Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland,
Es kommt nicht oft vor, dass wir Ihnen in diesem Briefing eine Exklusivität bieten können. Heute haben wir eine: Die jüngste SRG-Wahlumfrage zeigt, dass die Grüne Partei am 20. Oktober wohl am meisten wird zulegen können. Und das besonders ausgeprägt unter Schweizer Wählerinnen und Wählern, die im Ausland leben.
Herzliche Grüsse aus Bern
Ein Novum: Die Grüne Partei ist die wählerstärkste. Zumindest unter Ihnen, den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern. Dies gemäss dem jüngsten SRG-Wahlbarometer, das am Donnerstag publiziert wurde. Dahinter folgen FDP, SVP und SP.
Werden Sie an den Eidgenössischen Wahlen diesen Herbst teilnehmen? Das Institut Sotomo hat im Auftrag der SRG SSR, zu der auch swissinfo.ch gehört, das Wahlverhalten der Stimmberechtigten unter die Lupe genommen. Dabei wurden auch Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer befragt.
Wie die Umfrage zeigt, scheint das Wahlverhalten der Fünften Schweiz ökologischer geworden zu sein. Noch im Juni hatten die Befragten eher für die grossen Parteien SVP, SP und FDP stimmen wollen. Die Position der Fünften Schweiz ist damit deutlich grüner als jene der Stimmberechtigen im Inland.
Schauen wir uns die Zahlen kurz etwas genauer an (in Klammern die Prozent-Anteile der befragten Wahlberechtigten im Inland): 22,6% der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer würden Grüne wählen (10,4%), 18,4% FDP (16,5%), 16,1% SVP (26,8%) und 15,5% SP (18,8%).
- Was mit den Christlichdemokraten passiert und welche Themen die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer besonders beschäftigen, lesen Sie in unserem umfassenden Artikel zum Wahlbarometer.
- Das aktuelle Wahlbarometer im Detail auf der Website des Instituts SotomoExterner Link (pdf-Datei).
- Zum Vergleich: Der Artikel über das vorangehende Wahlbarometer vom Juni 2019.
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Kennen Sie Dürrenäsch? Ich auch nicht. Aber von 1956 bis 1979 galt das Aargauer Dorf unter Auslandschweizern als Ferienparadies. Warum? Ein Industrieller betrieb dort das «Auslandschweizer-Home» – eine Oase der Ruhe für Schweizer Ausgewanderte.
Aus allen Ländern kamen sie. Das «Auslandschweizer-Home» in Dürrenäsch war weltweit bekannt und beliebt als Ferienziel der Schweizer Auslandgemeinde. Es umfasste insgesamt neun Liegenschaften mit über 100 Betten. Gemäss einem Artikel in der Aargau Zeitung steht die Villa des damaligen «Home» heute noch.
Die Idee dazu hatte Herbert Bertschy-Ringier, Spross eines erfolgreichen Seidenfabrikanten. Er hatte auf seinen beruflichen Reisen viele Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer kennengelernt und sich auch deren Sorgen angehört. Viele plagte das Heimweh.
Damals war die Schweiz verkehrstechnisch gesehen weit weg. Wenn sie nach Jahren die Schweiz besuchten, hatten sich ihre Herkunftsorte oft bis zur Unkenntlichkeit verändert. Ein Aufenthalt im Heimatland, gemeinsam mit anderen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern, war für viele der Höhepunkt des Jahres.
Eine Erfolgsgeschichte – auch wenn die Satirezeitschrift Nebelspalter zur Eröffnung 1956 geschrieben hatte: «‚Swiss, come home‘ als Zuruf aus der Schweiz, aus Dürrenäsch! An die Auslandschweizer? Brrrr!!»
- Mehr zum «Auslandschweizer-Home» erfahren Sie im Artikel der Aargauer ZeitungExterner Link.
- Besagter Artikel von 1956 im Satireblatt NebelspalterExterner Link (pdf-Datei aus der ETH-Bibliothek).
- Wo die Gemeinde Dürrenäsch liegt, können Sie auf Google MapsExterner Link nachsehen.
Frauen und Männer sind rechtlich gleichgestellt. Im Alltag stimmt das leider nicht immer. Besonders dann nicht, wenn Frau sich auf einen Coiffeurstuhl setzt. Ein Haarkünstler hat nun die Schere in die Hand genommen und kämpft gegen diese so genannte «Pink Tax» an – und nicht nur er.
Wer den Salon von Nicolas Cettou in Lausanne betritt, sieht erst einmal einen Anschlag: «Unisex-Preise». «Der Preis richtet sich nach der Haarlänge», sagt der Coiffeur, den meine Kollegin Katy Romy kürzlich besucht hat. Ob Kunde oder Kundin, man nehme sich für alle eine Stunde Zeit. Deshalb kostet die Dienstleistung seit Februar nun auch für alle gleich viel.
