Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel wird 75 Jahre alt
(Keystone-SDA) Bern – Für sein kleines literarisches Werk von knapp zehn – meist schmalen – Bänden wurde er mit fast 20 Preisen bedacht. Bundesrat Willy Ritschard, für den er sieben Jahre lang Reden schrieb, bezeichnete ihn als seinen «Lehrmeister». Heute feiert Peter Bichsel seinen 75. Geburtstag.
Er dürfte der einzige Schweizer Schriftsteller sein, von dem jeder Deutschschweizer schon einmal etwas gelesen hat – seien es die Kurzgeschichten aus Bänden wie «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen», die zum Teil Schulstoff sind, oder seine mehreren hundert Kolumnen.
Als Kind hatte der am 24. März 1935 in Luzern geborene und in Olten aufgewachsene Sohn eines Malermeisters Förster werden wollen. Auch Abenteurer und Clochard waren Optionen. Schriftsteller war nie sein Berufswunsch, sagt er, denn er glaubte schon immer, er sei einer.
Peter Bichsel schrieb als Bub Gedichte und gewann mit zwölf einen Schreibwettbewerb der Zeitschrift «Annabelle». Während der Ausbildung zum Primarschullehrer – den Beruf übte er von 1956 bis 68 aus – veröffentlichte er Gedichte in «Spirale – Zeitschrift für Konkrete Kunst und Gestaltung».
Wenn er heute sein bekanntes Werk «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennen lernen» lese, empfinde er «Hochachtung vor diesem jungen Mann, der das geschrieben hat. Was der konnte, kann ich nicht», sagte Bichsel kürzlich der «SonntagsZeitung».
1969 erschien mit «Kindergeschichten» Bichsels einziges weiteres Buch, das den Erfolg der «Milchmann»-Sammlung wiederholen konnte. Die Geschichten kennt heute fast jedes Kind: die vom Mann, der erfahren will, ob die Erde rund ist, indem er immer geradeaus geht oder die von dem, der Dinge so lange umbenennt, bis ihn keiner mehr versteht.
In der Folge veröffentlichte er vor allem Essay- und Vortragssammlungen – nicht zuletzt, weil er von 1974 bis 81 stark als Berater und Redenschreiber von Bundesrat Ritschard absorbiert war.
Peter Bichsel war Gastdozent an deutschen und US-Bildungsinstitutionen und machte Lesereisen durch Europa, Ägypten, Australien und Neuseeland. In die Schweiz zurückgekommen ist er immer wieder, weil «Heimat ist, wo ich meinen Ärger habe».
Sein Lebens- und Schreibbiotop bleibt Solothurn, vor allem die dortigen Beizen mit ihren Faktoten, Angebern und anderen Leuten, «die Chabis erzählen».