulegen, welche muss Federn lassen?
Auswandern ist nicht nur in der Neuzeit ein Thema, bereits im Altertum verliessen viele Menschen ihre Heimat – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Am Freitag findet im Antikenmuseum in Basel eine Medienorientierung zur Sonderausstellung «Auf und davon! Menschen seit Jahrtausenden unterwegs» statt. Die Ausstellung dauert vom 18. Oktober 2026 bis zum 18. April 2027.
Interessant könnte diese Präsentation der Kantonspolizei St. Gallen werden, die ebenfalls am Freitag stattfindet: In Mosnang zeigt sie den Einsatz von Drohnen für Geschwindigkeitskontrollen.
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