Ein Haarschnitt aber ist nur ein Beispiel für die «Pink Tax». Besonders augenfällig ist diese bei Pflegeprodukten. So kosten rosafarbene Rasierer für Frauen einiges mehr als die völlig identische Version für den Mann, wie Konsumentenverbände beanstanden.
Zwar gibt es auf politischer Ebene Vorstösse. Doch wie es aussieht, ist die Situation festgefahren. Nun soll wenigstens der Steuersatz auf gewissen Damenhygiene-Artikeln gesenkt werden, was gegenwärtig im Parlament hängig ist.
Die Schweiz wäre damit aber noch immer nicht vorbildlich: Länder wie Australien, Kanada, Irland, Indien, Kenia, der Libanon, Nicaragua, Nigeria und Tansania haben Tampons und Binden ganz von der Mehrwertsteuer befreit.
- Die Reportage meiner Kollegin Katy aus Lausanne.
- Das Problem der «Pink Tax» wird in den Schweizer Medien nicht häufig thematisiert. Hier ein Artikel in der Zeitschrift AnnabelleExterner Link.
- Der Entscheid des NationalratsExterner Link vom März 2019 zur Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Damenhygieneartikel.
Auch im letzten Thema heute geht es um eine Frau. Sie ist zwar keine Schweizerin, aber sie forscht in der Schweiz. Und sie wurde am Donnerstag mit dem «Schweizer Nobelpreis» ausgezeichnet, dem Marcel-Benoist-Preis: die Chemikerin Nicola Spaldin.
Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte des wichtigsten Wissenschaftspreises der Schweiz, dass eine Frau geehrt wird. Die theoretische Chemikerin wird für ihre Forschung an neuen Materialien ausgezeichnet, die dereinst unsere Computer und Handys revolutionieren könnten.
Die Britin ist seit acht Jahren Professorin für Materialtheorie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Nicola Spaldin zählt auf ihrem Gebiet zu den weltweit führenden Forscherinnen und Forschern.
Gemeinsam mit ihrem Team entwickelt sie keramikartige Materialien, die es in der Natur so gar nicht gibt. Diese haben sowohl elektrische als auch magnetische Eigenschaften. Man schätzt, dass sie – dereinst serienreif – Computer um den Faktor Tausend energieeffizienter machen könnten.
- Unsere Kollegen von SRF Kultur haben mit Spaldin gesprochen, zudem gibt es in diesem ArtikelExterner Link mehr Informationen und ein spannendes Video der Sendung «Einstein» über die Forscherin und ihr Fachgebiet.
- Der Marcel-Benoist-Preis ist die prestigeträchtigste Auszeichnung für Spaldin bisher. Doch es ist bei weitem nicht der erste wichtige Preis. So wurde sie etwa 2017 mit dem «L’Oréal-Unesco-Preis For Women in Science»Externer Link für die Region Europa ausgezeichnet.
Welche Parteien vertreten die Interessen der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland? Falls Sie unsere Daten-Story zu den anstehenden Wahlen verpasst haben, hier eine kurze Zusammenfassung.
Vor ein paar Wochen sorgte unsere Daten-Analyse am Auslandschweizer-Kongress teils für rote Köpfe. Es wurde debattiert, wie repräsentativ die Geschäfte seien, die wir als Basis für die Zusammenstellung berücksichtigten.
So sind wir vorgegangen: Wir berücksichtigten alle Abstimmungen im Parlament, welche die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer direkt betrafen. Dass dabei Vorlagen mit mehr politischem Gewicht gleich bewertet wurden, wie solche mit weniger Wirkung, ist der Methodik geschuldet. Nur so konnten wir sicherstellen, dass jegliche Voreingenommenheit aussen vor blieb.
Inhaltlich ergab die Untersuchung Folgendes: Die SP, die GLP und die Grünen stimmten am häufigsten im Sinn der Auslandschweizer-Organisation (ASO). Am wenigsten Übereinstimmung gabs bei der SVP und der Lega dei Ticinesi. Einzig beim Geschäft zum Zugang zu Schweizer Banken votierte eine Mehrheit der SVP für das Anliegen der ASO.
- Die detaillierte Übersicht zum Verhalten der Parteien und die Begründung, weshalb sich die SP so auslandschweizerfreundlich verhält, finden Sie in unserer umfangreichen Analyse.
- SVP-Nationalrat Claudio Zanetti, der im ASO-Rat sitzt, nimmt Stellung zum schlechten Abschneiden der SVP.
- Methodik im Detail: So haben wir die Parlamentsarbeit ausgewertet.
- Finden Sie es wichtig, dass Ihre Anliegen im Parlament vertreten werden? Diskutieren Sie mit.
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Wie bereits erwähnt: Am 20. Oktober wählen wir in der Schweiz unser neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video wie die Parlamentswahlen ablaufen.
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick.
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse.
- Noch mehr unserer vielseitigen Berichterstattung finden Sie hier.
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