Migros sucht für 24 Tegut-Märkte weitere Käufer
Die Migros muss beim Verkauf der deutschen Supermarktkette Tegut für 24 weitere Filialen neue Käufer finden. Das deutsche Bundeskartellamt hat Edeka der Übernahme dieser Filialen eine Absage erteilt.
(Keystone-SDA) Das deutsche Bundeskartellamt hat Edeka zwar die Übernahme von 178 Tegut-Supermärkten erlaubt. Wegen Wettbewerbsbedenken darf der deutsche Detailhandelsriese aber 24 ursprünglich ebenfalls vorgesehene Standorte während vier Jahren nicht übernehmen.
Damit fällt das Edeka-Paket kleiner aus als zunächst geplant. Ursprünglich wollte Edeka 202 der rund 300 Tegut-Supermärkte von der Migros Zürich übernehmen. Mit dem Verzicht auf die 24 Märkte seien die wettbewerblichen Bedenken ausgeräumt worden, teilte das Bundeskartellamt am Montag mit.
Zum genehmigten Edeka-Paket gehören neben den 178 Supermärkten auch 41 automatisierte Teo-Standorte, die Herzberger Bäckerei und ein Logistikzentrum. Für die 24 verbleibenden Märkte werde man nun weitere Käufer suchen, sagte eine Sprecherin der Genossenschaft Migros Zürich gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.
Die Migros begrüsst den Behörden-Entscheid dennoch und sieht den Rückzug aus dem deutschen Lebensmittelhandel auf Kurs. Die Veräusserung von Tegut verlaufe «planmässig», hiess es in einer Stellungnahme.
Zentrale geht im Frühling 2027 zu
Die Schliessung der Tegut-Zentrale in Fulda ist auf Ende März 2027 geplant. Sämtliche Unternehmensbereiche, die nicht an einen Erwerber übergehen, würden dann im Rahmen von Interessenausgleichen und Sozialplänen abgewickelt, hiess es.
Für den grössten Teil der Tegut-Standorte herrsche nun Klarheit. «Sie bietet dem überwiegenden Teil der Mitarbeitenden konkrete Zukunftsaussichten und sichert die Versorgung in den Regionen», sagt Patrik Pörtig, Geschäftsleiter der Migros Zürich.
Die Wettbewerbshüter hatten die Transaktion seit März intensiv geprüft. Ohne Zugeständnisse hätte die Übernahme laut Kartellamt in insgesamt 34 regionalen Märkten in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg den Wettbewerb erheblich beeinträchtigt. In neun davon wäre zudem eine marktbeherrschende Stellung von Edeka entstanden oder verstärkt worden.
In Deutschland ist die Konzentration im Detailhandel hoch: Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi vereinten 2025 mehr als 90 Prozent der Umsätze auf sich. Edeka war mit rund 30 Prozent grösster Anbieter.
Abschreiber von hunderten Millionen
Tegut gehört seit 2013 zur Migros Zürich und ist schon länger ein Sorgenkind des Detailhändlers. Tegut betreibt rund 340 Filialen inklusive rund 40 Teo-Minimärkten. Rund 7400 Mitarbeitende sind für die Kette tätig. Die Migros Zürich hatte Mitte März den Rückzug aus dem deutschen Markt nach 14 Jahren und einem Verlust von maximal 600 Millionen Euro angekündigt.
Für weitere Teile von Tegut zeichnen sich ebenfalls Lösungen ab. Tante Enso erhielt bereits im Juni die Freigabe für 36 Standorte. Zudem will Rewe weitere Märkte übernehmen. Der Entscheid dazu steht noch aus. Die Prüffrist läuft bis zum 29. Oktober.