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Trauernde legen Blumen nieder

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland 

Auch am zweiten Tag des neuen Jahres herrschen in der Schweiz Fassungslosigkeit und Trauer. Persönlich verbinde ich Crans-Montana mit idyllischen Skiferien als Mädchen – wie Sie vielleicht auch. Nun ist der Walliser Skiort zum Schauplatz eines der schwersten Unglücke in der Geschichte des Landes geworden.  

In Gedanken sind wir bei allen Betroffenen. 

Die Redaktion von Swissinfo 

Die Bar «Le Constellation» steht in Flammen.
Die Bar «Le Constellation» steht in Flammen. Screenshot/Social Media/X@Tyroneking36852

In der Silvesternacht kamen in Wallis bei einem verheerenden Brand vierzig Menschen ums Leben. Gegen 01:30 Uhr wurde aus der Bar «Le Constellation» im Zentrum von Crans-Montana Rauch gemeldet. Das Lokal, dass bei Jungen beliebt ist, stand kurz darauf in Flammen. 

Im Internet kursierende Videos zeigen, wie das Feuer an der Decke ausbricht. Ein Faktencheck von SRF bestätigt, dass die Aufnahmen aus der Bar stammen. Zu sehen ist, wie Besucher in Panik zu fliehen versuchen. «Alle schubsten sich. Neben mir brannten Menschen oder waren bereits tot», schilderte eine Augenzeugin gegenüber SRF.  

40 Menschen kamen beim Inferno ums Leben, 119 wurden verletzt. Bundespräsident Guy Parmelin sprach von einer der «schlimmsten Katastrophen des Landes». 

Viele Opfer weisen Verbrennungen von über 60 Prozent der Körperoberfläche auf und mussten ins Koma versetzt werden. Bereits Verletzungen von zehn Prozent gelten als schwerwiegend. Bei den Opfern handelt sich oft um junge Patient:innen. «Im Durchschnitt sind sie zwischen 16 und 26 Jahre alt», sagte die Direktorin des Universitätsspitals LausanneExterner Link gegenüber der Tageszeitung 24 Heures

Die Identifizierung ist schwierig. «Wir haben viele Angehörige, die ihre Liebsten suchen. Viele Eltern, die ihre Kinder vermissen – und die auch aus einer anderen Sprachregion und von weit her anreisen müssen», sagt Marcel Schlatter des Universitätsspitals Zürich gegenüber SRF. 

Unter den Verletzten sind 71 Schweizer. 14 Personen stammen aus Frankreich, 11 aus Italien sowie einige vereinzelte Personen aus diversen Ländern wie Serbien, Belgien und Portugal. Ein mit Namen bekanntes Opfer ist der 16-jährige italienische Golfer Emanuele Galeppini. 

Am Freitag sicherten Forensiker weitere Spuren. Vor dem Unglücksort wurden Blumen und Teddybären niedergelegt, Medien aus aller Welt berichten aus Crans. 

Bundespräsident Guy Parmelin besuchte am Donnerstag den Ort der Tragödie.
Bundespräsident Guy Parmelin besuchte am Donnerstag den Ort der Tragödie. Keystone / Alessandro Della Valle

Die Ermittlungen zum Inferno stehen am Anfang und es würden weiterhin mehrere Hypothesen geprüft, so die Behörden, wobei sich eine speziell abzeichnet: «Wir gehen davon aus, dass das Feuer von Wunderkerzen ausging, die an Champagnerflaschen montiert waren. Durch sie ist die Decke in Brand geraten.» 

Auch Fluchtwege, Feuerlöscher, Akustikabdeckung aus Schaumstoff, Anzahl der Personen vor Ort und maximal zulässige Zahl der Gäste sowie Zugangswege – all das werde derzeit untersucht. Zu Fragen rund um die Konformität ist es laut Behörden jedoch noch zu früh für eine abschliessende Beurteilung. 

Sicher ist, das Feuer breitete sich rasant aus. Die Behörden gehen davon aus, dass es zu einem Flashover kam – dem plötzlichen Übergang von einem Entstehungsbrand zu einem Vollbrand –, der eine oder mehrere Explosionen ausgelöst hat. Dabei entzünden sich sämtliche brennbaren Oberflächen eines Raums schlagartig.  

Markus Grenacher, Präsident der Feuerwehrinspektorenkonferenz, erklärte gegenüber SRF, ein solcher Feuersprung entstehe aus den Rauchgasen eines zunächst kleinen Brandes. Wird etwa durch eine Kerze oder ein Rechaud Feuer ausgelöst, sammeln sich die Gase unter der Decke. Können sie nicht entweichen und kommen genügend Sauerstoff sowie steigende Temperaturen hinzu, entzündet sich die gesamte Rauchschicht auf einmal. «Befindet man sich dann im Raum, wird es tödlich», sagt Grenacher. Der Raum werde innert Sekunden zu einem Feuerball, in dem «einfach alles brennt».  

Der stellvertretende Ministerpräsident Italiens und Aussenminister Antonio Tajani (rechts) legen Blumen nieder, um den Opfern zu gedenken.
Der stellvertretende Ministerpräsident Italiens und Aussenminister Antonio Tajani (rechts) legen Blumen nieder, um den Opfern zu gedenken. Keystone / Jean-Christophe Bott

Am Tag nach der Tragödie widmet die internationale Presse dem verheerenden Brand breite Berichterstattung. In Frankreich, Italien wie auch in den USA betonen Tageszeitungen aus Europa und der ganzen Welt den «Horror», während die Ursache des Feuers im Zentrum der Fragen steht. 

Der internationale Charakter der Tragödie, bei der zahlreiche ausländische Staatsangehörige zu den Opfern zählen, sowie der Kontrast zwischen der festlichen Stimmung von Neujahr und dem Ausmass des Dramas sind laut der RTS in ihrer Presseschau vom Freitag Faktoren, die das weltweite Echo erklären. 

Begriffe wie «Albtraum», «beispiellose Tragödie» und «Neujahrs-Horror» prägen die Schlagzeilen der Zeitungen, wie die Walliser Tageszeitung Le Nouvelliste in einer Presseschau schreibt. Der Brand füllte zudem die Spalten der New York Times sowie der japanischen Zeitung Yomiuri Shimbun, berichtet das Newsportal Watson und betont die «Empörung und das Mitgefühl», die das Inferno ausgelöst habe. 

Die Zahl der Minderjährigen, die sich zum Zeitpunkt des Brandes in der Bar aufhielten, sowie die Frage, ob die Bar die Sicherheitsvorschriften eingehalten hat, gehören zu den zentralen Themen. So fragt sich etwa das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel, wie so viele Menschen von den Flammen eingeschlossen werden konnten. 

Ein Foto, das vom französischen Nachrichtensender BFMTV verbreitet wurde und den Beginn des Feuers zu zeigen scheint, wurde breit geteilt. Darauf sind Personen zu sehen, die Flaschen mit daran befestigten Wunderkerzen in die Höhe halten und damit eine Schalldämmplatte an der Decke in Brand setzen. Videos, die zeigen, wie schnell sich das Feuer danach ausbreitete, machten ebenfalls die Runde in den sozialen Netzwerken.

Ein Hubschrauber startet am Freitag, dem 2. Januar 2026, vom Hotel du Valais Krankenhaus in Sion
Ein Hubschrauber startet am Freitag, dem 2. Januar 2026, vom Hotel du Valais Krankenhaus in Sion. Copyright 2026 The Associated Press. All Rights Reserved.

Die hohe Zahl an Verletzten setzte das gesamte Schweizer Spitalsystem stark unter Druck. Mehrere Personen wurden in Spitäler im Ausland verlegt.

In der Schweiz gibt es zwei Spitäler mit spezialisierten Zentren für Schwerbrandverletzte: das Universitätsspital Lausanne (CHUV) und das Universitätsspital Zürich (USZ). Am Donnerstag gab die Rega bekannt, dass sie 37 Patientinnen und Patienten zwischen diesen beiden Zentren verlegt habe, wie die Zeitung 24 Heures berichtet. Das CHUV betreut 22 Schwerbrandverletzte, bei denen die Lebensprognose weiterhin kritisch ist, sagte die Direktorin des Spitals am Freitag gegenüber der RTS.

An vorderster Front nahm das Spital Sitten laut seinem Direktor zunächst 55 Schwerverletzte auf. Am Freitag befanden sich dort noch 11 Patientinnen und Patienten, darunter vier auf der Intensivstation. 13 Personen konnten inzwischen nach Hause zurückkehren. Auch die Spitäler von Siders und Visp (VS), Rennaz (VD), Genf, Bern und St. Gallen behandelten Verletzte. Der Präsident der Walliser Kantonsregierung rief die Bevölkerung zur Vorsicht auf, um die Notfallstationen nicht zusätzlich zu «überlasten», zumal die Spitäler des Kantons bereits durch zahlreiche Skiunfälle stark beansprucht seien.

Angesichts der Lage boten mehrere ausländische Staaten ihre Hilfe an. Polen erklärte sich bereit, 14 Verletzte aufzunehmen, während Frankreich – das bereits drei Personen in Paris und Lyon behandelt – die Bereitstellung von 19 Betten ankündigte, darunter vier für Kinder. Der italienische Aussenminister, dessen Land bereits vier Verletzte aufgenommen hat, würdigte heute vor Ort in Crans-Montana die «sehr positive» Zusammenarbeit mit der Schweiz. Weitere Patientinnen und Patienten werden zudem in Deutschland und Belgien behandelt. Am Freitagnachmittag sprach die Walliser Regierung von rund fünfzig Patientinnen und Patienten, die in spezialisierte europäische Zentren verlegt wurden oder kurz davor stehen.

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