Kommission für Rückgabe von Nazi-Raubgut und Kolonialgut hat ihre Arbeit aufgenommen
Die Kommission für Kulturgüter mit problematischer Vergangenheit kann nun angerufen werden. Unter dem Vorsitz von Simonetta Sommaruga wird sie sich mit Gütern befassen, die mit dem Nationalsozialismus und dem Kolonialismus in Verbindung stehen, und will zudem die menschlichen Überreste in Sammlungen in der Schweiz erfassen.
Sechs Monate nach Aufnahme ihrer Arbeit hat die Kommission für historisch belastetes KulturerbeExterner Link (KHBK) ihre Geschäftsordnung für die Bearbeitung der ihr vorgelegten Fälle verabschiedet.
Die Kommission kann von einer der Streitparteien oder gemeinsam von beiden angerufen werden. Sie prüft zunächst, ob im Rahmen einer Mediation eine gütliche Einigung erzielt werden kann, und erarbeitet im Fall eines Scheiterns eine rechtlich unverbindliche Empfehlung.
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Diese Empfehlung kann sich auf die Rückgabe eines Objekts beziehen, aber auch auf andere Formen einer «gerechten und angemessenen Lösung».
Der Vizepräsident der Kommission, der Jurist Felix Uhlmann, sprach am Mittwoch in Bern vor der Presse besonders die Möglichkeit einer finanziellen Entschädigung an.
Die Sammlungen des Bundes unter der Lupe
Die Kommission befasste sich auch mit den Sammlungen des Bundes. Im September hörte sie die Schweizerische Nationalbibliothek, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ) und das Schweizerische Landesmuseum zu ihrem Umgang mit Kulturgütern mit problematischer Vergangenheit an. Zuvor hatte sie auch das Bundesamt für Kultur angehört.
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Diese Anhörungen sollen der Kommission als Grundlage dienen, um den Bundesrat und die Bundesverwaltung zu beraten. Der Bund müsse eine «Vorbildfunktion mit Signalwirkung» übernehmen, sagte die ehemalige Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
«Wir können viel gewinnen, wenn wir Fragen im Zusammenhang mit Objekten mit problematischer Vergangenheit offen ansprechen, anstatt abzuwarten, bis ein Fall auftritt, um dann zu handeln», fügte sie hinzu. Ihrer Meinung nach trägt ein solches Vorgehen auch dazu bei, den Status der Museen zu stärken.
Mehrere Tausend menschliche Überreste
Die KHBK will zudem eine Bestandsaufnahme der in Schweizer Sammlungen aufbewahrten menschlichen Überreste vornehmen. Schädel, Skelette oder Gewebeproben wurden teilweise in kritischen Zeiten in den Herkunftsländern in die Schweiz gebracht.
Schweizer Museen und Universitäten bewahren laut Sommaruga wahrscheinlich mehrere Tausend menschliche Überreste auf. Die Kommission möchte ein systematisches Inventar erstellen, um deren Herkunft zu ermitteln.
«Diese Frage muss vorrangig behandelt werden», sagte die ehemalige Bundesrätin. Bei einem ethisch so heiklen Thema sei es unerlässlich, in jedem Einzelfall gemeinsam mit den betroffenen Nachkommen oder den Herkunftsgemeinschaften zu klären, wie mit diesen Überresten verfahren werden solle, betonte sie.
Einige dieser Überreste seien im 19. oder sogar im 20. Jahrhundert exhumiert oder gestohlen und anschliessend in die Schweiz gebracht worden, besonders um «Rassenforschungen» durchzuführen, sagte sie.
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