Anti-westliche Ressentiments in Thailand


Dieser Inhalt wurde am 24. April 2020 - 13:00 publiziert
Der thailändische Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul machte abfällige Bemerkungen über die Weigerung der westlichen Bevölkerung, Masken zu tragen. Keystone / Narong Sangnak

Die Coronavirus-Pandemie legte zu Beginn im Westen einen latenten Rassismus gegenüber Chinesen und Asiaten offen. Nun hat sich das Epizentrum von China nach Europa verlagert – und mit ihm die Ressentiments.

Thailänderinnen und Thailänder sind berühmt für ihr Lächeln und ihre herausragende Gastfreundschaft. Mit mehr als 39 Millionen Touristen im Jahr 2019, darunter rund 210'000 aus der Schweiz, ist das Königreich gewohnt, Gäste aus aller Welt zu empfangen.

Und das Zusammenleben verläuft im Allgemeinen reibungslos. Da Europa jedoch zur wichtigsten Quelle des Coronavirus wurde und die meisten Länder Europas als gefährdet eingestuft wurden, sind es nun Thailänder und Thailänderinnen, die manchmal mit finsterem Blick auf die "Farangs" (ein Begriff, der Weisse aus dem Westen bezeichnet) herabschauen.

Gesundheitsminister sticht in Wespennest

Thailands Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul ist eine umstrittene politische Figur, bekannt für seine verbalen Ausbrüche. Am 7. Februar begab er sich in die U-Bahn von Bangkok, um für das Tragen von Schutzmasken zu werben und Masken an Passantinnen und Passanten zu verteilen.

Nachdem westliche Touristen verschiedentlich ablehnend auf seine Aktion reagiert hatten, verlor er die Beherrschung und prangerte die "verfluchten Farangs" an, die keine Masken tragen wollten und "aus Thailand ausgewiesen werden sollten".

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Obwohl er sich einige Tage später dafür entschuldigte, dass er die Beherrschung verloren hatte, hatten seine Worte einen Teil der Bevölkerung erfasst, der in jedem Westler eine potenzielle Gefahr zu sehen begann.

Der Manager der Facebook-Seite "Spotlight Thailand" in Phuket, die fast 600'000 Abonnenten hat, veröffentlichte Anfang April Beiträge, in denen Thailänder aufgefordert wurden, sich Schleudern zu besorgen, um Farangs zu "jagen", die sich nicht an die Massnahmen der Regierung hielten. Diese Beiträge wurden Tausende Male geteilt, "geliked" und kommentiert.

Nachdem die lokalen Behörden und Konsulate viele Nachrichten von Touristen und Expats erhalten hatten, die um ihre Sicherheit besorgt waren, wurden diese "Posts" schliesslich aus den sozialen Netzwerken entfernt.

Unterschiedliche Lage für Touristen und Expats?

Eine Party auf dem Dach einer Villa, Surfer am Strand, ganze Gruppen, die ohne Maske herumlaufen... die thailändische Presse ist derzeit voll mit solchen Geschichten.

Auch wenn es stimmt, dass einige Touristen für Schlagzeilen sorgen, weil sie die Massnahmen zur Eindämmung der Epidemie nicht respektieren, halten sich doch die meisten Reisenden an die Regeln und versuchen vor allem, sich zu organisieren, um so rasch wie möglich nach Hause zurückzukehren.

Leider zahlen sie sowie die in Thailand lebenden Expats den Preis für das unsoziale, unangebrachte Verhalten einiger weniger Personen.

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Ungefähr 440'000 ausländische Staatsangehörige leben das ganze Jahr in Thailand. Darunter sind fast 10'000 Schweizerinnen und Schweizer.

Das Risiko, zum Opfer von Coronavirus-Rassismus zu werden, ist für Expats geringer, weil sie in die Gesellschaft integriert sind: Sie sind in ihrer Stadt oder ihrem Dorf bekannt, sprechen Thailändisch, kennen die Sitten und Gebräuche und tragen auch ausserhalb der Pandemiezeit Masken.

"Da es dort, wo ich lebe, nur wenig Farangs gibt, und die Leute mich schon lange kennen, habe ich bisher keinen Rassismus gespürt. Ich kann mir aber vorstellen, dass weniger gebildete Menschen nach Schuldigen suchen könnten. Aber nur, wenn sie in einer Gruppe sind. Würden sie allein vor einem Ausländer stehen, hätten sie kaum den Mut, den Mund zu öffnen", sagte einer der Auslandschweizer in Thailand gegenüber swissinfo.ch.

Lukas Messmer, der Korrespondent des deutschsprachigen Schweizer Fernsehens SRF in Thailand, sagte seinerseits, "eine weisse Haut stellt hier eher sicher, dass man gewisse Privilegien hat. Touristen in Pattaya und Phuket wurden beschimpft, weil sie keine Masken trugen. "Ein unentschuldbares Verhalten", aus seiner Sicht.

Tatsächlich wurden die Menschen in Thailand – und generell in Asien überhaupt – von den Behörden aufgefordert, Masken zu tragen, mit dem Hinweis, dass dies erheblich zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus beitrage. Eine Maske zu tragen wird zudem auch als Zeichen des Respekts für andere angesehen.

In Europa hingegen haben viele Ärzte den Menschen davon abgeraten, Masken zu tragen, mit dem Argument, ihre Wirksamkeit zur Eindämmung der Ausbreitung der Krankheit sei nicht erwiesen, und die Menschen würden Masken ohnehin nicht richtig anwenden

Schweiz-Thailand: spezielle Beziehungen

Im Jahr 2018 lebten 9330 Schweizer Staatsangehörige dauerhaft in Thailand. Es ist das asiatische Land, das am meisten Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer anzieht. Die Zahl der in Thailand lebenden Schweizerinnen und Schweizer hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als vervierfacht.

Starke historische und wirtschaftliche Beziehungen verbinden die beiden Länder. Die ersten Kontakte gehen auf das 17. Jahrhundert zurück. 1932 eröffnete die Schweiz ein Honorarkonsulat in Bangkok, 1949 folgte eine Botschaft.

Thailand ist nach Singapur der wichtigste Handelspartner der Schweiz in Südostasien.

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