Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Das sorgt in der Schweiz für Unruhe: Der Ständerat will die Bilateralen III, die neuen Verträge zwischen der Schweiz und der EU, bei der Abstimmung dem doppelten Mehr von Stimmvolk und Kantonen unterstellen. Ländliche Kantone könnten dem Bundesrat, der die Abkommen will, damit einen Strich durch die Rechnung machen.
Allerdings scheinen sich Befürworterinnen und Befürworter keine allzu grossen Sorgen zu machen. Sie rechnen mit einer Abfuhr des doppelten Mehrs im Nationalrat.
Herzliche Grüsse aus Bern
Brauchen die neuen Verträge zwischen der Schweiz und der EU neben dem Volk auch das Ja der Kantone? Der Ständerat sorgt mit einem Grundsatzentscheid für Wirbel – und spaltet die Schweiz in Städte, ländliche und Sprachregionen.
Der Ständerat will die Bilateralen III dem Ständemehr unterstellen. Das würde bei einer Abstimmung bedeuten, dass nicht nur das Volksmehr ausschlaggebend wäre, sondern auch eine Mehrheit der Kantone. Aussenminister Ignazio Cassis gibt sich dennoch zuversichtlich und betont gegenüber RSI, das Ziel bleibe trotz nötiger Überzeugungsarbeit in den ländlichen Kantonen der Schweiz erreichbar.
Die Abstimmung habe tiefe Gräben offengelegt, heisst es in der Schweizer Presse: Während die Romandie und städtische Kantone wie Zürich das Ständemehr geschlossen ablehnten, stimmten die ländlichen Kantone dafür. Im Nationalrat dürfte dieser Entscheid jedoch kippen.
Trotz der neuen Hürde sehen sich EU-Befürwortende im Aufwind, analysiert der Tages-Anzeiger. Im Ständerat gab es eine deutliche inhaltliche Mehrheit für das Paket. Das Pro-Lager peilt nun sogar eine Volksabstimmung im Sommer 2027 an.
Ein Blick in die Berge schockiert: Kaum noch irgendwo ist auf den hochalpinen Gipfeln etwas Schnee zu sehen. Nach dem extremen Hitzesommer schmelzen die Schweizer Gletscher in Rekordtempo weiter. Der historische Schwund verändert nicht nur die Berglandschaft, sondern auch Europas Wasserspeicher.
Die Schweizer Gletscher erlebten 2026 erneut ein Katastrophenjahr und verloren 5,5% ihres Eisvolumens, meldet das Gletschermessnetz Schweiz Glamos. Allein in den letzten fünf Jahren ist damit ein Fünftel des Eisbestands verschwunden.
Besonders dramatisch traf es den Aletschgletscher, der lokal bis zu 13 Meter Eis einbüsste, schreibt 20 Minuten. Kleinere Eisströme wie der Plattalva schmolzen im Hitzesommer sogar vollständig weg.
Trotz extremer Hitze floss 2026 weniger Schmelzwasser ab als noch im Hitzejahr 2003. Der Grund ist paradox: Das gefrorene Reservoir ist schlicht zu klein geworden, um grössere Trockenphasen flussabwärts noch wirksam abzufedern.
Jeder dritte ältere Mensch in der Schweiz fühlt sich manchmal einsam. Eine neue Studie zeigt, dass der Mangel an Gesellschaft trotz hoher Lebensqualität Hunderttausende trifft – und damit längst kein Randphänomen ist.
Mehr als 800’000 Menschen über 60 vermissen in der Schweiz gelegentlich Gesellschaft, wie Pro Senectute heute in einer neuen Studie berichtet. Rund 140’000 Betroffene leiden sogar häufig unter schwerer Isolation.
Besonders gefährdet sind Alleinstehende und Personen mit tiefem Einkommen. Einsamkeit ist demnach weniger eine Frage des Alters als der Lebenssituation. So nimmt das Risiko der Vereinsamung etwa nach einem Verlust drastisch zu.
Die gesundheitlichen Folgen reichen von Depressionen bis zu körperlichen Leiden. Fachpersonen fordern deshalb neben Freiwilligenarbeit auch politische Massnahmen wie kostenlose Treffpunkte und altersgerechte Stadtplanung.
Das Abstimmungscouvert liegt im Briefkasten. Doch reicht die Zeit für den Weg zurück in die Heimat? In der neuen Folge unseres Podcasts «Ade merci, Schweiz» geht es um das Stimm- und Wahlrecht von Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern und darum, warum viele ihre Stimme gar nicht erst abgeben.
«Ich interessiere mich immer noch sehr für die grossen Grundsatzfragen, welche die künftige Richtung der Schweiz bestimmen», sagt Sandra Buol. Vor neun Jahren ist die Bernerin der Liebe wegen nach Sydney ausgewandert. Für sie steht fest: «Solange ich eine Staatsbürgerschaft habe, gehört das Recht der politischen Teilhabe für mich dazu.»
Seit 1977 haben Schweizerinnen und Schweizer, die ihren Wohnort ins Ausland verlegen, dieses Recht. Doch nicht alle machen davon Gebrauch: Von den Ende letztes Jahr 662’500 im Ausland lebenden volljährigen Schweizer Staatsangehörigen sind 246’000 im Stimm- und Wahlregister eingetragen.
Zu den Tücken, denen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer begegnen, wenn sie abstimmen oder wählen wollen, gehören unter anderem verspätete Abstimmungsunterlagen oder hohe Portokosten. Warum gibt es noch kein flächendeckendes E-Voting, um die politische Partizipation zu erleichtern?
Der Politologe Marc Bühlmann schlägt den Bogen in die Vergangenheit: Zu Beginn der E-Voting-Diskussion vor 20 Jahren habe Euphorie geherrscht, Parlamentarierinnen und Parlamentarier wollten den Prozess mit Motionen und Vorstössen beschleunigen. «Dann begann es mit ersten kritischen Stimmen zu drehen», sagt Bühlmann. Fragen nach der Sicherheit rückten in den Fokus, und wieder gab es Motionen – dieses Mal, um auf die Bremse zu treten.
«Das ist typisch Schweiz», sagt der Politologe und zieht den Vergleich zur Geschichte der Briefwahl. «Es hat 100 Jahre gedauert, bis sie flächendeckend eingesetzt wurde – ebenfalls wegen der Sicherheit.»
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