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Botschaften in Bern: Geballte Sicherheit

Die türkische Botschaft in Bern, bewacht durch die Armee. (Bild: Archiv) Keystone

Die Einen sind wahre Festungen, die Anderen halten sich diskret zurück. Architektonisch sind die "Ambassades à Berne" wahlweise furchteinflössend oder nobel. Im Kirchenfeld-Quartier drängt sich die ganze diplomatische Welt.

Geografische Gegebenheiten werden am unscheinbaren Kalchegg-Weg neu zusammen-gewürfelt. Chinas unmittelbarer Nachbar ist Nigeria. Nigeria ist nur einen Steinwurf von Brasilien entfernt. Brasilien und die Türkei trennt zwar ein meterhoher Zaun, doch freie Sicht zwischen Südamerika und Europa ist gewährleistet.

Allerdings trübt das friedliche Beieinander – Gefahr lauert von aussen. Von Menschen, die Häuser und ihre Hausherren mit Konfliktherden draussen in der echten Welt verwechseln. Menschen, die symbolische oder tatsächliche Brandherde entfachen wollen.

Zielscheiben von Stellvertreter-Kriegen

Da gibt es Botschaften, die chronisch Gefahr laufen, zu Zielscheiben von Stellvertreter-Kriegen zu werden: die USA, die Türkei und Israel. Sie werden geschützt: Massive, hohe Gitterstäbe laufen oben in Spitzen oder Stacheldraht-Wolken aus. Die Fenster sind vergittert. Kameras sind überall gut sichtbar angebracht. Da ist kein Durchkommen.

Den technischen Sicherheits-Vorkehrungen zur Seite stehen Menschen. Menschen mit einem Bewachungs-Auftrag. Von der Stadtpolizei ausgebildete und vom Bund bezahlte Botschaftsschützer stehen seit einem Jahr vor rund 22 der 76 Botschaften in Bern.

Und wie bereits in den Jahren 1993 bis 1999 während des Balkan- Krieges kommt wegen der Gefährdung türkischer Einrichtungen erneut das Festungswacht-Korps der Armee zum Zug. Welche Krisenherde der Erde einen Schutz in Bern erfordern, das bestimmt der Bund. Und das ändert rasch und stetig.

Ruhe und Sicherheit

Die stets wachen elektronischen wie menschlichen Augen machen nicht vor den ganz normalen Kirchenfeld-Bewohnern Halt. Die meisten der auf «Ruhe und Sicherheit» bedachten Quartier-Bewohner stören sich gemäss dem Berner Polizeidirektor Kurt Wasserfallen an der Mitüberwachung ihrer Person wie Häuser überhaupt nicht.

Im Gegenteil. In diesem Quartier könne man Türen und Fenster bedenkenlos offen lassen, sagt der Polizeidirektor, der selbst ein «Kirchenfeld-Ureinwohner» ist. Kein noch so dreister Einbrecher steige unter den Augen von Uniformierten in ein Haus ein.

Allerdings: Ein Blick in die Statistik verrät, dass Wasserfallen mit seinen offenen Türen und Fenstern vielleicht etwas viel verspricht. Von 1997 bis Mitte 2001 sind die Einbruch-Diebstähle im Kirchenfeldquartier zwar kontinuierlich zurückgegangen, dennoch wurde zwischen 330 und 476 Mal pro Jahr in Liegenschaften und 63 bis 170 Mal in Fahrzeuge eingebrochen.

Getränke und Verpflegung

In Winter komme es vor, erzählt ein anderer Quartier-Bewohner, dass sich manche Leute beim Bewachungs-Personal mit heissen Getränken und Verpflegung für das Nebenbei-Bewachen ihrer Häuser bedanken.

swissinfo und Katharina Rederer, sda

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