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Berner Kantonspolizei löst Rialto-Applikation bis Ende 2030 ab

Keystone-SDA

Die Berner Kantonspolizei mustert ihr IT-System Rialto aus. Ein neues Produkt wird per freihändiger Vergabe beschafft. Es kostet über 17 Millionen Franken und bringt - zunächst jedenfalls - einen digitalen Rückschritt, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

(Keystone-SDA) Die Fachapplikation Rialto ist ein zentrales digitales Werkzeug und dient der Vorgangsbearbeitung bei der Berner Kantonspolizei. Doch das Vorhaben hat eine schwierige Geschichte.

2017 als grosses, gemeinsames Projekt von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft lanciert, kämpfte die 2022 bei der Polizei eingeführte Software mit schwerwiegenden Kinderkrankheiten und konnte nur mit mehreren Zusatzkrediten praxistauglich gemacht werden. Die Brücke zur Staatsanwaltschaft kam nicht zustande.

Kanton und Lieferanten einigten sich schliesslich in gegenseitigem Einvernehmen darauf, dass der Staat zehn Millionen Franken zurückerhält.

Vor rund einem Jahr kam neues Ungemach dazu: Die Lieferanten teilten mit, dass die technischen Grundlagen für Rialto voraussichtlich nicht mehr weiterentwickelt würden. Diese Ankündigung sei unerwartet gekommen, betonte damals der kantonale Sicherheitsdirektor Philippe Müller (FDP) gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Wir konnten nicht wissen, dass die SAP-Basis allenfalls nicht mehr weiterentwickelt wird.»

Wechsel zu neuem Produkt

Bei Polizei und Sicherheitsdirektion musste man also erneut über die Bücher. Zur Auswahl standen entweder die Migration von Rialto auf eine neue Technologiebasis oder der Ersatz. Nun soll Rialto durch das Produkt myABI der Firma LogObject AG abgelöst werden, wie aus einer Mitteilung vom Freitag hervorgeht.

Der Betrieb von Rialto ist noch bis Ende 2030 sichergestellt. Für die Beschaffung der neuen Lösung ist eine freihändige Vergabe vorgesehen, die in den kommenden Tagen publiziert wird.

Tiefere Betriebsausgaben erwartet

Für die Beschaffung von myABI rechnet die Kapo Bern mit Investitionskosten von rund 8 Millionen Franken. Dazu kommen weitere einmalige Projektkosten von geschätzten 9,4 Millionen Franken. Die Gesamtkosten bewegen sich damit in einer ähnlichen Grössenordnung wie bei einer technischen Migration des bestehenden Rialto-Systems.

Die jährlich wiederkehrenden Betriebskosten sollen mit myABI gemäss aktuellen Schätzungen jedoch deutlich tiefer ausfallen, wie die Polizei in der Mitteilung ausführte.

Eine Marktanalyse ergab laut Polizei, dass myABI aktuell die einzige auf dem Markt verfügbare Lösung sei, welche die Bedürfnisse der Kantonspolizei Bern abdeckt und rechtzeitig eingeführt werden kann. Das System wird bereits von über 20 anderen Schweizer Polizeikorps genutzt.

Digitaler Rückschritt

Eine extern unterstützte Analyse kam zum Schluss, dass die Einführung von Rialto damals einen grossen Digitalisierungsschritt für die Kantonspolizei darstellte. Das System wurde über die Jahre intensiv weiterentwickelt. Mit dem Wechsel zu myABI nehme die Kantonspolizei nun bezüglich der Digitalisierung einen Rückschritt in Kauf.

Der Hersteller LogObject habe jedoch Interesse bekundet, das Know-how der Kapo Bern bei der Weiterentwicklung von myABI zu nutzen. Bevor das Projekt starten kann, müssen die Beschwerdefrist abgewartet und die Finanzierung sichergestellt werden.

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