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ThyssenKrupp wegen Umweltbelastungen im Visier von Brasiliens Justiz (AF)

ESSEN (awp international) – Der Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp hat wegen seines brasilianischen Stahlwerks neue Probleme. Die oberste Strafverfolgungsbehörde des Bundesstaates Rio de Janeiro habe gegen führende Manager der Konzerntochter CSA Anklage erhoben, schreibt die «Financial Times Deutschland» (Freitag) unter Berufung auf eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Sie sollen gegen Umweltgesetze verstossen haben.
Das im Juni eröffnete Stahlwerk habe die Luft in einem Ausmass verschmutzt, «das die menschliche Gesundheit bedroht», heisst es in der Mitteilung. ThyssenKrupp wies die Vorwürfe zurück: «Zu keinem Zeitpunkt war die Gesundheit von Mitarbeitern und Anwohnern gefährdet», zitierte das Blatt den Konzern. Über Strafverfahren in diesem Zusammenhang ist ThyssenKrupp nach eigenen Angaben bisher nicht offiziell unterrichtet worden. «Wir kennen bisher nur die Presseinformation und -berichte», heisst es in einer Stellungsnahme.
Laut Zeitung könnte dem Essener Konzern ein teurer Rechtsstreit drohen. Im Fall einer Verurteilung können Sanktionen wie Bussgelder, die zeitweise oder völlige Stilllegung des Werkes oder die Streichung von Steuersubventionen verhängt werden. Den beiden beschuldigten Geschäftsführern drohten Haftstrafen von 19 Jahren und mehr. Der Anklage gingen monatelange Ermittlungen regionaler Behörden voraus. Das zuständige Gericht in Santa Cruz muss nun darüber entscheiden, ob es die Anklage zulässt und es zu einem Gerichtsprozess kommt.
Im Einzelnen begründeten die Strafverfolger ihre Anklage mit vier mutmasslichen Gesetzesverstössen, heisst es. Dazu zählten das Betreiben von Anlagen ohne behördliche Genehmigung. Zudem sollen während des Genehmigungsverfahrens irreführender Studien vorgelegt worden sein. Die Behörden stützten ihre Anklage unter anderem auf eine Studie der Universität Rio, wonach die mittlere Eisenkonzentration im Einflussbereich des neuen Werkes um 600 Prozent erhöht ist.
Der Konzern verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass es bei der Inbetriebnahme von neuen Hochöfen weltweit üblich sei, dass in der ersten Phase das Roheisen in Abkühlungsbecken abgegossen wird und erkaltet. Dabei komme es zu Staubemissionen. Dies habe ThyssenKrupp den brasilianischen Genehmigungsbehörden «im Vorfeld» mitgeteilt. Seit der Inbetriebnahme des neuen Stahlwerkes seien «alle Emissionen innerhalb der von den brasilianischen Umweltbehörden vorgegebenen Grenzen» geblieben. Der Konzern stehe dazu in engem Kontakt mit den Umweltbehörden.
Das Stahlwerk in Brasilien ist mit einem Investitionsvolumen von 5,2 Milliarden Euro das bisher grösste Projekt von ThyssenKrupp. Die Kosten waren in der Bauphase deutlich angestiegen. Das Werk soll fünf Millionen Tonnen Stahl jährlich produzieren, der grösstenteils in einem weiteren neuen Werk im US-Bundesstaat Alabama weiterverarbeitet werden soll. Diese Anlage soll am Freitag offiziell eröffnet werden./enl/fn/ep

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