Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen, liebe Auslandschweizer
Viel Politik erwartet Sie im heutigen Briefing, das muss so sein nach nationalen Abstimmungen. Zum Ausgleich dafür auch ein privates Geständnis 😉.
Herzliche Grüsse aus Bern
Eidgenössische Abstimmungen: Der Tag danach
War das jetzt ein Sieg oder eine Niederlage? Und für wen eigentlich? Die zwei nationalen Vorlagen – die Konzernverantwortungs-Initiative und die Kriegsgeschäfte-Initiative – wurden beide abgelehnt. Die Resultate lassen dennoch unterschiedliche Schlüsse zu.
Letztlich hat das Ständemehr dafür gesorgt, dass international tätige Unternehmen aufatmen können. In den Chefetagen wird man sich das Resultat trotzdem genau anschauen: Die Bevölkerung hatte nämlich mehrheitlich zugestimmt, die Unterstützung kam aus allen politischen Lagern. Es ist seit 1955 das erste Mal, dass eine Initiative so versenkt wurde.
Und auch wenn die Initiative für ein Finanzierungsverbot von Rüstungsbetrieben abgelehnt wurde, ist das Resultat für die Befürworter ein Achtungserfolg. Klar ist schon jetzt: Die Abstimmungen rund um Waffengeschäfte werden die Schweiz weiterhin beschäftigen. Bereits stecken neue Initiativen in der Pipeline.
- Was die Resultate über die Schweiz aussagen, können Sie in der Analyse von Balz Rigendinger lesen.
- Unseren Artikel zur Konzernverantwortungsinitiative finden Sie hier, denjenigen zur Kriegsgeschäfteinitiative finden Sie hier.
- Weshalb das Ständemehr demokratietheoretisch überholt ist, erzählt der Politologe Nenad Stojanović im Interview.
- Unsere gesamte Berichterstattung im Vorfeld des Urnengangs finden Sie hier.
Kantonale Wahlen und Abstimmungen: Eine Auswahl
Neben den nationalen Vorlagen gab es auch zahlreiche kantonale und lokale Abstimmungen und Wahlen. Wir haben Ihnen eine kleine Auswahl zusammengestellt.
Basel
- Die rot-grüne Mehrheit in Basel ist weg. Ausgerechnet im Stadtkanton, der praktisch immer mit satter Mehrheit für linke Anliegen abstimmt. Der Wechsel hat viel mit der katastrophalen Personalpolitik von SP und Grünen zu tun, schreibt BajourExterner Link.
- Zudem sprach sich die Bevölkerung für ein neues, 330 Meter langes Hafenbecken aus. Das neue Containerterminal ist ziemlich ambitioniert – sogar im innereuropäischen Vergleich, wie SRF News schreibtExterner Link.
Bern
- So konservativ der Kanton in der Regel auch ist – die Stadt Bern bleibt weiterhin stramm links. Dieses Mal konnten die linken Kräfte sogar noch zulegen. Und: Die Stadt ist nun fest in Frauenhand. Der Frauenanteil im Stadtparlament beträgt neu 70 Prozent, schreibt Der BundExterner Link.
Genf
- In Genf erhalten Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung das Stimm- und Wahlrecht. Der Kanton macht damit einen historischen Schritt Richtung Inklusion, schreibt meine Kollegin Katy Romy.
St. Gallen
- Nicht schlecht staunt man ab St. Gallen: Dort wurde mit Maria Pappa eine linke Seconda ins Stadtpräsidium gewählt. Warum das eine kleine Revolution ist – und warum es die Gewählte selbst kaum glauben kann, erklärt SRF NewsExterner Link.
Zürich
- Und Zürich? Dort wurde entschieden, dass der Eintritt in die Badis nicht gratis sein soll, wie SRF News schreibtExterner Link. Aus Berner Sicht – wo das schon lange der Fall ist – reibt man sich ob des verbitterten Abstimmungskampfs etwas die Augen, aber jä nu so de.
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Das Wettrennen um den Himmel: Drohnen und Co.
Genug Politik, wenden wir uns nun technologischen Themen zu. Spätestens seit dem Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan sollte jedem interessierten Beobachter aufgefallen sein, welchen Stellenwert Drohnen in der Kriegsführung haben. Den Kampf um Bergkarabach wurde massgeblich mit unbemannten Flugobjekten entschieden.
Natürlich sind Drohnen aber auch zivil einsetzbar – und zwar höchst erfolgreich. Etwa für Rettungseinsätze oder zu Forschungszwecken. In der Schweiz sind übrigens bereits rund 100’000 Drohnen im Einsatz, wie Professor Francisco Klauser der Uni Neuchâtel weiss.
Und auch in der Landwirtschaft wird vermehrt auf Drohnen zurückgegriffen – sowie auf weitere modernste technologische Hilfsmittel. Eines ist sicher: Unsere Welt verändert sich im Moment gerade sehr schnell.
- Lesen Sie hieExterner Linkr das Interview auf Higgs.ch
- Unseren Beitrag zur modernen Landwirtschaft finden Sie hier.
Von den antiken Griechen zu Twitter
Angefangen hatte es schon vorher, aber richtig obsessiv wurde es ab Juli 2016, als ich an einem lauwarmen Freitagabend den Putschversuch in der Türkei live an meinem Smartphone mitverfolgte. Minute für Minute prasselten Meldungen ein, das Drama hielt mich wach bis in die frühen Morgenstunden. Seither steht fest: Ich bin ein Twitter-Junkie.
Es sind aber nicht nur die News und die Geschwindigkeit, die Twitter so attraktiv machen. Das Medium bietet allen eine Bühne, die etwas in kurzer, knackiger und prägnanter Form mitteilen wollen: Satirikern, Philosophen, Politikern und noch vielen mehr.
Viele spotten über das Medium, das sie als oberflächlich und flüchtig abtun. Dabei haben diese Kritiker etwas Elementares nicht verstanden: Twitter ist eigentlich die perfekte Plattform für Aphorismen. Und ermöglicht damit die Fortsetzung einer der grossen philosophischen Grundtypen der Antike in einem modernen, technologischen Gewand.
- Über den Kampf zwischen System und losen Bausteinen: Lesen Sie hierExterner Link den Beitrag auf Journal21.
- Hier finden Sie übrigens den Twitter-Kanal von swissinfo.chExterner Link und meinen eigenenExterner Link.
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Ein Hinweis in eigener Sache: Unser Adventskalender wartet auf Sie!
Abgesagte Konzerte, geschlossene Museen, verbotene Aufführungen – die Corona-Krise hat Kunstschaffende aller Sparten hart getroffen. Unser diesjähriger Adventskalender widmet sich deshalb der Schweizer Kultur zu.
Wir werden jeden Tag Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz präsentieren. Unsere Liste ist natürlich weder umfassend noch abschliessend – deshalb starten wir gleich noch eine Umfrage, in der Sie uns Ihre Kulturtipps geben können. Wir sind gespannt!
- Hier finden Sie unseren diesjährigen Adventskalender.
- Zur Umfrage geht es hier entlang.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards