Autofahrer müssen zum Parkieren beim Alpstein mehr bezahlen
Von "okay" bis "reinste Abzocke" lösen die neuen Parkgebühren in Innerrhoden die unterschiedlichsten Reaktionen aus. Denn statt wie bisher fünf werden für 24 Stunden mittlerweile über 15 Franken fällig. Aus Sicht der Regierung eine notwendige Massnahme, um die Touristenströme "besser zu lenken".
(Keystone-SDA) Wer nach Wasserauen mit dem Auto fährt, um von dort die Schönheiten des Alpsteins zu erwandern, muss seit einiger Zeit tiefer in die Tasche greifen. Früher reichte es, einen Fünfliber aus dem Portemonnaie zu zücken und das Fahrzeug durfte den ganzen Tag am Fusse des Alpsteins stehen bleiben. Neu werden für 24 Stunden 15,75 Franken fällig und weitere Preiserhöhungen könnten folgen.
Dass die Preise mehr als verdreifacht wurden, bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA Landesfähnrich Jakob Signer (parteilos), Vorsteher des Innerrhoder Justiz-, Polizei- und Militärdepartements. Zuerst berichtete die «Appenzeller Zeitung» über die Erhöhung. Wobei Signer betont: «Die ersten eineinhalb Stunden Parkieren sind gratis.»
Nach 90 Minuten steigen die Gebühren schrittweise von 1,5 Franken bis maximal neun Franken für eine Parkdauer von 6,5 Stunden. Jede weitere Stunde kostet – abgesehen in der Nacht von 1 bis 5 Uhr – 50 Rappen. Für die ersten 24 Stunden fallen also insgesamt 15,75 Franken an, jeder weitere Tag kostet 10 Franken. Fahrzeuge dürfen auf Innerrhoder Parkplätzen maximal sieben Tage am Stück abgestellt werden.
«Lenkung funktioniert nur über das Portemonnaie»
Der für Wanderungen äusserst beliebte Ausgangspunkt Wasserauen ist nicht der einzige Parkplatz, an dem die Preise angestiegen sind. Die Gebühren sind nämlich über den ganzen Kanton hinweg vereinheitlicht worden, gelten also beispielsweise auch für die Plätze im Dorf Appenzell, bei der Kastenbahn in Brülisau oder in Jakobsbad bei der Kronbergbahn.
Mit dem Wunsch, die Tarife zu vereinheitlichen und zu erhöhen, sind die drei Bezirke Schwende-Rüte, Appenzell und Gonten an die Standeskommission (Innerrhoder Regierung) herangetreten, führte Signer aus. Die Regierung folgte dem Anliegen. Denn sie hat ein Interesse daran, die Touristenströme «besser zu lenken», wie es der Landesfähnrich ausdrückt. «Und eine Lenkung funktioniert nur über das Portemonnaie. Anders kann man Menschenströme nicht lenken.»
Touristinnen und Touristen sollen etwa dazu gebracht werden, vermehrt mit der Bahn oder dem Bus nach Innerrhoden zu reisen. Und sozusagen als übergeordnetes Ziel will der Kanton erreichen, dass nicht der Tagestourismus zur Norm wird, sondern die Gäste gleich mehrere Tage bleiben. «Mehrtagestouristen führen in unserem Kanton zu mehr Wertschöpfung», so Signer.
Langfristig will der Kanton die Parkierungsabgaben gemäss Signer strategisch einsetzen. Einnahmen von Personenwagen, Campern, Wohnmobilen und Cars sollen in die touristische Verkehrsinfrastruktur fliessen. Die Landsgemeinde entscheidet voraussichtlich 2028 über die dafür nötige gesetzliche Grundlage.
