Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Fast zwei Drittel der Stimmenden versenkten am letzten Sonntag das E-ID-Gesetz. Wieso die Klatsche für Parlament und Regierung eine neue Ära einläutet, verrate ich Ihnen gleich.
Herzliche Grüsse aus Bern und stay safe!
Das Nein zum E-ID-Gesetz mit fast zwei Dritteln der Stimmen markiert in der Demokratie der Schweiz eine Zeitenwende, sagt unser Politikanalyst.
Der Sieg mit dem ersten erfolgreichen Crowd-Referendum signalisiere den Aufstieg digitaler Aktivisten und Aktivistinnen zum ernstzunehmenden Machtfaktor, schreibt Claude Longchamp in seiner neuen Kolumne für swissinfo.ch. Parlament und Parteien sollten diese neuen Player ernst nehmen.
Der Erfolg an der Urne mache die Trägerinnen und Träger des digitalen Referendums-Kampfs zu Gewinnern der Pandemie, hält Longchamp fest.
Die Gruppe stehe für eine neue, aktivierte Zivilgesellschaft, die gegen Konzerne und Staaten vorginge, die ethische Standards missachten würden.
Der erste Lackmustest für Longchamps These folgt auf dem Fuss: Am 13. Juni stimmt die Schweiz unter anderem über das Covid-19-Gesetz ab.
- Zeitenwende in der politischen Aktivierung in der Schweiz – Kolumne von Claude Longchamp.
- Die Sprengkraft der «Diktatur»-Polemik – meine Analyse, wie sich die – völlig haltlosen – Anwürfe der SVP auf das Vertrauen in die Schweizer Politik und Behörden auswirken.
- Wähler werden Werber – Claude Longchamp hat das Phänomen des digitalen Campaigning schon 2018 für uns thematisiert.
Mehr
Am Wochenende stellt der grosse chinesische Dissident Ai Weiwei in Genf seinen neuen Film vor. Alle anderen Festivals lassen die Finger davon.
So eisern ist der Griff Pekings also schon in den westlichen Demokratien: Alle grossen Filmfestivals signalisierten zwar grosses Interesse an «Coronation», dem neuen Werk des Künstlers und Regimekritikers Ai Weiwei.
Doch zeigen will ihn niemand. Auch die Streaming-Plattformen nahmen ihn nicht ins Programm auf – zu gross die Angst, das Regime in Peking drehe ihnen auf dem lukrativen Riesenmarkt China den Geldhahn zu.
Kein Wunder, entwirft Weiwei im Interview mit swissinfo.ch ein düsteres Bild, was Gesellschaft und Demokratie nach der Pandemie betrifft: Die Freiheiten sieht er dem Profit geopfert, über allem dominiere eine einschneidende Zensur.
- Ai Weiwei: Demokratische Welle der letzten 40 Jahre ist vorbei
- Fünf Gedanken Ai Weiweis über die Demokratie – fünf Thesen des Künstlers und Regimekritikers anlässlich seines Besuchs in Bern 2016.
- Schweiz fordert Uno-Inspektion der Uiguren-Lager und Schliessung – Agenturbericht von 2019.
Weitere Öffnungen Ja, aber in kleinen Schritten: Das die Strategie des Bundesrats.
Nein, die Zahlen stimmen ganz und gar nicht: 1333 neue Infizierte, elf Todesfälle lautet die Corona-Bilanz heute Freitag.
Doch die Regierung gibt dem Druck der Wirtschaft nach und kündigt für den 22. März weitere Öffnungen an.
Das betrifft etwa Terrassen von Restaurants, Sport- und Freizeitveranstaltungen und den Hochschulbetrieb.
Doch im Kleingedruckten verknüpft der Bundesrat den Plan damit, dass es zu keiner dritten Welle kommt. Das heisst, dass die Zahlen in den nächsten Tagen wieder sinken müssen.
- Einzelheiten in unserem täglichen Corona-Update.
- Die aktuellen Corona-Zahlen der Johns Hopkins UniversitätExterner Link zur Schweiz.
Die Corona-Pandemie stösst in der Schweiz viele an den Abgrund. Die Glückskette half bisher rund 1,7 Millionen Menschen.
Sie können nur noch dann und wann arbeiten oder verloren den Job ganz, dabei füllt sich der Briefkasten weiter mit Rechnungen: In der «reichen» Schweiz, so das Klischee, kämpfen Menschen um ihre Existenz.
Vor einem Jahr startete die Glückskette der SRG SSR, zu der auch SWI swissinfo.ch gehört, ihre Spendenaktion zugunsten von verletzlichen Menschen in der Schweiz.
Von den gut 43 Mio. Franken, die bis heute zusammenkamen, wurde Nothilfe in Höhe von 40 Millionen Franken geleistet, oft in Form von Lebensmittel-Paketen.
- Glückskette hat bisher 1,7 Millionen Menschen in Not unterstütztExterner Link
- Pandemie stürzt Geringverdienende ins Prekariat – Bericht meiner Kollegin Marie Vuilleumier.
- «Wir müssen die Schweiz vor dem sozialen ‚Meltdown‘ bewahren» – mein Bericht zur Verschärfung der sozialen Ungleichheit durch die Coronakrise.
Im heutigen Auslandschweizer Porträt: Michael Hauser, in Kapstadt geboren, in Zürich aufgewachsen und seit 33 Jahren wieder zurück in seiner ursprünglichen Heimat.
Mit seiner Frau Andrea starteten die beiden zunächst eine abenteuerliche Reise mit ihrem Hippie-Bus quer durch Südafrika. Mit der Schweizer Kultur ist Hauser bis heute stark verwurzelt. Unter anderem auch dank des Schweizer Clubs vor Ort, den er lange präsidierte.
Im Podcast «Die Fünfte Schweiz» lässt Radio SRF1 regelmässig Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zu Wort kommen. Quer durch alle Länder, Berufe und Lebenssituationen erzählen sie von ihrem Alltag.
Hier gehts zum Porträt (Dialekt):
Direkter Link zum Porträt von Michael HauserExterner Link.
- Den Podcast «Die Fünfte Schweiz» finden Sie hierExterner Link,
- Das ganze Gespräch mit Michael Hauser auf Play SRFExterner Link.
-
«Es ist hart, einem Schweizer beim Klagen zuzuhören» – Porträt von Ariane Lüthi. Die Vizeweltmeisterin im Mountainbike-Marathon lebte vor der Pandemie acht Jahre am Kap.
Mehr
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards