Eine neue Analyse beschreibt die Wasserkreisläufe in St. Gallen
Eine neue Übersicht zum Wasserkreislauf der Stadt St.Gallen zeigt auf, wie viel Regen-, Trink- und Abwasser jährlich durch das Siedlungsgebiet fliesst. Vieles laufe gut. Verbesserungspotential ortet die Stadt im Umgang mit Regenwasser.
(Keystone-SDA) Pünktlich zum Tag des Wassers legt die Stadt St. Gallen eine «umfassende Wasserbilanz des Siedlungsgebiets» vor, wie es in einer Mitteilung vom Freitag heisst.
Grundlage für die Analyse sind Daten aus der Trinkwasserversorgung, der Abwasserreinigung, meteorologische Messungen und Abschätzungen.
Das Wasser aus zehn Schwimmbecken in der Kanalisation
«Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung arbeiten auf hohem Niveau, aber insbesondere beim Umgang mit Regenwasser zeigt sich weiterer Handlungsbedarf», hält die Stadt fest. Mit Abstand die grösste Wassermenge stamme aus dem Niederschlag.
«Jährlich fallen 24,6 Millionen Kubikmeter Regen auf die Siedlungsfläche der Stadt St. Gallen. Das entspricht rund 10’000 olympischen Schwimmbecken», heisst es weiter. Ein Teil dieses Wassers verdunste oder versickere. Fast ein Drittel gelange aber in die Kanalisation. Problematisch werde das bei starkem Regen.
Rund 2,2 Millionen Kubikmeter verdünntes Mischabwasser gelange jedes Jahr in die Gewässer, weil Regen- und Abwasser gemeinsam in die Kanalisation fliesse und das System bei grossen Regenmengen entlastet werden müsse. Normalerweise schützten die Kläranlagen mit ihrer hohen Reinigungsleistung die Gewässer effektiv. Bei Starkregen werde das aus der Kanalisation entlastete Abwasser allenfalls grob gereinigt.
«Langfristig soll darum mehr Regenwasser dort zurückgehalten werden, wo es anfällt. Dies kann etwa durch Versickerungsflächen, Grünräume oder getrennte Entwässerungssysteme erreicht werden», schreibt die Stadt weiter. Diese Ansätze seien Teil der sogenannten «Schwammstadt»: Eine solche speichere Regenwasser, lasse es versickern oder verdunsten, anstatt es möglichst schnell in die Kanalisation abzuleiten.
Auch dezentrale Rückhaltebecken würden helfen, die Gewässer vor Entlastungen bei Regenwetter besser zu schützen. «Im ehemaligen Kino Rex wurde ein solches Becken bereits umgesetzt, weitere sind auf dem Marktplatz und im Kantonsschulpark geplant.»
Kläranlagen reinigen zu viel sauberes Wasser
Ein weiteres Problem: Laut Analyse gelangt zu viel sauberes Wasser in der Kanalisation, über undichte Leitungen oder Drainagen nämlich rund 1,7 Millionen Kubikmeter jedes Jahr. Dieses Wasser werde in den Kläranlagen unnötig mitgereinigt.
Die Analyse zeige gleichzeitig, dass zentrale Teile des Systems sehr effizient funktionieren. Jährlich würden 6,4 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Bodensee zu Trinkwasser aufbereitet und über das städtische Leitungsnetz verteilt. «Weniger als zwei Prozent gehen dabei verloren, was im schweizweiten Vergleich eine Spitzenposition darstellt.»
Um den Umgang mit Regenwasser zu verbessern, hat das Stadtparlament 2022 die Schaffung eines Schwammstadt-Fonds beschlossen. Damit unterstützt die Stadt St. Gallen Private bei Projekten, die Regenwasser zurückhalten, versickern lassen oder vor Ort nutzen.