The Swiss voice in the world since 1935

Der Schweizer Club-Fussball kämpft um internationalen Anschluss

Ein älterer Mann im Anzug auf einem Fussballplatz mit Ball am Fuss
FC-Zürich-Präsident Ancillo Canepa (links) sieht die Schweizer Klubs heute vor einer schwierigen Ausgangslage: Der Weg auf die europäische Bühne führt für sie inzwischen durch die Qualifikation. (Bild: 10.10.2022) Keystone / Urs Flüeler

Erstmals seit 23 Jahren fehlt die Schweiz in Champions und Europa League. Hoffnung ruht auf der Nachwuchsförderung.

Nur noch vier statt bisher fünf Schweizer Klubs dürfen an europäischen Wettbewerben teilnehmen. Zudem müssen sie im Vergleich zu früher höhere Qualifikationshürden überwinden.

FC-Zürich-Präsident Ancillo Canepa denkt an vergangene Champions-League-Abende: «Ich erinnere mich noch an die Zeit, als der Schweizer Meister direkt für die Gruppenphase qualifiziert war. Oder der Cupsieger zumindest für die Europa League. Das ist vorbei. Für uns in der Schweiz ist das eine schwierige Ausgangslage.»

Mehr

Es scheint, als befinde sich die Schweiz in einer Abwärtsspirale. Je weiter sie in der UEFA-Nationenrangliste zurückfällt, desto höher sind die Hürden, sich für europäische Turniere zu qualifizieren und Punkte zu sammeln. Und das bedeutet, dass man bei einer Nichtqualifikation in der Rangliste weiter abrutscht.

Anders sieht es der Chef der Swiss Football League, Claudius Schäfer. Er bezeichnet die Situation zwar als unbefriedigend, spricht aber nicht von einer Abwärtsspirale, sondern von Wellenbewegungen: «Länder, die jetzt vielleicht vor uns sind, waren jahrelang auch hinter uns. Das kann sich relativ schnell wieder ändern.»

Ein jüngerer Mann mit Bart
Swiss-Football-League-Chef Claudius Schäfer hält den Rückstand der Schweizer Klubs für unbefriedigend, aber nicht für dauerhaft. (Bild: 11.11.2022) Keystone / Peter Schneider

Für FCZ-Präsident Canepa ist es aber kein Zufall, dass die Schweiz beispielsweise von Dänemark, Norwegen und Polen überholt wurde. In der Schweiz fehle den Top-Fussballklubs das Geld, insbesondere die Einnahmen durch TV-Gelder seien zu gering.

Konkurrenz hat mehr TV-Geld

Die 22 Schweizer Klubs der beiden höchsten Ligen erhalten insgesamt rund 21 Millionen Franken aus dem Verkauf der TV-Rechte. Zum Vergleich: Die Topligen in Dänemark und Norwegen schütten über 50 Millionen aus, Polen sogar über 70 Millionen.

Mehr

«Damit können die Klubs viel mehr Mittel in die Kaderplanung und in Spieler investieren. Das hat auch Einfluss auf die Spielstärke. Darum wird es für uns immer schwieriger, mitzuhalten», sagt Canepa.

Mehr Geld würde die Swiss Football League gerne ausschütten. Doch vier Landessprachen und fehlender Wettbewerb um die Übertragungsrechte setzten enge Grenzen, sagt Liga-Chef Schäfer. Die Schweizer Liga sieht auch finanzielles Potenzial bei den eigenen Talenten:

«Die Schweiz war immer für ihre gute Talententwicklung bekannt. Andere Ligen sind in die Schweiz gekommen, haben sich das angeschaut und zum Teil kopiert. Deshalb müssen wir nun von Grund auf analysieren: Ist die Schweizer Nachwuchsbewegung aus dem Juniorenspitzenfussball noch dort, wo sie war?»

Liga lässt Nachwuchsarbeit untersuchen

Antworten soll der Liga ein Unternehmen aus Belgien liefern, das bereits in Norwegen und Dänemark tätig war. Es soll die Nachwuchsarbeit in der Schweiz bis Ende Jahr analysieren. Daraus will die Liga gemeinsam mit dem Fussballverband die nötigen Schlüsse ziehen.

Ein Fussball mit Aufschrift "Uefa Champions League"
Zum Greifen nah und doch in weiter Ferne: Erstmals seit 23 Jahren ist kein Schweizer Klub in den zwei wichtigsten europäischen Wettbewerben vertreten – in der Champions League und der Europa League. (Bild: 26.11.2025) Keystone / EPA / Adam Vaughan

Langfristig sollen Schweizer Klubs so wieder mehr Toptalente ausbilden, mit grossen Transfers Geld verdienen und in der Königsklasse des internationalen Fussballs, der Champions League, wieder Erfolge feiern.

Kurzfristig lässt sich der Abwärtstrend jedoch nur aufhalten, wenn Thun und Lugano in der Conference League – dem dritthöchsten europäischen Wettbewerb – möglichst viele Punkte holen. So könnten sie verhindern, dass die Schweiz im UEFA-Ranking noch weiter abrutscht.

Mehr
smoky scene

Mehr

Demografie

Hooligans: Schweizer Behörden wählen die harte Gangart

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht Eine neue Strategie der Schweizer Behörden gegen Gewalt im Fussball sieht teilweise Stadionschliessungen vor. Kann das funktionieren?

Mehr Hooligans: Schweizer Behörden wählen die harte Gangart
Externer Inhalt

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft