Kopftuchverbot führt kaum zu mehr Homeschooling in Österreich
Vermehrte Wechsel zum Homeschooling sind seit Einführung des Kopftuchverbots für Mädchen unter 14 Jahren in Österreich mehrheitlich ausgeblieben. Es war erwartet worden, dass viele Kinder aus der Schule abgemeldet werden.
(Keystone-SDA) Die Zahl der Anmeldungen zum häuslichen Unterricht ist nur leicht gestiegen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA gestützt auf Zahlen aus den Bildungsdirektionen schrieb. Die Behörden hätten keinen Zusammenhang mit dem Kopftuchverbot festgestellt.
Österreichweit wurden knapp 2000 Abmeldungen registriert, im Schuljahr davor waren es rund 1900 – davon betrifft nur ein Drittel Mädchen unter 14 Jahren.
Insgesamt hat die Zahl der Mädchen unter 14 Jahren im häuslichen Unterricht gegenüber dem Vorjahr leicht zugenommen, allerdings nur um rund 70 Personen. Das entspricht auch den Schwankungen der Vorjahre. Interessant: Buben werden vergleichsweise häufiger abgemeldet als Mädchen.
Seit Beginn dieses Schuljahrs gilt in Österreich ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Der Unterricht Zuhause ist davon ausgenommen. Eltern können ihre Kinder daheim unterrichten, weil in Österreich keine Schul-, sondern nur eine Unterrichtspflicht gilt. Kinder können ausserdem Privatschulen ohne Öffentlichkeitsrecht besuchen, die selbst keine Schulzeugnisse vergeben dürfen.
Verbot ist auch in der Schweiz aktuell
In mehreren Kantonen wird derzeit ein Kopftuchverbot für Schülerinnen gefordert. In Zürich und im Aargau haben die Kantonsparlamente entsprechenden Vorstössen für ein Kopftuchverbot bereits zugestimmt. In Bern, Zug und Schaffhausen sind ähnliche Forderungen hängig.
Der Kantonsrat in St. Gallen hat ebenfalls einer Motion zugestimmt, die ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen zur Folge haben wird. Im Unterschied zu den anderen Kantonen bezieht sich das Verbot dort aber ausschliesslich auf Lehrpersonen. Auf rechtlicher Ebene ist ein Verbot, welches Schülerinnen betrifft, heikler.