Die IT-Kosten der Städte und Kantone schiessen in die Höhe
Die Serverkosten der Stadt Genf haben sich versechsfacht, die Erneuerung der Hälfte der vom Kanton Wallis geplanten Arbeitsstationen wurde verschoben, und die Kosten für die Computer der Staatsangestellten in der Romandie steigen um durchschnittlich 50 bis 60%: 2026 ist ein "annus horribilis" für die Anschaffung von IT-Hardware.
Hinter diesem drastischen Anstieg verbirgt sich ein und dieselbe Ursache: der Ansturm auf künstliche Intelligenz, der die gesamte weltweite Produktion von Komponenten, insbesondere von Halbleitern, in Beschlag nimmt.
«Ein Computer, der letztes Jahr noch 660 Franken kostete, kostet jetzt 1500 Franken», erklärt Rolf Weber, Geschäftsführer vom Westschweizer IT-Unternehmen Darest in Lausanne, in der RTS-Sendung «Basik».
In seinen 40 Jahren im Geschäft habe der IT-Verkäufer so etwas noch nie erlebt. Die Westschweizer IT-Einkaufsgemeinschaft PAIR (Partenariat des achats informatiques romands) hatte eine Ausschreibung für die Kantone über mehrere Tausend Computer lanciert, doch innerhalb weniger Wochen schossen die Preise in die Höhe, und die Bestellung wurde storniert. «Das war nicht mehr machbar, es hätte mehrere Millionen an zusätzlichen Ausgaben bedeutet», räumt Weber ein.
Der Beitrag von Basik (auf Französisch):
Seit Anfang Jahr herrscht Panik beim Einkauf von IT-Hardware. Der Kanton Wallis musste die Erneuerung der Hälfte der Arbeitsstationen, die er dieses Jahr austauschen wollte, verschieben. In Morges haben sich die Preise für die Arbeitsplätze schlichtweg verdoppelt. Im Kanton Waadt wurde eine Erhöhung des Anschaffungsbudgets um 10% beschlossen, was mehrere Hunderttausend Franken zusätzlich bedeutet. Die Stadt Genf liefert ein besonders eindrucksvolles Beispiel: Der Preis für einen ihrer Virtualisierungsserver ist von 57’000 Franken im Jahr 2025 auf 330’000 Franken im Jahr 2026 gestiegen.
Angesichts dieser Krise scheint praktisch keine Institution verschont zu bleiben. Diejenigen, die in letzter Zeit unbedingt neue Hardware anschaffen mussten, waren gezwungen, ihr Budget zu erhöhen. Viele haben zudem beschlossen, die Lebensdauer ihrer Geräte zu verlängern und nicht vorrangige Investitionen aufzuschieben. Die Option des Occasionsmarktes wird hingegen oft verworfen, da sie als zu riskant angesehen wird.
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KI als Treiber des Preisanstiegs
Die Ursache für diesen Preisanstieg ist eindeutig identifiziert: der rasante Wettlauf um künstliche Intelligenz. Seit der Einführung von ChatGPT vor vier Jahren liefern sich die Tech-Giganten (Amazon, Meta, Google, Microsoft) einen gnadenlosen Kampf um den Bau von Rechenzentren, die ihre KI-Modelle betreiben können. Und für den Bau dieser Rechenzentren werden astronomische Mengen an IT-Komponenten wie RAM, GPUs und Festplatten benötigt, die auch in unseren Servern, Computern und Smartphones zu finden sind.
Die Zahlen sind schwindelerregend: «Die von diesen vier Giganten für 2025 geplanten Investitionen belaufen sich auf 400’000’000’000 Dollar, eine Summe, die in diesem Jahr voraussichtlich 800’000’000’000 übersteigen wird», erklärt Ipek Ozkardeskaya, Senior-Analystin bei Swissquote.
«Über 50% dieser Summen fliessen direkt in die Kassen der Chip-Hersteller.» Da es weltweit nur drei grosse Hersteller von Speicherchips gibt, ist das Angebot angesichts der exponentiell steigenden Nachfrage knapp. Die Folge: Die Preise schiessen in die Höhe.
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Private Unternehmen spüren die Auswirkungen
Dieser Preisschock betrifft nicht nur den öffentlichen Sektor. Auch Unternehmen in der Romandie sind direkt betroffen. Bei Downtown Studio, einem Genfer Unternehmen, das sich auf Schnitt und Spezialeffekte für den Film spezialisiert hat, ist die Rechnung sauer.
Ein Schnitt-PC, der vor zwei Jahren noch zwischen 3’000 und 4’000 Franken kostete, ist mittlerweile rund 8’000 Franken wert. «Wir werden uns im Laufe des nächsten Jahres ernsthaft die Frage stellen, wie wir die Erneuerung bewältigen können, ohne das Sparschwein zu schlachten», räumt Jean-Pascal Gaiffas, der IT-Leiter, ein, der die zunehmende Komplexität dieser Investitionen hervorhebt.
Noch akuter ist das Problem bei der Datenspeicherung. Cédric Tineo, Gründer von Digital Lead, das die Speicherinfrastruktur für Downtown Studio (2’000’000 Gigabyte) bereitstellt, beschreibt eine Situation völliger Lähmung.
«Wir haben drei dieser Komponenten, deren Preise sich gerade in den letzten Monaten verdoppelt, verdreifacht oder vervierfacht haben», warnt er. Sein Geschäftsmodell ist damit hinfällig: «Unsere Kunden sind überhaupt nicht bereit, das Zwei-, Drei- oder Vierfache zu bezahlen. Sie können es sich ausserdem gar nicht leisten.» Er vergleicht die von ihm verwendeten 30-TB-Festplatten mittlerweile mit einem Luxusprodukt: «Früher war es einfach nur eine Festplatte. Heute ist es tatsächlich ein Goldbarren. Der Preis für 500 Gramm Festplattenspeicher nähert sich dem von Kaviar an.»
Eine Krise, die noch andauern wird
Die Akteure der Branche sind sich einig: Die Situation dürfte sich bis 2027 nicht verbessern. Schlimmer noch, mit dem massiven Einzug humanoider Roboter könnte ein neuer Spannungsfaktor entstehen. Während derzeit jährlich etwa 10’000 Einheiten verkauft werden, könnte diese Zahl in den nächsten fünf Jahren explodieren. «Bis 2050 sagen einige Banken voraus, dass es bis zu einigen hundert Millionen Roboter geben könnte … und all diese Roboter werden Mikrochips benötigen», erklärt Ozkardeskaya.
Dieser zusätzliche Druck auf eine bereits überlastete Lieferkette könnte dazu führen, dass sich die Krise langfristig verfestigt.
Übertragung aus dem Französischen: Melanie Eichenberger
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