Schlechte Internetverbindung als Problem
Und wie kommen die neuen Gebühren bei den Leuten vor Ort an? «Wenn ich mir die Parkgebühren anderswo anschaue, ist es schon okay, dass es 15 Franken kostet», sagte eine Frau aus Österreich beim Parkplatz in Wasserauen gegenüber einem Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Für sie ist klar, dass Touristen überall draufzahlen müssen. «Das ist halt so», findet die bergbegeisterte Frau. Bei 30 Franken wäre für sie allerdings eine Schmerzgrenze erreicht: «Da würde ich mir schon gut überlegen, ob ich überhaupt komme.» Mit dem ÖV anzureisen sei für sie keine Option, insbesondere am frühen Morgen seien die Verbindungen zu schlecht.
«Es ist wirklich sehr teuer», sagte hingegen eine Touristin aus Deutschland. Das Parkieren gestaltete sich sehr schwierig. Franken als Bargeld habe weder sie noch ihr Partner dabei, mit Karte kann nicht gezahlt werden und mit den Park-Apps klappt es auch nicht: «Das Internet ist eine Katastrophe, es gab einfach keine Verbindung.» Die Frau ist nicht die einzige an diesem Tag, welche die schlechte Internetverbindung kritisiert.
«Reine Abzocke»
Ausdrücklich begrüsst wird das Parkregime von einem Mann, der in Innerrhoden aufgewachsen ist. «Als ich klein war, gab es hier kaum Leute. Jetzt ist der Alpstein völlig überlaufen», sagte der 32-Jährige. Für ihn ist klar: Es muss dringend etwas passieren, um die Touristenströme zu bremsen.
Eine der Leidtragenden des neuen Parkregimes ist hingegen eine Frau aus der Stadt St. Gallen. Nach Feierabend fährt sie gerne in die Berge, macht dort noch einen Spaziergang oder geht klettern. «15 oder 30 Franken für das Parkieren zu verlangen, halte ich für reine Abzocke.» An die Menschen aus der Region werde bei der Veränderung nicht gedacht.
Landesfähnrich erhält Parkbusse
Landesfähnrich Jakob Signer kann die Kritik nur teilweise nachvollziehen. Die Internetverbindung sei in Wasserauen tatsächlich eine Herausforderung bei gewissen Anbietern. Auch er habe wegen der schlechten Internetverbindung regelmässig Mühe, via App zu bezahlen. Einmal habe er prompt eine Parkbusse erhalten. Allerdings bestehe ja stets die Möglichkeit, mit Bargeld in Schweizer Franken zu bezahlen. Technisch leider nicht umsetzbar sei, vor Ort Zahlungen mit Kredit- oder Debitkarten zu ermöglichen.
Und was sagt Signer zu den kritischen Stimmen, die anmerken, dass mit den neuen Tarifen auch Einheimische «bestraft» würden? Die Frage sei zwar nie abschliessend geklärt worden, aber rechtlich wäre es gemäss dem Landesfähnrich wohl schwierig, eine Unterscheidung zwischen Einheimischen und Touristen durchzusetzen.
«Ich habe erhebliche Zweifel, dass das legal wäre», so Signer. Und weiter: «Der Tarif ist so ausgestaltet, dass die ersten 90 Minuten wie bisher gratis sind. Wer kurz ins Dorf einkaufen, irgendwo einkehren oder in die Kirche will, kann das grundsätzlich gratis machen.» Zudem seien die Tarife für Monats- und Jahreskarten nicht erhöht worden, auch das komme den Einheimischen zugute.
Künftig könnten 30 Franken fällig werden
Auch die ÖV-Kritik kann Signer nur bedingt nachvollziehen. Die Appenzeller Bahnen bedienten Jakobsbad und Wasserauen grösstenteils alle halbe Stunde. Die Busverbindung nach Brülisau sei auf die Bahn abgestimmt.
Für Signer ist, auch mit Blick auf die Kommentarspalten auf Online-Plattformen, klar: «80 Prozent der Menschen können die Preiserhöhung nachvollziehen.» Wobei das Maximum vielleicht noch gar nicht erreicht ist. In sogenannten «Überlastgebieten», also bei Parkplätzen mit besonders hoher Auslastung an gewissen Tagen, könnten künftig sogar 30 Franken pro Tag fällig werden.