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Salzgitter senkt aus Angst vor Rohstoffpreisen Prognose – Verlust (AF)

SALZGITTER (awp international) – Nach einem neuerlichen Quartalsverlust hat der zweitgrösste deutsche Stahlhersteller Salzgitter aus Angst vor weiter steigenden Rohstoffpreisen seine Prognose gesenkt. Der Vorstand hält nun nur noch ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis in diesem Jahr für möglich, wie der Dax-Konzern am Mittwoch mitteilte. Ein verlässlicher Ausblick sei aber derzeit ohnehin nicht möglich. Ende März hatte das Unternehmen noch einen Vorsteuergewinn im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich in Aussicht gestellt. Die Aktie verlor am Vormittag rund 0,2 Prozent an Wert, während der Dax um rund 1,4 Prozent zulegte.
Die grossen Bergbaukonzerne hatten Anfang April Preiserhöhungen von 90 Prozent bei Eisenerz und 70 Prozent bei Kokskohle erreicht. Zugleich setzten sie ein Ende des jahrzehntelang praktizierten Systems langfristiger Verträge durch. Preise für Eisenerz und Kokskohle werden nun nur noch quartalsweise und nicht mehr für ein ganzes Jahr festgeschrieben. Das führt aus Sicht der Stahlunternehmen zu mehr Unsicherheiten.
VERLUSTGESCHÄFTE DROHEN
Salzgitter hatte als vergleichsweise kleiner Stahlproduzent keine eigene Verhandlungsmacht und musste das Ergebnis akzeptieren. Nun versucht das Unternehmen, die kurzfristigen Verträge auch bei seinen Kunden durchzusetzen. Diese Verhandlungen dürften einige Zeit dauern und sich erst im dritten Quartal positiv auswirken, erklärte das Unternehmen.
Bis Salzgitter Erfolge bei seinen Kunden vermelden kann, drohen Verlustgeschäfte, weil die Rohstoffpreise die eigenen Erlöse übertreffen. Das gilt etwa bei der Lieferung der Röhren für den zweiten Strang der Ostseepipeline. Salzgitter hatte sich zusammen mit seinem Joint-Venture-Partner, der Dillinger Hütte, einen Grossteil des Prestige-Auftrags gesichert, musste aber im Vergleich zum ersten Strang der Gasleitung deutliche Preisabschläge hinnehmen. Im ersten Quartal verbuchte Salzgitter für die drohenden Verluste aus diesem Auftrag bereits im Vorsteuer-Ergebnis 27,7 Millionen Euro Rückstellungen.
SECHSTER QUARTALSVERLUST IN FOLGE
Im Zeitraum von Januar bis März musste der Konzern den sechsten Quartalsverlust in Folge hinnehmen. Allerdings haben sich die Ergebnisse von den verheerenden Fehlbeträgen im Krisenjahr 2009 wieder deutlich verbessert. Vor Steuern verbuchte der Vorstand noch einen Fehlbetrag von 17,1 Millionen Euro, nach 98,3 Millionen vor einem Jahr. Darin eingerechnet ist ein weiterer Restrukturierungsaufwand von knapp 20 Millionen Euro, ohne diesen hätte das Unternehmen schwarze Zahlen geschrieben. Analysten hatten allerdings bereits mit einem leicht positiven Ergebnis gerechnet. Unter dem Strich stand ein Verlust von 13,3 Millionen Euro, nach einem Fehlbetrag von 74,1 Millionen Euro im ersten Quartal 2009. Der Umsatz ging um fast 270 Millionen Euro auf 1,9 Milliarden Euro zurück.
Neben den Rohstoffkosten bekam Salzgitter auch den langen Winter zu spüren, unter dem die Nachfrage aus dem Bausektor litt. Von den fünf Unternehmenssegmenten schrieben die Bereiche Handel, Röhren und Dienstleistungen leichte Vorsteuergewinne. Die Technologiesparte, zu der auch der verlustreiche Verpackungs- und Abfüllanlagenhersteller Klöckner-Werke gehört, verbuchte hingegen ebenso wie der Stahlbereich rote Zahlen. Mit liquiden Mitteln von rund 1,5 Milliarden Euro gilt Salzgitter trotz der Verlustserie aber weiter als eines der am besten finanzierten Stahlunternehmen.
nl/hosvdp/tw

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