St. Galler Pilotprojekt gegen Pädokriminalität löst 21 Anzeigen aus
Die St. Galler Kantonspolizei hat im letzten Jahr einen ihrer Schwerpunkte auf die Pädokriminalität gelegt. An der Medienorientierung über die Kriminalstatistik wurde vor den Folgen der Sparpolitik gewarnt: Die Aufklärungsquote könnte sinken.
(Keystone-SDA) Die am Montag präsentierten Zahlen der St. Galler Kriminalstatistik zeigen wie immer ein Auf und Ab verschiedener Deliktarten: Insgesamt stieg die Zahl der Straftaten um sechs Prozent auf 32’824 Fälle an.
Die Auswertung zeigt ein differenziertes Bild: Leicht abgenommen haben 2025 die Tötungsdelikte – von vier auf drei -, die schweren Körperverletzungen und Vergewaltigungen. Es sei «kein Jahr der Schwerkriminalität» gewesen, fasste Stefan Kühne, Leiter der Kriminalpolizei, am Montag vor den Medien zusammen.
Zugenommen haben hingegen Einbruchs- und Einschleichdiebstähle sowie Betäubungsmitteldelikte im urbanen Raum, vor allem wegen Kokain. Der Markt für Heroin sei ausgetrocknet, erklärt Kühne. Die Abhängigen suchten nach Alternativen. Beim Kokain sei der Preis tief und die Qualität sehr hoch.
«Fälleler» stehlen aus Wohnungen
Ein weiterer Grund für die Zunahme ist eine Verlagerung: Die Täter, die etwa von der Thurgauer Kantonspolizei als «Fälleler» bezeichnet werden, weil sie sich darauf spezialisiert haben, Wertgegenstände aus unverschlossenen Autos zu entwenden, hätten ihr Tätigkeitsfeld auf Diebstähle in Wohnungen ausgedehnt.
In der Jahresstatistik könne man ablesen, wenn ein Thema durch die Decke gehe, hiess es an der Medienorientierung. Um relevante Entwicklungen aufzeigen zu können, brauche es aber einen Vergleich über fünf oder zehn Jahre. So seien bei den Einbrüchen in den letzten Jahren diverse Schwankungen verzeichnet worden. «Plus/minus» lägen die Zahlen aber gleich hoch wie vor zehn Jahren.
Ein wichtiger Gradmesser für die Arbeit der Polizei ist die Aufklärungsquote. Sie sei mit insgesamt 46 Prozent «nach wie vor sehr hoch», sagte Kühne. Alle drei vollendeten Tötungsdelikte wurden aufgeklärt. Mit einer Ausnahme konnten auch die Beschuldigten der 19 versuchten Tötungsdelikte ermittelt werden. Bei den 43 Fällen von schwerer Körperverletzung lag die Quote bei 91 Prozent.
Sparpolitik könnte sich auswirken
Ein Thema an der Präsentation waren die Sparmassnahmen, die vom Kantonsrat beschlossen wurden. Unter anderem muss die Polizei ihren Aufwand auf 2027 um 1 Million Franken reduzieren. Wenn an allen Ecken und Enden gespart werde, die Erwartungshaltung aber gleich bleibe oder weitere Aufträge dazukämen, gehe die Rechnung nicht mehr auf, sagte Kühne. Er wage die Prognose, dass die Aufklärungsquote sinken werde.
Im letzten Jahr hat die Polizei in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft ein Pilotprojekt zum Thema Pädokriminalität durchgeführt. Kinder sind «die verletzlichsten Opfer», sagte Stefan Helfenberger, Leiter Ermittlungsunterstützung. Für viele Kinder und Jugendliche sei die digitale Kommunikation über WhatsApp, Snapchat, Tiktok oder über herkömmliche Chat-Foren zentral geworden.
«Erschreckendes» Verhalten
Dort setzte das Projekt an. Polizistinnen und Polizisten loggten sich mit einem Nickname in Chat-Foren ein und gaben sich als minderjährige Jugendliche aus. Innerhalb von Sekunden seien sie jeweils von mehreren Dutzend Personen angeschrieben worden. Helfenberger bezeichnete das Verhalten in den Foren als «erschreckend».
Sehr rasch sei nach einigen Einstiegsfragen zu sexuellen Themen gewechselt worden. Bald wurden auch Bilder mit sexuellen Inhalten versandt. Nach etwa zehn Tagen ging es in einigen Fällen bereits um konkrete Treffen.
Die Ermittlungen führten zu 21 Strafverfahren. Es kam zu 13 Hausdurchsuchungen und zu 10 Festnahmen. «Das Versenden eines Penisbilds an eine minderjährige Person ist eine Straftat», so Helfenberger. Alle beschuldigten Personen sind Männer. Sieben der Fälle betrafen Personen in anderen Kantonen und wurden an die dortige Polizei weitergegeben. Noch sind nicht alle Verfahren abgeschlossen.
Der Aufwand für das Projekt sei erheblich gewesen, die Chat-Unterhaltungen hätten sich über Wochen hingezogen. Nicht immer ergab sich daraus ein Strafverfahren. Mit einigen der Männer, bei denen man festgestellt habe, dass sie «problematisch unterwegs sind», sei das Gespräch gesucht worden.