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In den Schweizer Bergen breiten sich die Zecken aus

Im nächsten Schritt untersuchen Forschende, ob Zecken in höheren Lagen auch Krankheitserreger übertragen.
Im nächsten Schritt untersuchen Forschende, ob Zecken in höheren Lagen auch Krankheitserreger übertragen. Keystone/PATRICK PLEUL

Zecken kommen in Graubünden höher vor als bisher angenommen. Das zeigen über 900 Rückmeldungen an ein Forschungsinstitut.

Zecken breiten sich in Graubünden bis in immer höhere Lagen aus. Das zeigen erste Resultate einer Umfrage des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos. Im Verlaufe des Sommers sind aus dem ganzen Kanton mehr als 900 Rückmeldungen eingegangen.

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Die Forschenden wollten wissen, wo Menschen Zecken beobachten oder von ihnen gestochen werden. Das Echo sei erfreulich, sagt Biologin Anne Kempel vom SLF: «Weil die Rückmeldungen sehr schön im Raum und vor allem über die Höhenlagen verteilt sind, können wir gute Rückschlüsse auf das Zeckenvorkommen in den Bündner Bergen ziehen.»

Kaum grösser als ein Stecknadelkopf: Zecken messen meist nur wenige Millimeter und werden deshalb oft übersehen.
Kaum grösser als ein Stecknadelkopf: Zecken messen meist nur wenige Millimeter und werden deshalb oft übersehen. Keystone/Patrick Pleul

Die ersten Auswertungen zeigen ein klares Bild: Bis auf rund 1400 Meter über Meer kommen Zecken praktisch flächendeckend vor. Oberhalb von 1500 Metern werden sie an Menschen deutlich seltener beobachtet. Ganz verschwunden sind sie in höheren Lagen aber nicht. Einzelne Teilnehmende meldeten Zeckenfunde auf über 2000 Metern Höhe, vereinzelt sogar auf rund 2300 Metern.

Die Auswertung der über 900 Rückmeldungen hat erst begonnen. Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) will nun genauer untersuchen, wo Zecken in Graubünden vorkommen und wie sich ihr Verbreitungsgebiet in den vergangenen Jahren verändert hat. Die Ergebnisse sollen in eine wissenschaftliche Publikation einfliessen.

Bereits geplant sind weitere Untersuchungen: Ab 2027 wollen Forschende Zecken entlang verschiedener Höhenlagen sammeln und analysieren. Dabei soll auch geklärt werden, ob die Tiere in höheren Lagen dieselben Krankheitserreger übertragen wie Zecken im Tal.

Dass Zecken heute höher vorkommen als früher, gilt als wahrscheinlich. Ob damit auch das Risiko für Borreliose oder FSME steigt, müssen weitere Studien noch zeigen.

Hinweise gibt es auch aus der Landwirtschaft. «Auf jeder zweiten bis dritten Alp über 2000 Meter sind Zecken an Nutztieren gefunden worden», sagt SLF-Biologin Kempel. Auch wenn dies kein flächendeckendes Phänomen sei, zeigten die Rückmeldungen deutlich: Zecken kommen heute in wesentlich höheren Lagen vor, als lange angenommen wurde.

Ein Zeckenstich bleibt oft zunächst unbemerkt. Später können Hautreaktionen oder Beschwerden auftreten.
Ein Zeckenstich bleibt oft zunächst unbemerkt. Später können Hautreaktionen oder Beschwerden auftreten. Keystone/Christian Beutler

Zecke entdeckt?Externer Link Dann möglichst rasch handeln. Entfernen Sie die Zecke mit einer Pinzette oder einem Zeckenwerkzeug möglichst nahe an der Haut und ziehen Sie sie gerade heraus. Die Zecke dabei nicht quetschen und weder Öl noch Alkohol verwenden. Anschliessend die Stichstelle desinfizieren. Je schneller die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Borreliose-Übertragung.

Wichtig ist auch die Dokumentation:Externer Link Notieren Sie das Datum des Stichs und die betroffene Körperstelle. Beobachten Sie die Haut in den kommenden zwei bis drei Wochen. Ein Zeckenstich gilt in der Schweiz als Unfall und ist in der Regel über die Unfallversicherung abgedeckt.

Auf Warnzeichen achten: TretenExterner Link grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auf oder bildet sich um die Stichstelle eine sich ausbreitende Rötung (sogenannte Wanderröte), sollte man ärztlichen Rat einholen. Solche Symptome können auf eine Infektion mit FSME-Viren oder Borreliose hinweisen. Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.

Folgen des Klimawandels?

Für die Forschenden seien die Ergebnisse wenig überraschend, sie passten ins Bild, so Anne Kempel. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben an, dass es in ihrer Region früher keine Zecken gegeben habe.

Besonders in Lagen zwischen 1400 und 1500 Metern häufen sich solche Rückmeldungen. Das deutet darauf hin, dass sich die Tiere dort erst in den vergangenen Jahren ausgebreitet haben.

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Für Anne Kempel ist die Klimaerwärmung eine naheliegende Erklärung. Mit steigenden Temperaturen würden sich die Lebensbedingungen für Zecken auch in höheren Lagen verbessern. «Das zeigt ganz klar, dass auch Zecken auf die Klimaerwärmung reagieren und ihr Verbreitungsgebiet in die Höhe ausweiten», sagt die SLF-Biologin.

Eine Zecke sollte möglichst rasch entfernt werden. Je kürzer sie saugt, desto geringer das Risiko einer Krankheitsübertragung.
Eine Zecke sollte möglichst rasch entfernt werden. Je kürzer sie saugt, desto geringer das Risiko einer Krankheitsübertragung. Keystone/MARIJAN MURAT

Zecken gehören zu den Spinnentieren und kommen heute in der ganzen Schweiz vor. Sie leben vor allem in hohem Gras, im Unterholz, an Waldrändern, auf Lichtungen, entlang von Flüssen sowie in Parks und Gärten. Entgegen einem weitverbreiteten Irrtum fallen sie nicht von Bäumen, sondern werden meist beim Vorbeistreifen abgestreift.

Besonders aktiv sind Zecken von März bis November,Externer Link bei milden Temperaturen können sie aber fast ganzjährig unterwegs sein. Die wichtigste Zeckenart in der Schweiz ist der Gemeine Holzbock. Er kann Krankheitserreger wie Borrelien oder FSME-Viren (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen und gilt deshalb als das gefährlichste Wildtier der Schweiz.

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