Richemont steigt angeblich in Bieterrennen um Diamantenkonzern ein
Richemont hat offenbar Interesse an De Beers, einem der weltweit führenden Diamantenproduzenten. Der Genfer Luxusgüterkonzern führt laut einem Medienbericht mit dem Schmuckhändler Signet Gespräche über den Beitritt zu einem Konsortium, das De Beers übernehmen möchte.
(Keystone-SDA) Das Konsortium befinde sich in einer «sehr guten Position» in den Verhandlungen um die Übernahme, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag. Sie stützte sich dabei auf mehrere mit dem Verkaufsprozedere vertraute Personen. Richemont äusserte sich vorerst nicht zu den Spekulationen.
Beim Global Diamond Consortium (GDC) handelt es sich um ein Konsortium unter Führung des früheren De-Beers-Chefs Gareth Penny. Es sei im Juli von De-Beers-Eigentümerin Anglo American als bevorzugter Bieter ausgewählt worden. Dem Konsortium gehören Namibia, Angola und weitere grosse Diamantenproduzenten an.
Der britische Bergbaukonzern Anglo American hält 85 Prozent an De Beers. Die übrigen 15 Prozent gehören Botswana, das seinen Anteil laut Bericht auf 25 Prozent erhöhen möchte und dazu ebenfalls Gespräche führe.
De Beers in der Krise
Der Verkauf erfolgt in einer Zeit, in der sich die Diamantennachfrage von einer schweren Branchenkrise erholt. Belastend bleibt das wachsende Angebot synthetischer Diamanten.
Die 1888 gegründete De Beers mit Sitz in London zählt zu den weltweit führenden Diamantenkonzernen. Sie betreibt Minen unter anderem in Botswana, Namibia, Südafrika und Kanada. Ihr Weltmarktanteil wird auf rund ein Drittel geschätzt.
2025 erzielte De Beers einen Umsatz von 3,49 Milliarden Dollar, erlitt aber vor allem wegen Wertberichtigungen einen Betriebsverlust von 787 Millionen. 2022 hatte der Konzern noch 6,62 Milliarden umgesetzt und knapp 1 Milliarde Betriebsgewinn erzielt.
Analyst: Strategische Überlegungen im Vordergrund
Bei Richemont dürften strategische Überlegungen im Vordergrund stehen, glaubt Vontobel-Luxusgüterexperte Jean-Philippe Bertschy. «Richemont könnte die Versorgung seiner Schmuckhäuser mit natürlichen Diamanten langfristig absichern und gleichzeitig mehr Einfluss auf deren Herkunft und Rückverfolgbarkeit gewinnen», erklärte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.
Das finanzielle Risiko sei wohl begrenzt und beherrschbar, so Bertschy. Er verwies dabei auf die möglichen weiteren Partner sowie die drei afrikanischen Regierungen im Konsortium. «Damit würden sich die Finanzierung und die Risiken auf mehrere Schultern verteilen.»
Das Engagement von Richemont dürfte gemessen an dessen Finanzkraft begrenzt bleiben. Mit einer Nettoliquidität von zuletzt knapp 9 Milliarden Euro verfüge Richemont über erheblichen finanziellen Spielraum, sagte er.