Bezirksgericht Dielsdorf: Senior «wollte keine Juden beleidigen»
Der 89-jährige Rentner, der eine antisemitische Kurzgeschichte schrieb, hat am Mittwoch vor Bezirksgericht Dielsdorf beteuert, dass er keine Juden habe beleidigen wollen. Es sei doch nur um den Spass gegangen. Das sei tschechischer Humor.
(Keystone-SDA) «Ich wollte niemanden beleidigen oder verletzen», sagte er gebürtige Tscheche, der seit 1979 in der Schweiz lebt. «Ich wollte nur, dass die Leute lachen.» Ohne Jude in der Hauptperson wäre es vielleicht nicht so lustig geworden. Das sei eben tschechischer Humor.
Noch einmal würde er den Text so aber nicht einreichen. «Nächstes Mal muss ich den Wortschatz besser kontrollieren», sagte er. Er selber habe überhaupt nichts gegen Juden. Er habe immer freundschaftliche Beziehungen zu Juden gepflegt.
Auch der 77-jährige Mitbeschuldigte, der die Geschichte kontrollierte und in einem Heftchen für Schweiz-Tschechen publizierte, sieht kein Problem in der Geschichte. «Ich hatte keine Bedenken. Ich sehe an der Geschichte keinen Antisemitismus.»
Antisemitismus sehe man an den Pro-Palästina-Demonstrationen, aber nicht an dieser Geschichte über einen Dorfstreit. Wenn der jüdische Händler als «Wanze» bezeichnet wird, bezieht sich das seiner Ansicht nach nur auf diese eine Person. «Nicht auf alle Juden.»
Der «durchtriebene Izak»
In der Kurzgeschichte «Gerächter Gastwirt» ging es um den «durchtriebenen Izak», einen Juden, der eine Wirtschaft in einem tschechischen Dorf kauft. Dorfbewohner kritisieren in der Geschichte, dass die «Wanze» bereits das halbe Dorf in der Tasche habe. Er sei ein «gaunerischer Schurke», der nach Goldstücken schnappe «wie ein Habicht».
Die Zürcher Staatsanwaltschaft fordert für beide, Autor und Redaktor, eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Beim Autor soll der Tagessatz 30 Franken betragen, beim Redaktor 110 Franken. Wann das Gericht das Urteil eröffnet, ist noch unklar.