Heute in der Schweiz
Sehr geehrte Damen und Herren
In den USA werden noch die letzten Stimmen der Midterm-Wahlen ausgezählt. Wie es scheint, haben die radikalen Elemente in der republikanischen Partei – die die Wahl von US-Präsident Joe Biden bis heute anzweifeln– eine Schlappe eingefahren. Das ist eine gute Nachricht für die amerikanische Demokratie.
Freundliche Grüsse aus Bern
Katar und der Einfluss der Gewerkschaften.
Morgen haben wir eine grosse Geschichte über Katar – und darüber, wie der Golfstaat von Genf aus weltweite Marketing-Kampagnen betrieb, um seinen Ruf zu verbessern. Heute möchte ich jedoch einen positiven Aspekt dieser Fussball-Weltmeisterschaft herausgreifen: die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im Golfstaat.
Wie in den meisten autokratischen Regime sind die Arbeitsbedingungen bisweilen katastrophal. Aufgrund der weltweiten Aufmerksamkeit, die Katar bei den WM-Vorbereitungen erhielt, konnten internationale Gewerkschaften beim Emirat Druck aufsetzen, um Verbesserungen für die meist ausländischen Arbeitnehmer:innen zu erreichen.
Rita Schiavi hat als Schweizer Vertreterin in der internationalen Bau- und Holzarbeitergewerkschaft im Land mehrere WM-Baustellen inspiziert. In einem interessanten Interview erzählt sie, wie jahrelange Verhandlungen dem Emirat mitunter wichtige Zusagen abrang. Ob diese positiven Effekte über die WM hinaus Bestand haben werden? Hoffen wir es.
- In der Aargauer ZeitungExterner Link finden Sie das Interview mit Rita Schiavi. (Paywall)
- «Projekt Gnadenlos»: Wie Katar in der Schweiz die Fussball-Welt ausspionierte. Die grosse SRF-Recherche.
Russische Desinformation aus der Schweiz.
Der Winter kommt und Europa droht der Untergang: Die russische Propaganda versucht schon länger dem heimischen Publikum vorzugaukeln, wie viel besser sie es im Vergleich zu den europäischen Staaten haben – jetzt, da die kalten Wintermonate anstehen und die Energieversorgung vermeintlich kurz vor dem Kollaps stehen soll.
Nun macht die Desinformation die Schweiz zum Thema. Ein Video, das eine in der Schweiz lebende Russin zeigt, wurde in einem russischen Onlinemedium und in Telegram-Kanälen publiziert und zeigt genau das: Wie die schweizerischen Behörden die Bevölkerung mittels Broschüren auf Hunger und Kälte vorbereiten – und Anleitungen zum Überleben verteilen.
Nun: Das Ganze ist natürlich ein Witz, aber gut gemacht. Die gezeigten Broschüren gibt es, sie sind mehrere Jahre alt und wurden gar nie an alle Bewohner:innen verteilt. Aber so funktioniert Propaganda eben besonders gut: Man nehme etwas Realität und mische sie mit Verzerrungen, Übertreibungen und Lügen. Am Ende hat man einen toxischen Cocktail, der die Wahrnehmung beeinträchtigt. So dass plötzlich alles und nichts mehr stimmt.
- Hier finden SieExterner Link den Artikel beim Tages-Anzeiger. (Paywall)
- Kommt man in die Schweiz ins Gefängnis, wenn man die Wohnung auf mehr als 19 Grad heizt? Nein – aber diese Desinformation hält sich im Netz.
Übersterblichkeit in der Schweiz: Die lange Spur von Covid-19.
Nicht nur Propaganda sorgt für kognitive Dissonanzen, manchmal ist es auch Wunschdenken. Etwa, dass die Pandemie bereits vorbei ist. Klar dominiert Corona die Schlagzeilen nicht mehr so stark. Ein Blick in die Statistiken zeigt jedoch: Heuer sind viel mehr Menschen gestorben als erwartet.
Für Urs Karrer, Chefarzt am Kantonsspital Winterthur, ist das eindeutig auf die Pandemie zurückzuführen. Die Sommerhitze alleine könne das nicht erklären, auch gebe es mittlerweile so viel wissenschaftliche Evidenz, dass der Faktor Covid-19 nicht geleugnet werden könne.
Nur scheinen das nicht alle gleich zu sehen. Das sei blosse Korrelation, von Kausalität könne nicht die Rede sein, sagen Kritiker:innen meist ohne Hin- oder Beweise. «Ich vermute, dass dies [die Kritik] viel mit unserer Pandemiemüdigkeit zu tun haben könnte», sagt Karrer. Versuchen wir gerade uns die Pandemie wegzuwünschen? Ich ertappe mich auch selbst bei solchen Gedanken. Aber insbesondere in dieser Jahreszeit sollte man wieder mehr Vorsicht walten lassen – mittlerweile wissen wir alle, wie wir uns und andere schützen können.
- Hier finden SieExterner Link das Interview im Tages-Anzeiger. (Paywall)
- Mehr dazu finden Sie in unserem SDA-Ticker.
- Unser aktualisiertes Corona-Update finden Sie hier.
Wie kommen eigentlich Interviews zustande? Ein Blick hinter die Kulissen.
Wie sieht journalistische Arbeit aus? Das Endprodukt ist zwar für alle einsehbar, der (manchmal lange) Weg dahin jedoch praktisch nicht. Ich finde schon lange, dass man den Menschen erklären soll, wie Medienschaffende heute arbeiten und mit was für Herausforderungen sie konfrontiert sind.
Denn ich glaube: Wenn man realisiert, dass Journalistinnen und Journalisten auch nur Menschen sind, die ein Handwerk ausüben, dann stärkt das auch das Vertrauen in den Journalismus. Die Redaktion des Innerschweizer Onlinemediums Zentralplus hat einen Blog, in dem sie das eigene Schaffen beleuchtet und Aussenstehenden zeigt, wie Journalismus heutzutage funktioniert.
Ein speziell schweizerischer Fall ist die Möglichkeit, Interviews vor der Publikation gegenzulesen; denn Interviewte in der Schweiz haben das Recht auf das eigene Wort. Das funktioniert in der Regel gut. Manchmal aber auch nicht, etwa wenn jemand das halbe Interview zu seinen Gunsten umschreiben will. Solche Situationen erlebe auch ich immer wieder. Wie der Blog treffend schreibt, muss man dann die Leute an Folgendes erinnern: «Wir sind kein persönliches Werbebüro».
- Hier finden SieExterner Link den Blog von Zentralplus.
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