Marcus Pfister: «Der Regenbogenfisch hat mir Türen geöffnet»
Wie ist es, wenn das eigene Kinderbuch verfilmt wird? Ein Gespräch mit dem Berner Marcus Pfister am Filmset, der die Augsburger Puppenkiste aus seiner Jugend kennt.
(Keystone-SDA) Marcus Pfister, haben Sie heute schon etwas geteilt? Teilen ist ja das grosse Thema im Regenbogenfisch.
Marcus Pfister: Ja, das ist so eine Sache mit dem Teilen. Teilen ist wichtig, und natürlich ist das ein tolles Schlagwort. Für mich ging es in der Geschichte allerdings hauptsächlich um anderes: Dass Äusserlichkeiten nicht so wichtig sein sollten, Freundschaften aber schon.
Funktioniert deshalb die Geschichte um den Fisch mit den glänzenden Schuppen heute noch so gut?
Genau. Der Regenbogenfisch fand sich ja anfangs super und wollte keine seiner glänzenden Schuppen abgeben. Dann teilte er sie mit den anderen Fischen. Er hätte die Schuppen aber auch einfach wegschmeissen können, denn darum geht es ja: Die Veränderung, die der Regenbogenfisch durchmachen muss, nämlich; erkennen, dass innere Werte genauso wichtig sind wie äussere. Übrigens wird er auch nicht erpresst, seine Schuppen abzugeben, wie man mir auch schon vorgeworfen hat.
Verfilmt wird nun nicht nur dieser erste Band der Geschichte, sondern werden auch Teile der Fortsetzungen. Durften Sie beim Drehbuch mitreden?
Ich habe das fertige Drehbuch erhalten und konnte Änderungswünsche anbringen. Mit dem Regisseur Florian Moch pflegte ich überdies einen regen Austausch, vor allem wegen der Figuren. Ein kleines 3-D-Modell aus Knetmasse, welches ich für meine Illustrationen angefertigt hatte, diente unter anderem als Vorlage für die Holzpuppe. Darüber hinaus galt es, all die Detailfragen um die Beweglichkeit der Puppe zu klären.
Also sind Sie glücklich mit der Verfilmung?
Ich habe den Film noch nicht gesehen, er ist ja noch nicht fertig gedreht. Aber ja, ich bin zufrieden. Und es ist ja so, dass man manchmal auch loslassen muss. Im Sinne von: Ich muss mir vergegenwärtigen, dass das Profis sind, die meine Geschichte verfilmen. Sie werden die richtigen Entscheidungen treffen.
Apropos loslassen: Haben Sie nicht manchmal Lust, einen Schlussstrich unter den Regenbogenfisch zu ziehen? Er ist 30 Millionen mal verkauft worden, irgendwann ist ja auch mal gut?
Ich habe mit dem Regenbogenfisch ja nur zu tun, wenn ich eine neue Geschichte über ihn herausgebe, und das ist ungefähr alle fünf Jahre der Fall. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag mit ihm in Berührung komme. Ich bin dankbar, wie viele Türen er mir geöffnet hat, wie viele Reisen ich wegen ihm machen durfte, zum Beispiel. Und ich finde es cool, wenn er andere inspiriert, selber kreativ zu werden und Neues zu schaffen, etwa in Schulen.
Auch Michelle Obama hat ihn einst vorgelesen.
Da war ich allerdings nicht dabei. Dass er aber nach so langer Zeit in den USA immer noch Erfolg hat, freute mich ungemein.
Warum ist der Regenbogenfisch noch heute aktuell?
Ich glaube, es hat viel mit der Einfachheit der Geschichte zu tun. Sie ist weder an eine Zeit noch wirklich an einen Ort gebunden. Ausserdem sind es zeitlose Themen, die in den Regenbogenfisch-Büchern eine Rolle spielen: Arroganz, Streit, Freundschaft, Eifersucht und viele andere.
Fast Ihre ganze Familie ist mitgekommen zu diesem Setbesuch in Augsburg. Mit wem werden Sie sich im November den Film anschauen?
Marcus Pfister: Mit meinen Enkeln. Es wird für sie der erste Kinofilm sein.*
*Dieses Interview von Nina Kobelt, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.