Zimmer Biomet streicht in Winterthur 490 statt 580 Stellen
Nach Abschluss des Konsultationsverfahrens hat Zimmer Biomet den Stellenabbau in Winterthur von 580 auf 490 reduziert. Der Stadtrat begrüsst den Entscheid, spricht aber von einem schweren Einschnitt für die Betroffenen und ihre Familien.
(Keystone-SDA) In den Gesprächen mit Stadt und Kanton habe das Medizinaltechnikunternehmen bekräftigt, dass Winterthur auch künftig von Bedeutung sein werde, teilte der Winterthurer Stadtrat am Montag mit. «Der Stadtrat begrüsst diese Absicht und ist bereit, die weitere Entwicklung des Standorts konstruktiv zu begleiten», heisst es in der Mitteilung.
Im Rahmen des überarbeiteten Plans sollen bestimmte Produktionsaktivitäten an andere bestehende Standorte des Konzerns verlagert werden, teilte Zimmer Biomet mit. Der Schmiedebetrieb DynaForge sowie die Herstellung bestimmter Hüftkomponenten bleiben dagegen in Winterthur. Auch die unterstützenden Geschäftsfunktionen sowie Forschung und Entwicklung sind von der Restrukturierung nicht betroffen und verbleiben am Standort.
Zudem werde die Restrukturierung schrittweise bis 2030 umgesetzt. Nach aktuellem Stand sollen vor 2028 keine Stellen betroffen sein. Durch den verlängerten Zeitraum will das Unternehmen mehr Möglichkeiten für interne Stellenwechsel, natürliche Fluktuation und Frühpensionierungen schaffen.
Lösung für alle Lernenden
Positive Nachrichten gibt es für die knapp 100 Lernenden, die bei Zimmer Biomet arbeiten oder bald dort hätten starten sollen. Laut der Mitteilung gibt es für alle eine Lösung. «Es ist eine gute Nachricht, dass Zimmer Biomet seine ursprünglichen Pläne angepasst hat und mehr Arbeitsplätze in Winterthur erhalten bleiben und für die knapp 100 Auszubildenden eine Lösung gefunden werden konnte», wird Stadtpräsident Stefan Fritschi (FDP) in der Mitteilung zitiert.
Der Stadtrat betonte auch die gemeinsamen Anstrengungen von Stadt und Kanton, möglichst viele Arbeitsplätze vor Ort zu halten. In mehreren Gesprächen habe die Stadt Zimmer Biomet konkrete Vorschläge für eine langfristige industrielle Präsenz in Winterthur gemacht, die auf den bestehenden Stärken des Standorts aufbauten.
«Einzelne Vorschläge wurden übernommen und tragen zum Verbleib eines Teils der Produktion bei», heisst es weiter. Zudem sei aufgezeigt worden, welche Chancen sich für Zimmer Biomet aus dem starken Medtech-Ökosystem im Grossraum Zürich ergeben würden.
Grossteil der Stellen verschwindet
Zimmer Biomet ist für Winterthur ein historisch und wirtschaftlich bedeutendes Unternehmen. Zimmer hatte den ehemaligen Schweizer Orthopädiekonzern Centerpulse, einst vom Winterthurer Traditionskonzern Sulzer abgespalten, im Herbst 2003 übernommen. Winterthur war zeitweise Zimmer-Sitz für Europa, Australien und Asien.
Zuletzt zählte das Unternehmen 730 Stellen in Winterthur. Ein Grossteil fällt also weiterhin weg. Als Grund für den Abbau nannte Zimmer Biomet die kontinuierliche Weiterentwicklung des Produktionsnetzwerks. Ziel sei es, das Produktions- und Liefernetzwerk zu vereinfachen, die Effizienz zu steigern und das Unternehmen langfristig erfolgreich aufzustellen.